Der Stadtanwalt von San Francisco, David Chiu, verlangt von Apple und Google die Entfernung von 13 sogenannten Entkleidungs-Apps – Programme, die aus hochgeladenen Fotos täuschend echte Nacktbilder erzeugen. Acht davon liefen im App Store, fünf bei Google Play. Nach den am 16. Juli verschickten Aufforderungsschreiben haben beide Konzerne 28 Tage Zeit für eine Reaktion.
Kalifornisches Gesetz erlaubt Klagen gegen Vermittler
Grundlage sind zwei kalifornische Gesetze: Eines stellt es unter Strafe, die Erstellung nicht einvernehmlicher Deepfake-Pornografie wissentlich zu ermöglichen oder leichtfertig dabei zu helfen. Ein zweites, seit 2025 geltendes Gesetz erlaubt Betroffenen zusätzlich zivilrechtliche Klagen gegen Vermittler wie App-Stores, wenn diese die Verbreitung solcher Inhalte wissentlich ermöglichen. Apple und Google hätten mit den Apps über Jahre Gebühren in Millionenhöhe verdient, wirft ihnen Chiu laut TechCrunch vor. Beide Konzerne profitierten von Apps, die Frauen und Mädchen durch nicht einvernehmliche intime Deepfakes ausbeuteten, und müssten proaktiver handeln, so der Stadtanwalt. Gegenüber MacRumors nannte Chiu die Praxis der Apps „illegal, schädlich und völlig inakzeptabel”. Er verlangt zusätzlich, dass die Unternehmen Zahlungsabwicklung und Entwicklerkonten der betroffenen Anbieter kappen. Die Organisation Tech Transparency Project habe bereits im Januar und April 2026 vor den Apps gewarnt. Die Aufforderungsschreiben selbst nennen bewusst keine Namen der betroffenen Anwendungen, um ihnen keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Apple bestätigte gegenüber 9to5Mac, das Unternehmen verbiete grundsätzlich Apps, die Pornografie erzeugen, verbreiten oder konsumierbar machen. Man habe bereits drei der genannten Anwendungen entfernt, die zugehörigen Entwicklerkonten gekündigt und vier weitere Anbieter wegen Regelverstößen kontaktiert. Nutzer könnten Verstöße zusätzlich über die Meldeseite reportaproblem.apple.com anzeigen. Google erklärte gegenüber MacRumors, bereits Hunderte Apps mit Entkleidungs-Funktionen wegen Richtlinienverstößen gelöscht zu haben, darunter auch die fünf im Schreiben genannten Anwendungen. Apple hatte seine App-Store-Richtlinien zur Verantwortung von Entwicklern für pornografische Inhalte bereits im Juni 2026 verschärft. Anders als bei früheren Klagen richtet sich der Vorstoß erstmals direkt gegen die Plattformbetreiber statt gegen einzelne Websitebetreiber. Trotz bestehender Regeln blieben die Apps trotz früherer Warnungen monatelang in den Stores verfügbar, bevor die Stadtverwaltung eingriff.
Entscheidend wird, ob Apple und Google die Fristsetzung als Präzedenzfall für weitere Städte werten oder abwarten, bis eine tatsächliche Klage folgt. Offen bleibt, ob Chiu bei ausbleibender Reaktion nach Ablauf der 28 Tage tatsächlich vor Gericht zieht.


