Google Docs lässt ab sofort die KI Gemini ganze Kommentar-Ketten zusammenfassen, Antworten entwerfen und Änderungen am Text vorschlagen. Wer viele Rückmeldungen zu einem Dokument bekommt, muss die Kommentare nicht mehr einzeln durchlesen. Die Funktion steht vorerst nur mit einem kostenpflichtigen Google-Workspace- oder Google-AI-Abo zur Verfügung.
Gemini liest und beantwortet Kommentare selbstständig
Bisher mussten Nutzerinnen und Nutzer jeden Kommentar in einem Google-Doc einzeln öffnen, um Rückfragen zu klären oder Änderungswünsche umzusetzen. Google teilt im offiziellen Workspace-Blog mit, dass Gemini jetzt vier Aufgaben rund um Kommentare übernimmt: Kommentarfäden zusammenfassen, neue Kommentare formulieren, Antworten entwerfen und Textänderungen vorschlagen.
Auf Zuruf fasst die KI beispielsweise alle Kommentare einer bestimmten Kollegin zusammen oder zeigt, welche Rückfragen noch offen sind. Für Antworten greift Gemini auch auf passende Dateien in Google Drive zurück. So lässt sich eine Kommentarfrage direkt mit einem Verweis auf das richtige Dokument beantworten. Vorgeschlagene Textänderungen übernimmt das System nicht automatisch. Jede Änderung muss vor der Übernahme bestätigt werden, wie das Onlinemagazin Digital Trends berichtet.
Voraussetzung ist in jedem Fall ein Dokument mit Bearbeitungsrechten. Wer ein Google-Doc nur ansehen oder kommentieren darf, sieht die neuen KI-Funktionen nicht. Zusätzlich kann die KI Kommentare nach Thema oder nach der jeweiligen Autorin beziehungsweise dem Autor gruppieren und behält so auch in unübersichtlichen Kommentarspalten den Überblick.
Aus zwanzig verstreuten Kommentaren wird eine klare Liste
Ein Beispiel aus dem Büroalltag: Ein Angebot geht zur Prüfung an fünf Kolleginnen und Kollegen aus Vertrieb, Recht und Buchhaltung. Nach wenigen Tagen stehen im Dokument über zwanzig Kommentare, manche widersprechen sich, andere sind längst geklärt. Statt jede einzelne Anmerkung durchzugehen, tippt die zuständige Sachbearbeiterin nur „Fass mir alle offenen Punkte zusammen” ein. Sie bekommt dafür eine geordnete Liste der noch ungeklärten Fragen.
Für Rückmeldungen, die lediglich eine Bestätigung brauchen, etwa „Zahlen sind korrekt, bitte freigeben”, lässt sie Gemini direkt eine passende Antwort entwerfen. Nach kurzer Kontrolle verschickt sie die Antwort. Bei inhaltlichen Änderungswünschen, etwa einer angepassten Lieferfrist, schlägt die KI die passende Textstelle vor. Diese lässt sich mit einem Klick übernehmen. Wer regelmäßig Verträge, Angebote oder interne Richtlinien zur Abstimmung verschickt, spart damit vor allem die mühsame Nacharbeit am Ende einer Kommentarrunde. Bei einem internen Verfahrensdokument mit Anmerkungen aus mehreren Abteilungen funktioniert das genauso. Die KI erkennt, welche Kommentare sich auf denselben Absatz beziehen, sodass niemand mehr jede Wortmeldung einzeln nachverfolgen muss.
Zugang bleibt zahlenden Konten vorbehalten
Der Rollout begann laut Google am 28. Juli 2026 gleichzeitig für alle Auslieferungskanäle und soll innerhalb von rund fünfzehn Tagen bei allen berechtigten Konten ankommen. Vorausgesetzt wird eines der folgenden kostenpflichtigen Abos:
- Google Workspace Business Standard oder Business Plus
- Google Workspace Enterprise Standard oder Enterprise Plus
- Google Workspace Education Plus (Bildungseinrichtungen)
- Google AI Pro oder Google AI Ultra für Privatpersonen
Kostenlose private Google-Konten bekommen die Funktion laut der Google-Docs-Hilfeseite nicht.
Zusätzlich muss im Google-Konto die Option „Intelligente Workspace-Funktionen” aktiviert sein. Bei Firmenkonten schalten das üblicherweise die Administratorinnen und Administratoren frei. Ist alles eingerichtet, findet sich der Zugang über die Leiste am unteren Bildschirmrand oder das Gemini-Seitenpanel in Google Docs.
Wer die Funktion ausprobieren möchte, geht so vor:
- Google Doc mit vorhandenen Kommentaren öffnen.
- Rechts oben auf „Mit Gemini fragen” oder das Gemini-Symbol in der unteren Leiste klicken.
- Eine Anfrage wie „Fass alle offenen Kommentare zusammen” eingeben.
- Vorgeschlagene Antworten oder Textänderungen prüfen.
- Mit einem Klick übernehmen oder ablehnen.
Erst am Vortag hatte Google mit einer KI-Bildfunktion für Google Docs eine ähnliche Erweiterung vorgestellt – auch sie bleibt zahlenden Konten vorbehalten. Wer stattdessen E-Mail-Entwürfe beschleunigen will, findet in Gmail eine vergleichbare Funktion, mit der sich Freitext-Anweisungen direkt in Entwürfe einbauen lassen.
Entscheidend wird, wie zuverlässig Gemini widersprüchliche Rückmeldungen tatsächlich sauber trennt – bei Verträgen oder Angeboten zählt am Ende die geprüfte Fassung, nicht der KI-Vorschlag. Wer Kunden- oder Firmendaten in Kommentaren einträgt, sollte vorher die internen Vorgaben der eigenen Abteilung zum Umgang mit KI-Werkzeugen in Dokumenten prüfen. Google wertet Prompts und referenzierte Inhalte nach eigenen Angaben zur Produktverbesserung aus. Wer nur ein kostenloses Google-Konto nutzt, bleibt vorerst außen vor.


