Der US-Anbieter Circleback öffnet seinen KI-Meeting-Assistenten erstmals kostenlos für unbegrenzt viele Transkriptionen. Bisher kostete der Dienst mindestens gut 20 Dollar im Monat, der günstigste Bezahltarif sinkt nun auf 15 Dollar. Das acht Mitarbeitende zählende Unternehmen will damit ohne Werbebudget neue Nutzerinnen und Nutzer gewinnen.
Gratis-Tarif ersetzt das Werbebudget
Der neue kostenlose Tarif erlaubt beliebig viele aufgezeichnete und automatisch mitgeschriebene Meetings, allerdings bleiben nur die jüngsten dreißig Tage einsehbar. Enthalten sind außerdem die Mobil- und Apple-Watch-App, die Funktion „Ask Circleback” zum Durchsuchen alter Protokolle per Frage, Anbindungen an Slack und Linear sowie ein eingeschränkter API- und MCP-Zugriff für bis zu zwei Teams. Wer weitere Werkzeuge wie Notion, HubSpot oder Salesforce anschließen will oder mehr als zwei Teams verwaltet, braucht weiterhin ein Bezahlkonto.
Firmenmitgründer Ali Haghani begründet den Schritt laut TechCrunch damit, dass ein offener Zugang mehr Menschen mit dem Produkt in Berührung bringe. Das 2023 von Haghani und Kevin Jacyna gegründete, von Y Combinator finanzierte Unternehmen gibt nach eigenen Angaben kein Geld für Google- oder Meta-Werbung aus – der Gratis-Tarif übernimmt stattdessen die Rolle des Marketingbudgets. Mit acht Mitarbeitenden sei Circleback profitabel und erwirtschafte rund acht Millionen Dollar Jahresumsatz, unabhängig nicht verifiziert; frisches Kapital sucht das seit 2024 mit 2,5 Millionen Dollar ausgestattete Unternehmen aktuell nicht.
Bezahltarif fällt auf 15 Dollar, Konkurrenz wächst
Der bisherige Einstiegspreis von umgerechnet gut 21 Dollar im Monat entfällt zugunsten der neuen Preisstruktur. Der günstigste Bezahltarif Pro kostet nun 15 Dollar pro Nutzerin und Monat, bei jährlicher Zahlung sinkt der Betrag auf 11 Dollar, und schaltet unbegrenzten Zugriff auf die Meeting-Historie, ein Jahr Aufnahme-Speicher, sämtliche Integrationen sowie vollen API- und MCP-Zugriff frei. Darüber liegen ein Business-Tarif für 25 Dollar monatlich mit Verwaltungsrollen und zwei Jahren Speicherdauer sowie ein Enterprise-Tarif für 35 Dollar mit Single Sign-on und HIPAA-Konformität für Gesundheitsunternehmen.
Zugang gibt es über die Circleback-Website, eine Desktop-App für Mac und Windows sowie mobile Anwendungen, wahlweise per Meeting-Bot oder bot-freier Aufnahme direkt vom Gerät. Die Oberfläche listet bislang ausschließlich Englisch als Sprache. Der Vorstoß reagiert auf wachsenden Druck im Markt für KI-Meeting-Notizen: Besser finanzierte Anbieter wie Granola, Read AI und Fireflies hätten laut TechCrunch bereits deutlich größere Kapitalrunden abgeschlossen. Granola habe bereits Monate zuvor einen eigenen Gratis-Tarif eingeführt, zudem drängen mit Wispr und Calendly zwei weitere Anbieter neu in den Markt.
Auch etablierte Videokonferenz-Suiten rüsten ihre Bordmittel auf: Google Meet erstellt inzwischen automatisch Protokolle für Präsenztreffen, allerdings nur in kostenpflichtigen Workspace-Konten, während Microsoft vergleichbare Zusammenfassungen über Teams Recap anbietet. Anders als diese in Videokonferenz-Suiten eingebauten Funktionen läuft Circleback plattformunabhängig mit praktisch jedem Konferenztool.
Entscheidend wird, ob der offene Zugang tatsächlich neue Bezahlkundschaft bringt oder vor allem Nutzerinnen und Nutzer anzieht, die dauerhaft beim kostenlosen Tarif bleiben. Mit acht Mitarbeitenden und ohne frisches Kapital hat Circleback dafür deutlich weniger finanziellen Spielraum als milliardenschwer finanzierte Konkurrenten – die Wette auf organisches Wachstum über den Gratis-Zugang muss sich also aus dem laufenden Geschäft heraus tragen.


