KI-Praxis

Bun schreibt JavaScript-Runtime per KI um: von Zig auf Rust

3 Min. Lesezeit
Entwickler-Arbeitsplatz mit mehreren Bildschirmen, auf denen parallel laufende Terminals die Umstellung von Bun-Quellcode von Zig auf Rust zeigen. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Entwickler-Arbeitsplatz mit mehreren Bildschirmen, auf denen parallel laufende Terminals die Umstellung von Bun-Quellcode von Zig auf Rust zeigen.

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der Bun-Entwickler Jarred Sumner hat 535.496 Zeilen Zig-Code binnen elf Tagen zu Rust portiert – ausgeführt von bis zu 64 parallelen Instanzen des Anthropic-Modells Claude Fable 5. Die Umstellung kostete laut Sumner rund 165.000 Dollar an Rechenleistung, abgesichert durch automatisierte Gegenprüfung und eine vollständige Testsuite. Seit Version 1.4.0 basiert Bun erstmals komplett auf Rust.

Das Wichtigste in Kürze

  • 535.496 Zeilen Zig-Code wurden binnen elf Tagen vollständig zu Rust-Code portiert.
  • Bis zu 64 Claude-Instanzen liefen dabei gleichzeitig über vier getrennte Arbeitskopien der Codebasis.
  • Sumner beziffert die reinen Rechenkosten des Umbaus auf etwa 165.000 US-Dollar.
  • Anthropic hatte den Bun-Hersteller im Frühjahr 2026 übernommen und finanziert seither das Projekt.
  • Bun Version 1.4.0 ist die erste vollständig auf Rust basierende Ausgabe der Laufzeitumgebung.
  • Zig-Schöpfer Andrew Kelley kommentierte die Trennung von seiner Sprache öffentlich kritisch.

Der Software-Entwickler Jarred Sumner hat die JavaScript-Laufzeitumgebung Bun komplett von der Programmiersprache Zig auf Rust umschreiben lassen. Bis zu 64 parallel laufende Instanzen des unveröffentlichten Anthropic-Modells Claude Fable 5 erledigten die Arbeit binnen elf Tagen. Der Umbau von rund 535.000 Zeilen Code kostete nach Sumners Angaben etwa 165.000 Dollar an Rechenleistung – unabhängig nicht verifiziert.

Automatisierte Gegenprüfung sichert die neue Codebasis ab

Die Umstellung lief zwischen dem 3. und 14. Mai 2026 über vier parallele Arbeitskopien des Bun-Repositories. Insgesamt entstanden 6.502 Commits, die 1.448 Zig-Dateien in Rust-Code überführten und netto rund eine Million Zeilen hinzufügten. Der Prozess verbrauchte nach Angaben aus Sumners Bericht im Bun-Blog 5,9 Milliarden Eingabe- und 690 Millionen Ausgabe-Tokens. Sumner selbst habe dabei keine eigene Zeile Code geschrieben, sondern die Arbeitsabläufe der Agenten überwacht und gesteuert.

Ein Teil der KI-Instanzen schrieb den Code, ein anderer Teil prüfte ihn anschließend gezielt auf Fehler. Diese automatisierte Gegenprüfung behandelte Compiler-Fehler wie eine Arbeitswarteschlange und behob auf diesem Weg rund 16.000 Fehlermeldungen. Kein bestehender Test wurde gelöscht oder übersprungen. Jede Änderung musste die komplette Testsuite bestehen, bevor sie in den Hauptzweig einfließen durfte.

Zusätzlich kamen Adress- und Leak-Sanitizer sowie testgesteuerte Fuzzing-Verfahren zum Einsatz. Sie deckten drei größere Fehler bereits vor dem Zusammenführen der Änderungen auf. Nach dem Release identifizierten Entwickler und automatisierte Prüfungen neunzehn weitere Regressionen, die inzwischen behoben sind.

Anthropic finanziert das Projekt seit der Bun-Übernahme

Anthropic hatte Bun im Frühjahr 2026 übernommen. Die JavaScript-Laufzeitumgebung zählt mehr als 22 Millionen monatliche Downloads und bildet zugleich die technische Grundlage für Anthropics eigenes Werkzeug Claude Code. Die Übernahme erklärt, weshalb Anthropic dem Bun-Team offenbar umfangreiche Rechenkapazität für den Umbau bereitstellte.

Der unabhängige Entwickler und Blogger Simon Willison bezeichnete das Projekt als Fallbeispiel für sogenanntes agentisches Programmieren. Große Neuschreibungen einer bestehenden Codebasis gelten in der Softwareentwicklung traditionell als riskant. Willison sieht in der Kombination aus paralleler KI-Arbeit und einer umfassenden Testsuite einen Beleg dafür, dass sich dieses Risiko inzwischen verschieben lasse. Die Umstellung im laufenden Betrieb sei kaum aufgefallen, weil vor allem die Startzeit unter Linux messbar schneller geworden sei – „boring is good”, wie Willison es formuliert.

Zig-Schöpfer Andrew Kelley äußerte sich öffentlich zur Trennung von seiner Sprache. Er habe die Entscheidung als Erleichterung empfunden und frühere Arbeitsweisen im Bun-Projekt scharf kritisiert. Seine Vorwürfe zur früheren Zusammenarbeit blieben eine persönliche Darstellung ohne Gegendarstellung von Sumner.

Bun 1.4.0 erscheint als erste vollständige Rust-Version

Mit Version 1.4.0 veröffentlichte das Bun-Team die erste vollständig auf Rust basierende Ausgabe der Laufzeitumgebung. Die Binärdateien fielen dadurch rund zwanzig Prozent kleiner aus als zuvor, der HTTP-Durchsatz stieg um bis zu 4,8 Prozent. Mehrere Speicherlecks in der Build-Funktion verschwanden vollständig, weil Rusts automatische Speicherverwaltung ausbleibende Freigaben beim Kompilieren erkennt.

Nach Angaben aus dem Bun-Blog bleiben rund vier Prozent des neuen Codes als „unsafe” markiert, überwiegend für Schnittstellen zu bestehendem C- und C++-Code. Claude Code nutzt inzwischen selbst die Rust-Version von Bun und startet unter Linux nach Angaben des Unternehmens zehn Prozent schneller.

Der eigentliche Knackpunkt liegt weniger im Sprachwechsel als in der Methode. Können parallele KI-Agenten mit strikten Tests und automatisierter Gegenprüfung große Codebasen zuverlässig umbauen, verändert das die Kalkulation für Neuschreibungen in der gesamten Softwarebranche. Offen bleibt, ob sich das Ergebnis auch ohne die enge Verzahnung mit einem eigenen KI-Anbieter wie Anthropic in vergleichbarer Zeit und zu ähnlichen Kosten wiederholen lässt.

Häufige Fragen

Was ist Bun?

Bun ist eine JavaScript- und TypeScript-Laufzeitumgebung, die als schnellere Alternative zu Node.js entwickelt wurde und nach Firmenangaben monatlich mehr als 22 Millionen Mal heruntergeladen wird.

Ist Bun jetzt vollständig in Rust programmiert?

Weitgehend ja: Version 1.4.0 basiert erstmals komplett auf Rust, rund vier Prozent des Codes bleiben jedoch als unsicher markiert, weil sie mit bestehendem C- und C++-Code zusammenarbeiten.

Wer hat den Umbau bezahlt?

Die Rechenkosten trug nach Sumners Angaben Anthropic, das Bun im Frühjahr 2026 übernommen hatte und seither die Infrastruktur für Claude Code eng mit der Laufzeitumgebung verzahnt.

Was ist Claude Fable 5?

Claude Fable 5 ist ein zum Zeitpunkt des Bun-Umbaus noch unveröffentlichtes KI-Modell von Anthropic aus der sogenannten Mythos-Klasse, das für lange, eigenständige Programmieraufgaben ausgelegt ist.

Welche Rolle spielte automatisierte Codeprüfung bei dem Projekt?

Ein Teil der KI-Instanzen implementierte Änderungen, während separate Instanzen den Code gezielt auf Fehler und Sicherheitslücken prüften. Nur bei vollständig bestandener Testsuite floss Code in den Hauptzweig ein.


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