Der Software-Entwickler Jarred Sumner hat die JavaScript-Laufzeitumgebung Bun komplett von der Programmiersprache Zig auf Rust umschreiben lassen. Bis zu 64 parallel laufende Instanzen des unveröffentlichten Anthropic-Modells Claude Fable 5 erledigten die Arbeit binnen elf Tagen. Der Umbau von rund 535.000 Zeilen Code kostete nach Sumners Angaben etwa 165.000 Dollar an Rechenleistung – unabhängig nicht verifiziert.
Automatisierte Gegenprüfung sichert die neue Codebasis ab
Die Umstellung lief zwischen dem 3. und 14. Mai 2026 über vier parallele Arbeitskopien des Bun-Repositories. Insgesamt entstanden 6.502 Commits, die 1.448 Zig-Dateien in Rust-Code überführten und netto rund eine Million Zeilen hinzufügten. Der Prozess verbrauchte nach Angaben aus Sumners Bericht im Bun-Blog 5,9 Milliarden Eingabe- und 690 Millionen Ausgabe-Tokens. Sumner selbst habe dabei keine eigene Zeile Code geschrieben, sondern die Arbeitsabläufe der Agenten überwacht und gesteuert.
Ein Teil der KI-Instanzen schrieb den Code, ein anderer Teil prüfte ihn anschließend gezielt auf Fehler. Diese automatisierte Gegenprüfung behandelte Compiler-Fehler wie eine Arbeitswarteschlange und behob auf diesem Weg rund 16.000 Fehlermeldungen. Kein bestehender Test wurde gelöscht oder übersprungen. Jede Änderung musste die komplette Testsuite bestehen, bevor sie in den Hauptzweig einfließen durfte.
Zusätzlich kamen Adress- und Leak-Sanitizer sowie testgesteuerte Fuzzing-Verfahren zum Einsatz. Sie deckten drei größere Fehler bereits vor dem Zusammenführen der Änderungen auf. Nach dem Release identifizierten Entwickler und automatisierte Prüfungen neunzehn weitere Regressionen, die inzwischen behoben sind.
Anthropic finanziert das Projekt seit der Bun-Übernahme
Anthropic hatte Bun im Frühjahr 2026 übernommen. Die JavaScript-Laufzeitumgebung zählt mehr als 22 Millionen monatliche Downloads und bildet zugleich die technische Grundlage für Anthropics eigenes Werkzeug Claude Code. Die Übernahme erklärt, weshalb Anthropic dem Bun-Team offenbar umfangreiche Rechenkapazität für den Umbau bereitstellte.
Der unabhängige Entwickler und Blogger Simon Willison bezeichnete das Projekt als Fallbeispiel für sogenanntes agentisches Programmieren. Große Neuschreibungen einer bestehenden Codebasis gelten in der Softwareentwicklung traditionell als riskant. Willison sieht in der Kombination aus paralleler KI-Arbeit und einer umfassenden Testsuite einen Beleg dafür, dass sich dieses Risiko inzwischen verschieben lasse. Die Umstellung im laufenden Betrieb sei kaum aufgefallen, weil vor allem die Startzeit unter Linux messbar schneller geworden sei – „boring is good”, wie Willison es formuliert.
Zig-Schöpfer Andrew Kelley äußerte sich öffentlich zur Trennung von seiner Sprache. Er habe die Entscheidung als Erleichterung empfunden und frühere Arbeitsweisen im Bun-Projekt scharf kritisiert. Seine Vorwürfe zur früheren Zusammenarbeit blieben eine persönliche Darstellung ohne Gegendarstellung von Sumner.
Bun 1.4.0 erscheint als erste vollständige Rust-Version
Mit Version 1.4.0 veröffentlichte das Bun-Team die erste vollständig auf Rust basierende Ausgabe der Laufzeitumgebung. Die Binärdateien fielen dadurch rund zwanzig Prozent kleiner aus als zuvor, der HTTP-Durchsatz stieg um bis zu 4,8 Prozent. Mehrere Speicherlecks in der Build-Funktion verschwanden vollständig, weil Rusts automatische Speicherverwaltung ausbleibende Freigaben beim Kompilieren erkennt.
Nach Angaben aus dem Bun-Blog bleiben rund vier Prozent des neuen Codes als „unsafe” markiert, überwiegend für Schnittstellen zu bestehendem C- und C++-Code. Claude Code nutzt inzwischen selbst die Rust-Version von Bun und startet unter Linux nach Angaben des Unternehmens zehn Prozent schneller.
Der eigentliche Knackpunkt liegt weniger im Sprachwechsel als in der Methode. Können parallele KI-Agenten mit strikten Tests und automatisierter Gegenprüfung große Codebasen zuverlässig umbauen, verändert das die Kalkulation für Neuschreibungen in der gesamten Softwarebranche. Offen bleibt, ob sich das Ergebnis auch ohne die enge Verzahnung mit einem eigenen KI-Anbieter wie Anthropic in vergleichbarer Zeit und zu ähnlichen Kosten wiederholen lässt.


