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Harvard-Studie: KI-Start-ups stellen kaum Berufseinsteiger ein

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Fotorealistische Darstellung: Ein junger Absolvent mit Bewerbungsmappe steht vor der Glastür eines Start-ups, in dem Roboter an Schreibtischen arbeiten; an der Tür ein Schild „No entry-level“. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Fotorealistische Darstellung: Ein junger Absolvent mit Bewerbungsmappe steht vor der Glastür eines Start-ups, in dem Roboter an Schreibtischen arbeiten; an der Tür ein Schild „No entry-level“.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Eine Harvard-Business-School-Studie (Kim & Koning, Working Paper Nr. 26-090, Juni 2026) zeigt anhand von Y-Combinator- und PitchBook-Daten, dass KI-native Start-ups strukturell anders organisiert sind als vergleichbare Firmen ohne KI-Fokus: 12 bis 25 Prozent kleiner, mit rund 13 Prozent mehr Softwareentwicklern und jeweils rund 15 Prozent weniger Einstiegspositionen und Führungskräften. Ausschlaggebend ist laut den Autoren vor allem der 'Produkt-Kanal': KI wird direkt ins Produkt eingebaut statt nur als internes Werkzeug genutzt. Anthropics CPO Mike Krieger bestätigte öffentlich, dass sein Unternehmen mangels Praktikantenprogramm tendenziell weniger frische Hochschulabsolventen einstellt. Laut SignalFire-Daten betrifft der Rückgang von Einstiegsjobs allerdings nicht nur KI-Start-ups, sondern auch etablierte Tech-Konzerne.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Harvard-Studie (Kim & Koning, HBS Working Paper Nr. 26-090) zeigt erstmals systematisch, dass KI-native Start-ups anders organisiert sind als vergleichbare Firmen ohne KI-Fokus.
  • KI-native Firmen sind je nach Stichprobe 12 bis 25 Prozent kleiner, haben rund 13 Prozent mehr Softwareentwickler und jeweils rund 15 Prozent weniger Einstiegspositionen und Führungskräfte.
  • Ausschlaggebend ist laut der Studie nicht die Nutzung von KI-Werkzeugen durch Mitarbeitende, sondern der 'Produkt-Kanal': KI wird direkt ins Produkt eingebaut und ersetzt so einen Teil der sonst nötigen Arbeitskraft.
  • Anthropics CPO Mike Krieger bestätigte öffentlich, dass das Unternehmen mangels Praktikantenprogramm tendenziell weniger frische Hochschulabsolventen einstellt.
  • Der Rückgang von Einstiegsjobs beschränkt sich laut SignalFire-Daten nicht auf KI-Start-ups: Bei großen Tech-Konzernen und wachsenden Start-ups sank die Zahl entsprechender Neueinstellungen zwischen 2019 und 2024 um 50 Prozent.
  • Der ursprünglich verlinkte Business-Insider-Artikel war für diese Recherche nicht direkt abrufbar; der Beitrag stützt sich stattdessen auf die zugrunde liegende Harvard-Studie und weitere unabhängige Quellen.

Die Ökonomen Hyunjin Kim (INSEAD) und Rembrand Koning (Harvard Business School) werteten in ihrem Arbeitspapier “AI-Native Firms” (Harvard Business School Working Paper Nr. 26-090, Juni 2026) Daten von Y-Combinator-Start-ups aus den Jahrgängen 2020 bis 2024 sowie eine breitere Stichprobe US-amerikanischer, mit Risikokapital finanzierter Start-ups aus. Als “KI-nativ” gelten dabei Firmen, die sich selbst bei Y Combinator mit dem Tag “AI” gekennzeichnet haben; die Forscher verknüpften diese Selbstauskunft mit Finanzierungsdaten von PitchBook und mit Personaldaten von Revelio Labs.

Im Vergleich zu Nicht-KI-Start-ups derselben Branche und desselben Jahrgangs sind KI-native Firmen laut der Zusammenfassung des HBS AI Institute in der Y-Combinator-Stichprobe rund 25 Prozent kleiner, in der breiteren PitchBook-Stichprobe etwa 12 Prozent kleiner. Der Anteil an Softwareentwicklern ist bei ihnen rund 13 Prozent höher, während die Anteile an Einstiegspositionen und an Führungskräften jeweils etwa 15 Prozent niedriger liegen. Als Beispiel nennen die Autoren zwei Firmen aus demselben Marktsegment: Die KI-gestützte Prüfungsvorbereitungsplattform Educato AI kommt mit sieben Beschäftigten aus, während der auf menschliche Nachhilfelehrer setzende Anbieter Careerist 912 Mitarbeitende zählt.

Zwei Erklärungsansätze – nur einer bestätigt sich

Kim und Koning unterscheiden zwischen zwei Wegen, wie KI Unternehmen verändern kann. Der erste ist der sogenannte Prozess-Kanal: Mitarbeitende nutzen KI-Werkzeuge wie Cursor oder Claude, um ihre bestehende Arbeit schneller oder besser zu erledigen. KI-native Firmen nennen solche Werkzeuge in ihren Stellenausschreibungen zwar rund 2,6-mal häufiger als vergleichbare Firmen – dieser Unterschied erklärt laut der Studie aber weder die kleinere Belegschaft noch die flacheren Hierarchien.

Stärkere Evidenz liefert stattdessen der sogenannte Produkt-Kanal: KI wird direkt in das verkaufte Produkt eingebaut, sodass ein Großteil der eigentlichen Arbeit im System selbst stattfindet statt bei zusätzlich eingestellten Menschen. Rund zwei Drittel der KI-getaggten Y-Combinator-Start-ups lassen sich laut der Studie dieser Kategorie zuordnen. Als Beispiel nennen die Autoren das Unternehmen FazeShift, das KI-Agenten für die Debitorenbuchhaltung anbietet: Wo ein klassischer Softwareanbieter für diesen Bereich ein größeres Team für Sonderfälle und laufenden Support bräuchte, erledigen die Agenten von FazeShift einen Großteil dieser Arbeit selbst – zusätzliche Kunden erfordern deshalb kein proportionales Personalwachstum.

Reaktionen: eine der ersten belastbaren Untersuchungen zum Thema

Der US-Ökonom Tyler Cowen bezeichnete die Studie auf seinem Blog Marginal Revolution als sehr wichtige Arbeit zu einer Frage, zu der es bislang vor allem Anekdoten, aber wenig belastbare Daten gab. Im Interview mit dem Magazin Charter/TIME betonte Mitautorin Hyunjin Kim, dass es für etablierte Unternehmen nicht ausreiche, bestehenden Mitarbeitenden lediglich KI-Werkzeuge zur Verfügung zu stellen; entscheidend sei vielmehr, ob und wie KI-Fähigkeiten in die eigentlichen Produkte und Arbeitsabläufe eingebettet werden.

Ein Beispiel aus der Praxis: Anthropic

Dass Einstiegspositionen bei einzelnen KI-Unternehmen tatsächlich eine untergeordnete Rolle spielen, hat Anthropics Chief Product Officer Mike Krieger selbst öffentlich eingeräumt. Im Podcast “Silicon Valley Girl” sagte Krieger auf die Frage nach frischen Hochschulabsolventinnen und -absolventen, das Unternehmen habe bislang kein Praktikantenprogramm gehabt und stelle deshalb tendenziell weniger davon ein. Stattdessen suche Anthropic gezielt nach Personen, die eigenständig Probleme lösen und bereits in ihrer Freizeit eigene Projekte umsetzen, statt nach spezifischen, eng umrissenen technischen Vorkenntnissen.

Der Blick aufs Ganze: Auch etablierte Unternehmen stellen weniger Berufseinsteiger ein

Die Verengung des Berufseinstiegs beschränkt sich nicht auf KI-native Start-ups. Wie CNBC unter Berufung auf eine Analyse der Risikokapitalgesellschaft SignalFire berichtete, ging die Zahl neuer Anstellungen von Personen mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung bei großen, börsennotierten Tech-Konzernen und wachsenden, mit Risikokapital finanzierten Start-ups zwischen 2019 und 2024 um 50 Prozent zurück. SignalFire-Partnerin Heather Doshay ordnete das gegenüber CNBC nicht als generelles Verschwinden von Aufstiegschancen ein, sondern als Verflachung der Organisationsstrukturen: Der Berufseinstieg verändere sich, verschwinde aber nicht vollständig.

Einordnung

Die Harvard-Studie liefert damit einen der ersten datengestützten Belege für einen Effekt, der zuvor überwiegend anekdotisch beschrieben wurde: KI-native Unternehmen sind nicht einfach traditionelle Firmen mit zusätzlichen KI-Werkzeugen, sondern strukturell anders aufgebaut – kleiner, mit mehr Softwareentwicklern und flacheren Hierarchien. Für Berufseinsteiger bedeutet das laut den Studienautoren nicht zwangsläufig das Verschwinden von Karrierewegen in der Tech-Branche, wohl aber eine Verschiebung: weg von klassischen Einstiegsjobs mit repetitiven Aufgaben, hin zu einer kleineren Zahl an Positionen, die von Anfang an höhere Eigenständigkeit voraussetzen.

Häufige Fragen

Was versteht die Harvard-Studie unter einer 'KI-nativen' Firma?

Als KI-nativ gelten in der Studie Start-ups, die sich bei Y Combinator selbst mit dem Tag 'AI' gekennzeichnet haben. Die Forscher verknüpften diese Selbstauskunft mit Finanzierungsdaten von PitchBook und Personaldaten von Revelio Labs.

Wie viel kleiner sind KI-native Firmen laut der Studie?

KI-native Firmen sind rund 25 Prozent kleiner (Y-Combinator-Stichprobe) beziehungsweise 12 Prozent kleiner (breitere PitchBook-Stichprobe) als vergleichbare Nicht-KI-Firmen. Der Anteil an Softwareentwicklern liegt rund 13 Prozent höher, die Anteile an Einstiegspositionen und Führungskräften jeweils rund 15 Prozent niedriger.

Warum sind KI-native Firmen kleiner besetzt?

Nicht in erster Linie dadurch, dass Mitarbeitende KI-Werkzeuge wie Claude oder Cursor für ihre bestehende Arbeit nutzen (Prozess-Kanal). Die stärkere Erklärung ist der Produkt-Kanal: KI wird direkt in das verkaufte Produkt eingebaut, sodass ein Großteil der Arbeit im System selbst stattfindet.

Was sagt Anthropics CPO Mike Krieger zum Thema Berufseinsteiger?

Anthropics Chief Product Officer Mike Krieger sagte im Podcast 'Silicon Valley Girl', das Unternehmen habe kein Praktikantenprogramm gehabt und stelle deshalb tendenziell weniger frische Hochschulabsolventen ein. Gesucht werden stattdessen Personen mit eigenständigen Projekten und Problemlösungskompetenz.

Betrifft der Rückgang von Einstiegsjobs nur KI-Start-ups?

Nein. Laut einer von CNBC zitierten SignalFire-Analyse ging die Zahl neuer Anstellungen von Berufseinsteigern bei großen Tech-Konzernen und wachsenden Start-ups zwischen 2019 und 2024 insgesamt um 50 Prozent zurück.

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