Microsoft rüstet Copilot in Excel mit speicherbaren Arbeitsabläufen, einer Änderungs-Vorschau und direkten Finanzdaten-Anbindungen aus. Wer eine Tabelle regelmäßig auf dieselbe Weise bearbeitet, etwa beim Monatsabschluss, kann diesen Ablauf jetzt einmalig speichern und per Klick wiederverwenden. Vor jeder Ausführung zeigt Copilot zudem an, welche Zellen sich ändern werden.
Copilot merkt sich wiederkehrende Arbeitsschritte
Bislang beantwortete Copilot in Excel einzelne Fragen, ohne sich frühere Abläufe zu merken. Mit den neuen „Skills“ lässt sich ein kompletter Arbeitsschritt einmal beschreiben und danach beliebig oft wieder abrufen, wie Microsoft ankündigt. Eine Skill führe Copilot dabei durch feste, vorher festgelegte Schritte, sodass die Ergebnisse einheitlich aufgebaut und leichter nachvollziehbar seien.
Microsoft liefert eine Reihe fertiger Beispiel-Skills gleich mit, etwa für den Monatsabschluss, das Aktualisieren eines Berichtsmodells oder eine Abweichungsanalyse zwischen Plan- und Ist-Zahlen. Diese Vorlagen lassen sich sofort nutzen, ohne dass jemand eine Formel oder ein Skript schreiben müsste. Wer eigene, auf das eigene Unternehmen zugeschnittene Skills bauen möchte, kann das ebenfalls tun. Diese individuellen Vorlagen laufen derzeit zunächst in einer Vorabversion und sollen in den kommenden Wochen für alle Copilot-Kunden folgen.
Der Vorteil gegenüber einer einmaligen Ad-hoc-Anfrage an Copilot liegt in der Wiederholbarkeit. Eine einmal gespeicherte Skill läuft beim nächsten Monatsabschluss automatisch nach demselben Muster ab: mit denselben Formeln, derselben Formatierung und derselben Reihenfolge der Arbeitsschritte. Das senke das Risiko, dass unterschiedliche Personen dieselbe Tabelle jeden Monat leicht anders aufbauen und sich dadurch Fehler einschleichen.
Eine Vorschau zeigt Änderungen, bevor sie greifen
Viele Büroangestellte scheuen sich, eine KI an gewachsene, oft über Jahre gepflegte Tabellen zu lassen, aus Sorge vor verstellten Formeln. Genau hier setzt die zweite Neuerung an: Bevor Copilot eine Skill oder einen frei formulierten Auftrag ausführt, legt es einen Plan vor. Darin stehen die betroffenen Arbeitsblätter, Zellbereiche, Formeln und offene Rückfragen an die Nutzerin oder den Nutzer.
Erst nach einer Bestätigung setzt Copilot die Änderungen um. Jede einzelne Anpassung lässt sich anschließend über die Funktion „Änderungen anzeigen“ zurückverfolgen, sodass nachvollziehbar bleibt, welche Zelle die KI befüllt hat. Ergänzend bindet Copilot in Excel jetzt auch externe Finanzdatendienste wie Morningstar, FactSet, PitchBook, S&P Global, CB Insights und Daloopa direkt ein. So fließen aktuelle Kennzahlen ohne Copy-Paste in die Tabelle. So lässt sich die neue Vorschau ausprobieren:
- Excel mit aktiver Microsoft-365-Copilot-Lizenz öffnen.
- Copilot-Symbol in der Menüleiste anklicken und eine Aufgabe eingeben, etwa „Monatsabschluss vorbereiten“.
- Vorgeschlagenen Plan mit den geplanten Änderungen durchlesen.
- Ausführung bestätigen oder einzelne Schritte anpassen lassen.
- Ergebnis über „Änderungen anzeigen“ im Nachhinein kontrollieren.
Verfügbarkeit, Kosten und Zugang
Skills, Plan-Vorschau und Datenanbindungen setzen eine laufende Microsoft-365-Copilot-Lizenz voraus und ergänzen ein bestehendes Microsoft-365-Abonnement. Für kleinere Unternehmen liegt der Aufpreis je nach Vertragsart zwischen rund 18 und 22 Euro pro Nutzerin oder Nutzer und Monat, Enterprise-Kundschaft verhandelt eigene Konditionen. Ohne dieses Zusatzabo bleiben die neuen Funktionen in Excel unsichtbar.
Die fertigen Beispiel-Skills und die Plan-Vorschau stehen bereits jetzt in Excel für Web, Windows und Mac bereit. Eigene, selbst geschriebene Skills laufen noch in einer eingeschränkten Vorabversion und sollen in den kommenden Wochen allgemein verfügbar werden. Eine gesonderte Länderbeschränkung nennt Microsoft nicht. Da Microsoft 365 Copilot in Deutschland regulärer Bestandteil des Angebots ist, dürfte die Funktion hierzulande ebenfalls nutzbar sein, auch wenn Microsoft dies nicht ausdrücklich bestätigt.
Der eigentliche Wert der Neuerung liegt weniger in der Technik als im Vertrauen, das sie schaffen soll. Wer vorab sieht, was sich in der Tabelle ändert, muss der KI nicht blind vertrauen. Entscheidend wird, wie zuverlässig die automatisch erzeugten Skills bei komplexen, gewachsenen Firmentabellen tatsächlich rechnen. Offen bleibt zudem, ob die angebundenen Finanzdaten-Anbieter auch in Deutschland vollständig nutzbar sind. Wer Firmen- oder Kundendaten in Excel verarbeitet, sollte vor dem Einsatz externer Datenanbindungen die internen Vorgaben zur KI-Nutzung prüfen.


