KI-Wirtschaft

OpenAI startet ChatGPT für Banken: Morgan Stanley als Partner

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

OpenAI hat am 10. September 2026 ChatGPT für Finanzdienstleister vorgestellt, eine auf Investmentbanking zugeschnittene Version von ChatGPT Work. Morgan Stanley und Evercore halfen als Design-Partner bei der Entwicklung. Das Angebot bündelt Finanzdaten mehrerer Anbieter direkt im Chat und soll vor allem Nachwuchsbankern Recherche- und Pitchbook-Arbeit abnehmen. Preise und einen Starttermin für Europa nannte OpenAI nicht.

Ein Banker schiebt einen Wolkenkratzer mit der Aufschrift Morgan Stanley in eine Chat-Sprechblase mit OpenAI-Logo, aus der Tabellen und Dollarzeichen quellen. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenAIs neues Werkzeug baut auf ChatGPT Work auf und läuft mit dem Modell GPT-6 Astra.
  • Morgan Stanley und Evercore prägten als Design-Partner Funktionsumfang und Startpunkt: Investmentbanking und Aktienresearch.
  • Eingebaute Daten von Daloopa, PitchBook und LSEG News ersparen zusätzliche Lizenzverträge.
  • Quellenverweise führen Zahlen bis zur Originalmeldung zurück, Berechtigungen schützen vertrauliche Deal-Unterlagen.
  • OpenAI-Manager Nick Turley verweist auf Hundert-Stunden-Wochen von Nachwuchsbankern als Ausgangspunkt.
  • Preise, EU-Verfügbarkeit und ein konkreter Rollout-Termin blieben bislang offen.

OpenAI hat am 10. September 2026 ChatGPT für Finanzdienstleister gestartet, eine für Investmentbanken zugeschnittene Version von ChatGPT Work auf Basis von GPT-6 Astra. Morgan Stanley und Evercore halfen als Design-Partner, den Fokus auf Recherche, Finanzmodelle und Pitchbooks zu legen. Vor allem Nachwuchsbanker mit oft hundert Arbeitsstunden pro Woche sollen entlastet werden.

Daten mehrerer Anbieter fließen direkt in den Chat

Das neue Angebot baut auf ChatGPT Work auf und verbindet den Chat mit Finanzdaten mehrerer Anbieter. Eingebaut sind laut OpenAI unter anderem Daloopa, PitchBook und LSEG News, sodass Analystinnen und Analysten dafür keine zusätzlichen Lizenzverträge abschließen müssen. Wer bereits Zugänge zu S&P Capital IQ, LSEG, MSCI, Dow Jones Factiva oder Moody’s besitzt, kann diese über eigene Konten einbinden; optimierte Anbindungen an S&P Global und FactSet ergänzen insgesamt mehr als fünfzig Datenkonnektoren.

Kennzahlen verlinkt das System direkt auf die zugrunde liegende Bilanz oder Meldung zurück, Diagramme lassen sich gegen die Originaldaten prüfen. Berechtigungen sollen verhindern, dass vertrauliche Deal-Unterlagen versehentlich für falsche Teams sichtbar werden – ein Punkt, der Investmentbanken beim Umgang mit Insiderinformationen besonders wichtig ist. Zusätzlich erstellt das Werkzeug fertige Vorlagen in Excel, Word und PowerPoint, etwa für Pitchbooks oder Research-Berichte. Preise nennt OpenAI nicht, ebenso wenig einen Starttermin für Deutschland oder die EU. Zugang erhalten vorerst nur ausgewählte Institute über das eigene Account-Team, ein öffentlicher Self-Service-Tarif fehlt bislang.

Nick Turley verweist auf Hundert-Stunden-Wochen der Banker

OpenAI-Produktchef Nick Turley soll dem Modell demnach beibringen, wie ein Analyst zu recherchieren und Schlussfolgerungen ebenso zu belegen. Turley verwies laut CNBC auf die häufig hundert Arbeitsstunden pro Woche von Nachwuchsbankern als Ausgangspunkt der Entwicklung. Auf die Frage, ob das Werkzeug künftig weniger Neueinstellungen bei Investmentbanken bedeute, antwortete er demnach ausweichend und sprach stattdessen von mehr Output pro Beschäftigtem.

Morgan Stanley und Evercore prägten als Design-Partner den Zuschnitt auf Investmentbanking und Aktienresearch, wo laut OpenAI verlässliche Datenzugriffe und hochwertige Dokumente bislang die größten Zeitfresser waren. Beide Häuser äußerten sich zurückhaltend optimistisch zu dem Projekt, ohne konkrete Zahlen zu Zeitersparnis oder Kosten zu nennen. Über die zwei Pilotpartner hinaus hält sich OpenAI bedeckt: Welche weiteren Banken das Produkt testen oder wann eine breitere Verfügbarkeit folgt, blieb in der Ankündigung offen.

OpenAI holt Anthropics Vorsprung im Finanzsektor auf

Mit dem Produkt tritt OpenAI gegen ein bereits etabliertes Konkurrenzangebot an: Anthropic hatte Claude for Financial Services schon im Juli 2025 gestartet und dabei unter anderem Snowflake, S&P Global und Morningstar angebunden. Kunden wie der Hedgefonds Bridgewater und der norwegische Staatsfonds nutzen die Anthropic-Variante nach früheren Berichten bereits produktiv. OpenAI kommt damit gut ein Jahr später in denselben Markt und setzt auf eigene Partnerschaften statt auf identische Datenanbieter.

Der Vorstoß passt zu OpenAIs breiterer Strategie im Beratungs- und Firmenkundengeschäft: Erst im August hatte IBM seine Beratungssparte mit OpenAI-Modellen ausgestattet und dabei Finanzdienstleistung ausdrücklich als Zielbranche genannt. Für Investmentbanken bedeutet die Ankündigung vor allem eines: Der Wettbewerb um KI-Werkzeuge für Research und Modellierung verschärft sich, während die einzelnen Anbieter kaum vergleichbare Kennzahlen zu Wirkung oder Kosten offenlegen.

Entscheidend wird, ob ChatGPT für Finanzdienstleister über Morgan Stanley und Evercore hinaus weitere Großbanken gewinnt, während Anthropic dort bereits Referenzkunden vorweisen kann. Offen bleibt zudem, ob die versprochene Effizienz tatsächlich Arbeitszeiten von Nachwuchsbankern senkt oder lediglich deren Aufgaben verschiebt – eine Frage, die sich erst beantworten lässt, sobald erste Institute öffentlich über ihre Erfahrungen berichten.

Häufige Fragen

Wann ist ChatGPT für Finanzdienstleister verfügbar?

Seit dem 10. September 2026, zunächst nur für ausgewählte Finanzinstitute mit Morgan Stanley und Evercore als Pilotkunden.

Was kostet das Produkt?

OpenAI nennt keine öffentlichen Preise. Interessierte Institute müssen sich über das Account-Team oder den Vertrieb an OpenAI wenden.

Ist das Angebot auch in Deutschland oder der EU erhältlich?

Eine regionale Einschränkung nennt OpenAI nicht, konkrete Zusagen für den europäischen Markt fehlen aber bislang.

Worin unterscheidet es sich von Claude for Financial Services?

Anthropics Konkurrenzprodukt läuft bereits seit Juli 2025 und bindet unter anderem Snowflake und Morningstar ein. OpenAI setzt stattdessen auf Daloopa, PitchBook und LSEG News sowie das Modell GPT-6 Astra.

Welche Daten und Formate unterstützt das Tool?

Es erstellt unter anderem Excel-, Word- und PowerPoint-Vorlagen, verknüpft Zahlen mit Quellenbelegen und bindet über fünfzig Datenkonnektoren an, etwa zu S&P Global und FactSet.

Quellen (4)
  1. OpenAI: Introducing ChatGPT for Financial Services
  2. CNBC: OpenAI targets work of Wall Street junior bankers
  3. Unite.AI: OpenAI launches ChatGPT for Financial Services with built-in data
  4. Finovate: Anthropic launches Claude for Financial Services

Dein KI-Update für die Arbeitswoche

Einmal pro Woche das Wichtigste aus der KI-Welt – plus ein Praxis-Tipp zum direkt Ausprobieren. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

← Zurück zum Blog