KI-Wirtschaft

Anthropic bricht 6-Milliarden-Dollar-Deal mit Decart ab

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Anthropic hat die Übernahme des israelischen KI-Start-ups Decart im Wert von 6 Milliarden Dollar nach abgeschlossener Prüfung nicht weiterverfolgt. Die Verhandlungen liefen seit August 2026, laut Bloomberg zog sich Anthropic ohne offizielle Begründung zurück. Nvidia hatte zuvor ein höheres Gebot für Decart abgegeben, das die Gründer zugunsten von Anthropics Aktienangebot ablehnten. Beide Seiten könnten künftig dennoch kommerziell kooperieren.

Eine Hand mit Anthropic-Logo-Aufkleber zieht sich von einem Handschlag mit einer Hand mit Decart-Logo-Aufkleber zurück, dazwischen schweben ein Mikrochip und eine Geldscheinnote mit der Zahl 6 Milliarden Dollar. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic prüfte den Kauf von Decart monatelang, bevor die Gespräche im September 2026 endeten.
  • Der geplante Deal hätte Decart mit 6 Milliarden Dollar bewertet – über der Mai-Bewertung von 4 Milliarden Dollar.
  • Decart-Gründer Dean Leitersdorf und Moshe Shalev lehnten zuvor ein höheres Kaufangebot von Nvidia ab.
  • Nvidia ist selbst mit 300 Millionen Dollar an Decart beteiligt und lieferte zugleich das Konkurrenzgebot.
  • Decarts Technologie soll Trainings- und Betriebskosten von KI-Chips senken sowie Echtzeit-Videos fürs virtuelle Anprobieren erzeugen.
  • Investoren und Gründer suchen laut Bloomberg inzwischen nach neuen Käufern für das Start-up.

Anthropic hat die geplante Übernahme des israelischen KI-Start-ups Decart abgebrochen, nachdem der Konzern monatelang verhandelt und eine Due-Diligence-Prüfung durchgeführt hatte. Das Geschäft hätte Decart mit 6 Milliarden Dollar bewertet – anderthalbmal so viel wie bei der letzten Finanzierungsrunde im Mai. Über die Gründe schweigen beide Unternehmen.

Monatelange Prüfung endet ohne Einigung

Erste Berichte über die Gespräche gab es bereits am 13. August 2026, unter anderem bei Fortune, damals schon mit der Zielmarke von 6 Milliarden Dollar. Bloomberg berichtete nun über das Ende der Gespräche. Ein solcher Deal wäre nach bisherigem Kenntnisstand Anthropics größte Übernahme gewesen. Nach Wochen der Prüfung entschied sich der Konzern jedoch dagegen, die Akquisition weiterzuverfolgen – eine finale Einigung habe es nie gegeben. Unklar bleibt, ob der Preis oder Erkenntnisse aus der Due Diligence den Ausschlag gaben. Beide Seiten lehnten eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg ab. Offen ist auch, ob Anthropic und Decart stattdessen eine lockere kommerzielle Kooperation vereinbaren, wie eine mit der Sache vertraute Person Bloomberg zufolge andeutete. Vor den Anthropic-Gesprächen soll bereits Nvidia ein höheres Kaufangebot für Decart vorgelegt haben. Die Gründer Dean Leitersdorf und Moshe Shalev entschieden sich mit den übrigen Anteilseignern dennoch für Anthropics niedrigeres Angebot in Aktien – in der Hoffnung, von einem künftigen Anthropic-Börsengang zu profitieren.

Investoren suchen nun nach einem neuen Käufer

Nvidia zählt selbst mit rund 300 Millionen Dollar zu Decarts Geldgebern, neben Amazon, Sequoia, Benchmark, Radical Ventures und Einzelinvestoren wie OpenAI-Mitgründer Andrej Karpathy. Insgesamt sammelte Decart nach eigenen Angaben mehr als 450 Millionen Dollar ein. Bei der Finanzierungsrunde im Mai wurde das Unternehmen mit rund 4 Milliarden Dollar bewertet – deutlich unter der nun kolportierten Kaufsumme. Investoren und Gründer sollen inzwischen nach anderen Käufern für das Unternehmen suchen. Leitersdorf und Shalev, beide Veteranen der israelischen Militäreinheit 8200, gründeten Decart im September 2023. Das Unternehmen entwickelt eine Optimierungsschicht, die Chips beim Training und Betrieb von KI-Modellen effizienter auslasten soll, sowie sogenannte Weltmodelle, die aus Text und Videomaterial das Verhalten physischer Objekte lernen. Das hauseigene Modell Lucy generiert daraus in Echtzeit hochauflösende Videos, etwa für virtuelles Anprobieren im Online-Handel oder bei Livestreams. Gerade die Chip-Effizienz dürfte für Anthropic interessant gewesen sein: Der Konzern kauft parallel in großem Stil Rechenleistung für sein Sprachmodell Claude ein. Dafür baute er zuletzt mit der Verpflichtung des Monzo-Gründers Tom Blomfield ein eigenes Compute-Team auf.

Ein Kauf hätte Anthropic direkten Zugriff auf Technologie verschafft, die eigene Trainings- und Betriebskosten senken könnte – stattdessen bleibt vorerst offen, ob eine losere Kooperation folgt. Entscheidend wird, ob Decart einen neuen Käufer findet, bevor der Wettlauf um günstigere KI-Rechenleistung das Zeitfenster schließt.

Häufige Fragen

Wie hoch war das Übernahmeangebot von Anthropic für Decart?

Rund 6 Milliarden Dollar, überwiegend in Form von Anthropic-Aktien statt Bargeld.

Was macht Decart genau?

Das israelische Start-up entwickelt eine Optimierungsschicht für effizientere KI-Chips sowie das Weltmodell Lucy für Echtzeit-Video, etwa für virtuelles Anprobieren im Online-Handel.

Warum bevorzugten die Decart-Gründer Anthropic gegenüber Nvidia?

Sie erwarteten von einem künftigen Anthropic-Börsengang höhere Gewinne als vom höheren Barangebot Nvidias.

Übernimmt jetzt ein anderes Unternehmen Decart?

Offen. Investoren und Gründer sollen nach neuen Käufern suchen, ein Zeitplan ist bislang nicht bekannt.

Bleibt Decart vorerst unabhängig?

Ja, das Unternehmen bleibt eigenständig und wird weiter von bisherigen Investoren wie Nvidia, Amazon und Sequoia getragen.

Quellen (4)
  1. Anthropic Said to Walk Away From $6 Billion Decart Acquisition – Bloomberg
  2. Anthropic said in talks to buy startup Decart for $6 billion – Fortune
  3. Anthropic decides against $6b Decart acquisition - report – Globes
  4. Decart AI Lab

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