KI-Wirtschaft

UBS verlangt ab 2027 KI-Kompetenz von neuen Bankern

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die Schweizer Großbank UBS schreibt für Berufseinsteiger ab dem Einstellungsjahrgang 2027 erstmals messbare KI-Fähigkeiten fest – ein in dieser Form neues Kriterium unter europäischen Großbanken. Bewerbungsgespräche prüfen konkrete Anwendungsfälle statt allgemeiner Chatbot-Nutzung. Wer die Stelle antritt, durchläuft anschließend ein internes Schulungsprogramm zu Praxisfällen im Bankgeschäft.

Ein Bewerber sitzt vor einem Laptop mit einer Chat-Sprechblase auf dem Bildschirm, daneben liegt ein Bewerbungsformular mit einem Häkchen bei „KI-Kompetenz“, im Hintergrund hängt ein UBS-Logo-Sticker an der Wand. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • UBS macht KI-Kompetenz ab dem Einstellungsjahrgang 2027 zur festen Bedingung für Global Banking and Markets.
  • Interviews verlangen konkrete Beispiele eigener KI-Nutzung, reine ChatGPT-Erfahrung reicht laut Bank nicht.
  • Seit 2024 haben über 38.000 UBS-Beschäftigte interne KI-Lernprogramme abgeschlossen.
  • Mehr als 21.000 Mitarbeitende trugen bis Juli 2026 das interne Abzeichen „AI Citizen“.
  • Auch die spanische Bank Santander verlangt für manche Traineeprogramme fortgeschrittene KI-Kenntnisse.
  • Ob UBS die Regel auf weitere Konzernbereiche ausweitet, ist bislang offen.

Die Schweizer Großbank UBS verlangt von Berufseinsteigern im Bereich Global Banking and Markets ab dem Jahrgang 2027 einen Nachweis praktischer KI-Kompetenz. Bewerbungsgespräche prüfen künftig konkrete Beispiele für den eigenen Einsatz von KI-Werkzeugen, reine ChatGPT-Nutzung genügt nicht. Neue Mitarbeitende durchlaufen zusätzlich das interne Programm AI Fluency Pathway.

UBS fragt im Bewerbungsgespräch nach echten KI-Beispielen

Die Regelung betrifft zunächst Graduates sowie Praktikantinnen und Praktikanten, die 2027 in der Sparte Global Banking and Markets starten. Wie TNW unter Berufung auf die Financial Times berichtet, ergänzt UBS die klassischen Einstellungskriterien um eine praktische KI-Prüfung. Dazu zählt weiterhin ein Studienabschluss mit mindestens der Note 2:1 nach britischem System. Neu ist, dass Bewerbende im Gespräch an einer konkreten Aufgabe zeigen sollen, was sie einem KI-Modell übergeben haben und was am Ergebnis besser war als vorher. Die Fragen orientieren sich an realen Projekten, etwa an der automatisierten Auswertung von Finanzkennzahlen oder der Vorbereitung von Kundenunterlagen. Bloßes Vertrautsein mit verbreiteten Chatbots wie ChatGPT reicht nicht aus, gefragt ist der verantwortungsvolle Einsatz von KI zur Verbesserung von Arbeitsergebnissen und Effizienz. UBS zählt damit laut Berichten zu den ersten europäischen Großbanken, die eine solche Anforderung schriftlich festschreiben. Ob die Bank die Vorgabe auf andere Konzernbereiche oder auf bereits beschäftigte Mitarbeitende ausweitet, ließ sie bislang offen.

Internes Programm schult neue Mitarbeitende in Praxisfällen

Wer die Hürde nimmt, durchläuft anschließend das interne Programm AI Fluency Pathway. Es vermittelt praxisnahe Anwendungsfälle aus dem Bankgeschäft und schult den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Ausgaben. Das Programm baut auf einer bereits bestehenden Schulungsstruktur auf. Seit 2024 haben nach Angaben der Bank mehr als 38.000 Beschäftigte sogenannte KI-Lernreisen abgeschlossen, mehr als 49.000 belegten KI-bezogene Onlinekurse – unabhängig nicht verifizierte Angaben. Bis Juli 2026 erwarben demnach über 21.000 Mitarbeitende das interne Abzeichen „AI Citizen“. Die AI Fluency Pathway richtet sich ausschließlich an neu eingestellte Graduates und Praktikantinnen und Praktikanten, nicht an das bestehende Personal. Die Schulung findet vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn statt und ist für die betroffenen Jahrgänge verpflichtend. Die Bank verspricht sich davon einen einheitlicheren Umgang mit KI-Werkzeugen über alle Standorte weltweit hinweg. Für bereits angestellte Fachkräfte bietet die Bank weiterhin freiwillige interne Weiterbildungsangebote zu KI-Themen an. Wie viele Bewerbungen die neue Hürde nicht bestehen, teilte die Bank bislang nicht mit.

Auch andere Banken verschärfen ihre Erwartungen an Einsteiger

Der Schritt reiht sich in einen branchenweiten Trend ein. Auch die spanische Großbank Santander verlangt für einzelne Traineeprogramme bereits fortgeschrittene KI-Anwenderkenntnisse. Investmentbanken setzen KI-Werkzeuge zunehmend für Aufgaben ein, die bislang Berufseinsteiger übernahmen, etwa Recherche für Pitchbooks oder das Prüfen von Dokumenten. Eine Studie der Harvard Business School zeigt, dass KI-native Start-ups strukturell weniger Einstiegspositionen schaffen als vergleichbare Firmen ohne KI-Fokus. UBS betont dagegen, KI-Kompetenz solle bestehende Anforderungen ergänzen und nicht ersetzen – akademische Leistung, analytisches Denken und Kommunikationsfähigkeit blieben demnach zentrale Auswahlkriterien. Auch bei anderen internationalen Häusern wächst der Druck, Berufseinsteiger früher an KI-gestützte Arbeitsabläufe heranzuführen, offizielle Vorgaben wie bei UBS bleiben aber bislang die Ausnahme. Kritiker warnen, eine zu frühe Automatisierung von Einstiegsaufgaben könnte dem Nachwuchs praktische Lernerfahrung nehmen, die für spätere Führungspositionen wichtig ist. Wissenschaftliche Begleitforschung zu den langfristigen Folgen für den Berufseinstieg in der Finanzbranche steht bislang noch aus. Belastbare Zahlen dazu, ob das gelingt, gibt es bislang nicht.

Entscheidend wird, ob UBS die Vorgabe tatsächlich auf weitere Konzernbereiche und bestehende Mitarbeitende ausweitet, wie es die Bank für möglich hält. Offen bleibt auch, wie die Bank die geforderte KI-Kompetenz in den Interviews konkret misst und ob andere große europäische Banken mit einer eigenen, verbindlichen Regelung nachziehen.

Häufige Fragen

Ab wann gilt die neue Anforderung bei UBS?

Sie betrifft Bewerbungen für den Einstellungsjahrgang 2027 in der Sparte Global Banking and Markets. Für frühere Jahrgänge oder andere Bereiche äußerte sich UBS bislang nicht.

Reicht es, ChatGPT schon einmal genutzt zu haben?

Nein, laut UBS zählt nur der nachweisbare, verantwortungsvolle Einsatz von KI zur Verbesserung konkreter Arbeitsergebnisse. Interviewfragen zielen auf reale Beispiele statt auf reine Werkzeugkenntnis.

Was umfasst das Programm AI Fluency Pathway?

Es vermittelt neuen Mitarbeitenden praxisnahe Anwendungsfälle aus dem Bankgeschäft sowie einen verantwortungsvollen und kritisch reflektierten Umgang mit KI-Ergebnissen.

Stellen auch andere Banken ähnliche Anforderungen?

Die spanische Santander sucht für einzelne Traineeprogramme bereits gezielt fortgeschrittene KI-Anwenderinnen und -Anwender. Eine branchenweite Norm ist das bislang nicht.

Müssen bereits angestellte UBS-Mitarbeitende die Anforderung ebenfalls erfüllen?

Die neue Vorgabe gilt bislang nur für neue Bewerbungen. Intern bietet UBS aber bereits seit 2024 breite KI-Schulungsprogramme für bestehende Beschäftigte an.

Quellen (2)
  1. UBS Graduate Talent Program – AI Fluency Pathway
  2. TNW: UBS now wants AI skills from its junior bankers, Financial Times reports

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