OpenAI hat am 10. September 2026 einen Datenagenten für ChatGPT Work vorgestellt, der Unternehmensdaten aus Systemen wie Snowflake, BigQuery oder Databricks direkt im Chat auswertet. Beschäftigte stellen Fragen in normaler Sprache und erhalten fertige Dashboards, ohne selbst Datenbankabfragen zu schreiben. Nach eigenen Angaben setzt OpenAI das Werkzeug bereits unternehmensintern in fast allen Produktteams ein.
Datenagent verbindet sieben Analyseplattformen mit dem Chat
Der neue Datenagent lässt sich über die Workspace-Einstellungen in ChatGPT Work als Plugin aktivieren; anschließend rufen Beschäftigte ihn im Chatfenster mit dem Befehl @data auf. Administratoren bestimmen laut OpenAIs Ankündigung, welche Datenquellen angebunden werden und welche Rollen darauf zugreifen dürfen. Zu den unterstützten Systemen zählen Amazon Redshift, Google BigQuery, Snowflake, Databricks, MongoDB, ClickHouse und die Monitoring-Plattform Datadog, dazu Dateien aus Google Drive und SharePoint. Abfragen respektieren bestehende Rechte auf Tabellen-, Zeilen- und Spaltenebene, sodass Beschäftigte nur Daten sehen, für die sie ohnehin freigeschaltet sind. Einen gesonderten Preis für das Plugin nennt OpenAI nicht; die Nutzung verbraucht reguläre Guthaben aus dem jeweiligen Work-Tarif.
Ergebnisse lassen sich unmittelbar in bestehende Auswertungswerkzeuge übernehmen: Der Agent baut interaktive Dashboards, die sich in Power BI, Tableau, Sigma, Oracle BI, Omni oder ThoughtSpot weiterverwenden lassen. Eine Ontologie-Schicht aus Systemen wie dbt oder der Databricks Genie Ontology überträgt unternehmensspezifische Kennzahlen-Definitionen, damit der Agent Begriffe wie „Umsatz” oder „aktive Kunden” korrekt auslegt. Auswertungen lassen sich per Slack oder E-Mail teilen, Rückfragen bleiben Teil derselben Unterhaltung.
Erste Kunden berichten von schnelleren Auswertungen
Der IT-Dienstleister NTT Data zählt zu den Pilotkunden aus OpenAIs Alpha-Programm. Bislang hätten Lizenzkosten und fehlendes technisches Wissen den Ausbau eigener Dashboards gebremst; mit dem Datenagenten bauten nun auch Vertriebs- und Verwaltungsmitarbeitende ohne Programmierkenntnisse eigene Auswertungen, berichtet NTT Data in OpenAIs Kundenreferenz. Der Pharma- und Laborausrüster Thermo Fisher testet den Agenten mit Daten aus der eigenen Systemlandschaft, um Lieferantendaten auszuwerten, Chancen im Zulieferernetz früher zu erkennen und Teams gezielter auf Ausschreibungen vorzubereiten. Zu den weiteren Alpha-Testern zählen laut OpenAI unter anderem die Logistikfirma Zipline und der Software-Anbieter ServiceTitan, die seit dem Frühjahr 2026 an der Vorabtestphase teilnehmen; öffentliche Details zu deren Anwendungsfällen nennt das Unternehmen bislang nicht.
Unternehmensintern setzt OpenAI den Datenagenten eigenen Angaben zufolge in nahezu allen Produktteams ein; mehr als zwei Drittel der Vertriebsorganisation arbeiteten demnach bereits damit – eine unabhängig nicht verifizierte Zahl. Eine Nutzerzahl außerhalb des eigenen Unternehmens, etwa unter den zahlenden Work-Kundinnen und -Kunden, nennt OpenAI bislang nicht.
Datenagent erweitert OpenAIs Vorstoß in Unternehmenssoftware
Der Datenagent baut auf ChatGPT Work auf, das OpenAI im Juli 2026 gestartet hatte, und ergänzt die wenige Tage zuvor vorgestellte Variante ChatGPT für Finanzdienstleister um ein branchenübergreifendes Analyse-Werkzeug für alle Kundinnen und Kunden mit Work-Zugang. Microsoft koppelt mit Copilot in Power BI und Fabric ähnliche Funktionen an Firmendatenbanken, Google verfolgt mit Gemini in Verbindung mit Looker einen vergleichbaren Ansatz. Beide Anbieter werben ebenfalls damit, dass Fachabteilungen Kennzahlen künftig ohne eigene Abfragesprache auswerten können.
Für Deutschland oder die EU nennt OpenAI in der Ankündigung keine gesonderten Einschränkungen oder einen eigenen Starttermin; ChatGPT Work läuft bereits regulär in europäischen Konten, eine Region-Sperre für den Datenagenten ist bislang nicht bekannt. Größere Konzerne mit eigener Dateninfrastruktur dürften damit vorerst die ersten europäischen Nutzer sein, während der Wettbewerb um die Frage, wessen Assistent Unternehmensdaten am zuverlässigsten und sichersten auswertet, sich im Herbst 2026 weiter verschärft – zumal alle drei Anbieter denselben Kundenkreis aus Konzern-IT-Abteilungen adressieren.
Offen bleibt, wie Unternehmen den weitreichenden Datenzugriff mit ihren eigenen Sicherheitsrichtlinien in Einklang bringen, wenn ein Chat-Assistent künftig Kennzahlen aus mehreren Kernsystemen gleichzeitig zusammenführt. Einen Termin, ab wann auch kleinere Business-Kunden ohne eigene IT-Abteilung Zugriff auf den Datenagenten erhalten, nennt OpenAI bislang nicht – für sie dürfte die Einrichtung von Rollen und Berechtigungen die größere Hürde bleiben als für Großkunden wie NTT Data oder Thermo Fisher.


