Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen ist am Dienstag zeitweise auf 5,33 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 2007. Die gestiegenen Finanzierungskosten haben am Mittwoch einen Ausverkauf bei Speicherchip-Aktien in Asien ausgelöst: Der südkoreanische Leitindex Kospi verlor rund sechs Prozent, Samsung Electronics und SK Hynix gaben jeweils 7,5 beziehungsweise knapp zehn Prozent nach.
Kospi verzeichnet größten Tagesverlust seit Wochen
Der Kospi eröffnete am Mittwoch rund fünf Prozent im Minus und rutschte im Handelsverlauf zeitweise auf 6.401 Punkte ab, den tiefsten Stand seit einer Woche. Samsung Electronics und SK Hynix stellen zusammen fast die Hälfte des Kospi-Indexgewichts. Die Terminbörse aktivierte einen fünfminütigen Verkaufs-Sidecar für Kospi-200-Futures, den bereits 25. dieses Jahr, nachdem die Futures um mehr als fünf Prozent gefallen waren. Ausländische Anleger verkauften Aktien im Wert von umgerechnet rund 790 Millionen Dollar, institutionelle Investoren zogen 168 Millionen Dollar ab. Private Anleger kauften dagegen für rund 935 Millionen Dollar zu und stemmten sich damit gegen den Trend.
Der Ausverkauf reichte über Korea hinaus. Laut Investing.com fiel der japanische SoftBank-Konzern um mehr als zehn Prozent, Speicherchip-Hersteller Kioxia rund 13 Prozent, Chiphersteller Renesas neun Prozent. In China gaben SMIC und Hua Hong Semiconductor sechs beziehungsweise 13 Prozent nach. Bereits am Dienstag hatten US-Werte wie Micron und SanDisk mit minus sieben respektive minus neun Prozent deutliche Verluste verzeichnet, Nvidia gab rund 2,3 Prozent ab. Erst Ende Juli war die Branche bereits durch einen vergleichbaren Ausverkauf am Nasdaq gelaufen, damals ausgelöst durch Zweifel an der Rendite der KI-Investitionen selbst statt an den Kapitalkosten.
Rekordausgabe an Unternehmensanleihen treibt die Zinsen
Der Anstieg der Anleiherenditen speist sich aus mehreren Quellen zugleich. US-Unternehmen haben im laufenden Jahr bereits Anleihen im Volumen von knapp 1,7 Billionen Dollar begeben, ein Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein erheblicher Teil davon finanziert den Bau von KI-Rechenzentren. Hinzu kommt ein wachsendes US-Haushaltsdefizit, das allein im Juli bei 432,3 Milliarden Dollar lag und den höchsten Wert für diesen Monat seit 2021 markiert, sowie steigende Ölpreise infolge der ausgelaufenen Frist für ein US-Iran-Abkommen. Ian Lyngen von BMO Capital Markets führt die Bewegung auf das Zusammenspiel dieser Faktoren zurück: Das Rekordtempo bei Unternehmensanleihen habe dem US-Anleihemarkt spürbar zusätzliches Angebot beschert. Anshul Pradhan von Barclays Capital weist zudem darauf hin, dass gleich drei Konjunkturdaten in diesem Monat eigentlich für sinkende Renditen gesprochen hätten – die langfristigen Zinsen seien trotzdem gestiegen. Die US-Notenbank unter Vorsitz Kevin Warsh hält ihren Leitzins unterdessen bei 3,50 bis 3,75 Prozent, seit dem Tief Ende Juni ist die dreißigjährige Rendite damit um mehr als 40 Basispunkte gestiegen.
SoftBank plant Rekord-Anleihe für japanische Privatanleger
Mitten in den Ausverkauf platzte ein Bericht über SoftBanks Finanzierungspläne: Investing.com meldet, der Technologieinvestor bereite eine Anleihe über rund eine Billion Yen, umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar, für private Anleger in Japan vor. Es wäre die größte Privatanleger-Anleihe, die je ein japanisches Unternehmen begeben hat. Die Konditionen sollen demnach Anfang September feststehen, im Gespräch ist eine Verzinsung im oberen Bereich von vier Prozent bei sieben Jahren Laufzeit. SoftBank erklärte laut Bericht, die Angaben stammten nicht vom Unternehmen selbst, und wollte sich nicht weiter äußern – die konkrete Zahl gilt damit als unabhängig nicht verifiziert. Der Konzern hatte zuvor bereits wiederholt Kredite, Anleihen und Beteiligungsverkäufe genutzt, um seine Investitionen in KI-Beteiligungen wie den Chipdesigner Arm zu finanzieren, und reiht sich damit in den branchenweiten Trend zur Schuldenfinanzierung des KI-Ausbaus ein, der auch hinter dem allgemeinen Zinsanstieg steht.
Entscheidend wird, ob die US-Notenbank auf die steigenden Langfristzinsen reagiert oder die Finanzierungskosten für den KI-Ausbau weiter klettern lässt. Bleibt die dreißigjährige Rendite dauerhaft über fünf Prozent, dürften Cloud-Anbieter und Speicherchip-Hersteller ihre für 2027 geplanten Investitionsbudgets neu durchrechnen müssen – eine Entwicklung, die sich frühestens an den nächsten Quartalszahlen von Samsung und SK Hynix ablesen ließe.
Dieser Beitrag ist journalistische Berichterstattung, keine Anlageberatung.


