Anthropic hat sein Werkzeug Cowork seit dem 12. August 2026 fest in die Chrome-Seitenleiste der eigenen Browser-Erweiterung eingebaut. Skills, Plugins und Konnektoren laufen dort erstmals ohne separate Einrichtung, begonnene Aufgaben wandern nahtlos zwischen Browser, Desktop und Smartphone. Zugriff erhalten zunächst nur die kostenpflichtigen Pläne Max und Team.
Cowork übernimmt Aufgaben direkt im Browser
Die Chrome-Erweiterung von Claude diente bisher vor allem als einfache Seitenleiste für Fragen und Recherchen im Browser. Mit dem Umbau wird daraus eine vollwertige Cowork-Sitzung: Wer eine Aufgabe in der App startet, kann sie im Chrome-Fenster fortsetzen – und umgekehrt. Claude erkennt dabei Webseiteninhalte, klickt Links an, füllt Formulare aus und navigiert selbstständig zwischen Seiten, auch auf internen Dashboards, Altsystemen oder Lieferantenportalen.
Bereits im Juli hatte Anthropic gezeigt, wie Cowork nach einer kurzen Bildschirmaufnahme eigene Routinen lernt; im Browser lassen sich solche Routinen nun ohne zusätzliche Einrichtung ausführen. Als Beispiel nennt das Unternehmen das Sammeln von Rechnungsdaten aus mehreren Lieferantenportalen für eine Budget-Tabelle, deren Feinschliff anschließend in der Desktop-App weiterläuft. Nach Angaben von Anthropic eignet sich die Kombination außerdem, um Kennzahlen aus Analytics-Dashboards zu ziehen, Ordner in Google Drive zu sortieren oder Verkaufsgespräche in Salesforce zu protokollieren.
Zugriff startet gestaffelt für Bezahlpläne
Sofortigen Zugriff auf die neue Seitenleiste erhalten Kundinnen und Kunden der Pläne Max und Team, die je nach Anbietervergleich monatlich ab rund 90 beziehungsweise ab rund 18 Euro pro Platz kosten. Wer den günstigeren Pro-Plan ab etwa 18 bis 21 Euro im Monat nutzt, muss sich laut Anthropic noch einige Wochen gedulden, bis die Funktion dort verfügbar wird. In Unternehmenskonten ist Cowork im Browser zunächst deaktiviert; Administratorinnen und Administratoren schalten den Zugriff gezielt frei und können ihn auf freigegebene Domains beschränken.
Voraussetzung ist die Installation der Chrome-Erweiterung über den Chrome Web Store, für lokale Dateien und die Anbindung weiterer Programme bleibt zusätzlich die Desktop-App nötig. Auf anderen Chromium-Browsern oder mobilen Geräten läuft die Funktion bislang nicht. Eine Einschränkung auf bestimmte Länder oder eine gesonderte EU-Fassung nennt Anthropic in der Ankündigung nicht, die Erweiterung steht damit grundsätzlich auch Nutzerinnen und Nutzern in Deutschland offen.
Anthropic sichert kritische Aktionen zusätzlich ab
Ein KI-Agent, der Formulare ausfüllt und Käufe auslösen kann, vergrößert zugleich die Angriffsfläche für Prompt-Injections – versteckte Anweisungen auf präparierten Webseiten, die das Modell zu ungewollten Aktionen verleiten sollen. Erst Anfang August hatte die Sicherheitsfirma Zenity gezeigt, wie sich gleich mehrere KI-Browser über solche Lücken fernsteuern ließen, Anthropics Produkt eingeschlossen. Als Reaktion darauf lässt sich Claude vor folgenreichen Schritten wie dem Absenden von Formularen, dem Verschicken von Nachrichten oder dem Herunterladen von Dateien künftig automatisch bestätigen.
Bei besonders riskanten oder schwer rückgängig zu machenden Aktionen wie Käufen oder der Weitergabe persönlicher Daten verlangt das Werkzeug eine zusätzliche Freigabe; für einen reibungsloseren Ablauf lässt sich dieser Schritt wahlweise auch automatisch genehmigen. Anthropic zufolge senken die Maßnahmen das Risiko spürbar, beseitigen es aber nicht vollständig.
Entscheidend wird, ob sich die automatische Bestätigungspflicht in der Praxis durchsetzt, ohne den versprochenen Effizienzgewinn durch ständige Klickabfragen wieder aufzuzehren. Bis Pro-Kundschaft in den kommenden Wochen ebenfalls Zugriff erhält, zeigt sich, ob die schrittweise Freischaltung Lücken wie die von Zenity entdeckten tatsächlich verhindert.


