KI-Wirtschaft

Samsung fällt 7,5 Prozent: Anleiherendite auf Höchststand seit 2007

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der Kospi ist am 19. August 2026 um rund sechs Prozent eingebrochen, nachdem die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen zeitweise auf 5,33 Prozent geklettert war, den höchsten Stand seit 2007. Samsung Electronics verlor 7,5 Prozent, SK Hynix knapp zehn Prozent, auch japanische und chinesische Chipwerte gaben nach. Auslöser sind Rekordausgaben an Unternehmensanleihen zur Finanzierung des KI-Ausbaus.

Ein roter Kurspfeil durchbricht ein Börsendiagramm mit Samsung- und SK-Hynix-Logo, im Hintergrund steigt ein blauer Pfeil neben einer Anleihe-Urkunde mit der Zahl 5,33 Prozent. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kospi verlor am 19. August rund sechs Prozent, den größten Tagesrückgang seit einer Woche.
  • Samsung Electronics fiel 7,5 Prozent, SK Hynix knapp zehn Prozent an der Börse Seoul.
  • Die dreißigjährige US-Anleiherendite stieg zeitweise auf 5,33 Prozent, höchster Stand seit 2007.
  • US-Firmen begaben 2026 bereits Anleihen über 1,7 Billionen Dollar, ein Plus von 27 Prozent.
  • SoftBank plant laut Bericht eine Rekord-Anleihe über 6,3 Milliarden Dollar für Privatanleger.
  • Auch Kioxia, SMIC und Hua Hong gaben deutlich nach – der Ausverkauf reicht über Korea hinaus.

Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen ist am Dienstag zeitweise auf 5,33 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 2007. Die gestiegenen Finanzierungskosten haben am Mittwoch einen Ausverkauf bei Speicherchip-Aktien in Asien ausgelöst: Der südkoreanische Leitindex Kospi verlor rund sechs Prozent, Samsung Electronics und SK Hynix gaben jeweils 7,5 beziehungsweise knapp zehn Prozent nach.

Kospi verzeichnet größten Tagesverlust seit Wochen

Der Kospi eröffnete am Mittwoch rund fünf Prozent im Minus und rutschte im Handelsverlauf zeitweise auf 6.401 Punkte ab, den tiefsten Stand seit einer Woche. Samsung Electronics und SK Hynix stellen zusammen fast die Hälfte des Kospi-Indexgewichts. Die Terminbörse aktivierte einen fünfminütigen Verkaufs-Sidecar für Kospi-200-Futures, den bereits 25. dieses Jahr, nachdem die Futures um mehr als fünf Prozent gefallen waren. Ausländische Anleger verkauften Aktien im Wert von umgerechnet rund 790 Millionen Dollar, institutionelle Investoren zogen 168 Millionen Dollar ab. Private Anleger kauften dagegen für rund 935 Millionen Dollar zu und stemmten sich damit gegen den Trend.

Der Ausverkauf reichte über Korea hinaus. Laut Investing.com fiel der japanische SoftBank-Konzern um mehr als zehn Prozent, Speicherchip-Hersteller Kioxia rund 13 Prozent, Chiphersteller Renesas neun Prozent. In China gaben SMIC und Hua Hong Semiconductor sechs beziehungsweise 13 Prozent nach. Bereits am Dienstag hatten US-Werte wie Micron und SanDisk mit minus sieben respektive minus neun Prozent deutliche Verluste verzeichnet, Nvidia gab rund 2,3 Prozent ab. Erst Ende Juli war die Branche bereits durch einen vergleichbaren Ausverkauf am Nasdaq gelaufen, damals ausgelöst durch Zweifel an der Rendite der KI-Investitionen selbst statt an den Kapitalkosten.

Rekordausgabe an Unternehmensanleihen treibt die Zinsen

Der Anstieg der Anleiherenditen speist sich aus mehreren Quellen zugleich. US-Unternehmen haben im laufenden Jahr bereits Anleihen im Volumen von knapp 1,7 Billionen Dollar begeben, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein erheblicher Teil davon finanziert den Bau von KI-Rechenzentren. Hinzu kommt ein wachsendes US-Haushaltsdefizit, das allein im Juli bei 432,3 Milliarden Dollar lag und den höchsten Wert für diesen Monat seit 2021 markiert, sowie steigende Ölpreise infolge der ausgelaufenen Frist für ein US-Iran-Abkommen. Ian Lyngen von BMO Capital Markets führt die Bewegung auf das Zusammenspiel dieser Faktoren zurück: Das Rekordtempo bei Unternehmensanleihen habe dem US-Anleihemarkt spürbar zusätzliches Angebot beschert. Anshul Pradhan von Barclays Capital weist zudem darauf hin, dass gleich drei Konjunkturdaten in diesem Monat eigentlich für sinkende Renditen gesprochen hätten – die langfristigen Zinsen seien trotzdem gestiegen. Die US-Notenbank unter Vorsitz Kevin Warsh hält ihren Leitzins unterdessen bei 3,50 bis 3,75 Prozent, seit dem Tief Ende Juni ist die dreißigjährige Rendite damit um mehr als 40 Basispunkte gestiegen.

SoftBank plant Rekord-Anleihe für japanische Privatanleger

Mitten in den Ausverkauf platzte ein Bericht über SoftBanks Finanzierungspläne: Investing.com meldet, der Technologieinvestor bereite eine Anleihe über rund eine Billion Yen, umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar, für private Anleger in Japan vor. Es wäre die größte Privatanleger-Anleihe, die je ein japanisches Unternehmen begeben hat. Die Konditionen sollen demnach Anfang September feststehen, im Gespräch ist eine Verzinsung im oberen Bereich von vier Prozent bei sieben Jahren Laufzeit. SoftBank erklärte laut Bericht, die Angaben stammten nicht vom Unternehmen selbst, und wollte sich nicht weiter äußern – die konkrete Zahl gilt damit als unabhängig nicht verifiziert. Der Konzern hatte zuvor bereits wiederholt Kredite, Anleihen und Beteiligungsverkäufe genutzt, um seine Investitionen in KI-Beteiligungen wie den Chipdesigner Arm zu finanzieren, und reiht sich damit in den branchenweiten Trend zur Schuldenfinanzierung des KI-Ausbaus ein, der auch hinter dem allgemeinen Zinsanstieg steht.

Entscheidend wird, ob die US-Notenbank auf die steigenden Langfristzinsen reagiert oder die Finanzierungskosten für den KI-Ausbau weiter klettern lässt. Bleibt die dreißigjährige Rendite dauerhaft über fünf Prozent, dürften Cloud-Anbieter und Speicherchip-Hersteller ihre für 2027 geplanten Investitionsbudgets neu durchrechnen müssen – eine Entwicklung, die sich frühestens an den nächsten Quartalszahlen von Samsung und SK Hynix ablesen ließe.

Dieser Beitrag ist journalistische Berichterstattung, keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

Warum reagieren Chipaktien so empfindlich auf steigende Anleiherenditen?

Ihr Börsenwert stützt sich stark auf erwartete Gewinne, die erst in mehreren Jahren anfallen; höhere Zinsen mindern den heutigen Wert dieser künftigen Gewinne rechnerisch stärker als bei etablierten Geschäften. Zusätzlich verteuern steigende Renditen die kreditfinanzierten Investitionen in neue Fertigungskapazitäten.

Wie unterscheidet sich dieser Ausverkauf vom Nasdaq-Rückgang im Juli 2026?

Im Juli zweifelten Anleger vor allem an der Rendite der KI-Investitionen selbst. Diesmal treibt der Anstieg der Kapitalkosten am Anleihemarkt die Reaktion, zuerst betroffen sind asiatische Speicherchip-Werte.

Werden KI-Dienste und Cloud-Abos durch den Zinsanstieg teurer?

Kurzfristig nicht, da laufende Verträge nicht an Anleiherenditen gekoppelt sind. Halten die höheren Finanzierungskosten an, könnten Anbieter dies aber bei künftigen Preisrunden für Cloud- und KI-Dienste berücksichtigen.

Wann stehen die Konditionen für SoftBanks geplante Anleihe fest?

Laut Bericht sollen die Bedingungen Anfang September 2026 festgelegt werden, im Gespräch ist eine Verzinsung im oberen Bereich von vier Prozent bei sieben Jahren Laufzeit.

Griff an der südkoreanischen Börse ein automatischer Handelsstopp?

Ja, die Terminbörse aktivierte einen fünfminütigen Verkaufs-Sidecar für Kospi-200-Futures, den 25. dieses Jahr, nachdem die Futures um mehr als fünf Prozent gefallen waren.

Quellen (5)
  1. Seoul Economic Daily: Samsung, SK hynix Plunge as Bond Yields Spike; KOSPI Drops 6%
  2. Investing.com: Höhere Renditen schüren Bewertungssorgen – Asiatische KI- und Chip-Aktien brechen ein
  3. Investing.com: SoftBank plans $6.3 billion bond sale to retail investors – report
  4. 247wallst.com: The 30-Year Treasury Hits a 19-Year High. Here's What Is Spooking the Bond Market
  5. Trading Economics: South Korea Stock Market News

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