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Anthropics KI-Bremse spaltet Techbranche: Nasdaq minus 1,5 Prozent

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die Nasdaq-100-Futures fielen am Montag um 1,5 Prozent, nachdem sich Microsoft-Chef Satya Nadella und US-Präsident Donald Trump gegensätzlich zu Dario Amodeis Forderung nach einer KI-Tempobremse positionierten. Nadella kündigte einen Verhaltenskodex für Microsofts eigene KI-Modelle an, Trump lehnte staatliche Eingriffe unter Verweis auf den Wettlauf mit China ab. OpenAI-Chef Sam Altman bekräftigte im Interview mit Fortune, Trainingsläufe notfalls zu pausieren.

Eine überdimensionale rote Bremsscheibe blockiert eine aufwärts rasende Servertrasse, im Hintergrund knickt ein Börsenkurspfeil abrupt nach unten ab. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Nadella nennt eine KI ohne menschliche Kontrolle in einem X-Beitrag nicht verfolgenswert und kündigt einen Verhaltenskodex an.
  • Altman erklärt Fortune, OpenAI werde Trainingsläufe pausieren, wenn kein Sicherheitsnachweis für Kontrollierbarkeit gelingt.
  • Trump lehnt eine regulatorische KI-Bremse ab und verweist auf den Wettlauf mit China.
  • Die Nasdaq-100-Futures fielen am Montag um 1,5 Prozent, Nvidia-Aktien gaben drei Prozent nach.
  • Chipwerte wie Arm und Marvell sowie der Cloud-Anbieter CoreWeave verloren an der Börse je sechs Prozent.
  • Microsofts Verhaltenskodex für die firmeneigenen MAI-Modelle geht ab heute in eine öffentliche Konsultation.

Einen Tag nach Dario Amodeis Aufruf zur KI-Tempobremse positioniert sich die Techbranche uneins: Microsoft-Chef Satya Nadella begrüßt auf der Plattform X eine bewusste Verlangsamung und kündigt einen Verhaltenskodex für die firmeneigenen KI-Modelle an. US-Präsident Donald Trump lehnt staatliche Eingriffe dagegen ab und verweist auf den Wettlauf mit China. An der Wall Street fielen die Nasdaq-100-Futures am Montag um 1,5 Prozent.

Altman untermauert Pacing-Zusage mit Sicherheitsvorbehalt

Im am Sonntag veröffentlichten Interview mit Fortune-Chefredakteurin Alyson Shontell vertiefte OpenAI-Chef Sam Altman seine bereits am Vortag auf X geäußerte Zustimmung zu Amodeis Essay. Auf die Frage, ob sich ein KI-System bauen lasse, das nicht mehr unter menschlicher Kontrolle steht, antwortete Altman, das sei „natürlich” möglich – fügte aber hinzu, es sei kein Ziel, das sein Unternehmen verfolgen solle. OpenAI werde künftig häufiger Trainingsläufe pausieren, um vor dem nächsten Fähigkeitssprung zusätzliche Sicherheits- und Ausrichtungsarbeit einzuschieben, kündigte er an.

Zentral sei laut Altman ein Sicherheitsnachweis: OpenAI wolle künftig kein Modell trainieren, für das sich keine belastbare Aussage zu Kontrollierbarkeit und Ausrichtung treffen lasse. Er deutete zudem eine Abstimmung mit Branchenkollegen an, um das Entwicklungstempo gemeinsam zu drosseln, während Sicherheitsarbeit mit den wachsenden Modellfähigkeiten Schritt hält. Nötigenfalls werde er sich dabei auch gegen eigene Investoren stellen, kündigte Altman an. In einem nächtlichen Beitrag auf X hatte er zuvor bereits erklärt, sein Unternehmen stehe kompromisslos auf der Seite der Menschheit und werde eine Zukunft ohne menschliche Kontrolle über KI-Systeme nicht hinnehmen. Die Aussagen ergänzen Amodeis Essay vom Vortag um konkretere Details zu OpenAIs eigenem Vorgehen.

Nadella kündigt Verhaltenskodex für Microsofts KI-Modelle an

Microsoft-Chef Satya Nadella reagierte am Sonntag auf X mit einer eigenen Position: Jedes Streben nach Superintelligenz müsse auf dem Grundsatz beruhen, dass eine KI, die der Menschheit nicht helfe und nicht unter menschlicher Kontrolle stehe, nicht verfolgenswert sei, schrieb er. Microsoft begrüße die „bewusste Temposteuerung”, die nötig sei, um Ausrichtung zum eigentlichen Entwurfsziel zu machen, sowie Vorschläge wie eingebettete externe Prüfer in den Laboren. Nadella hatte bereits im Juli vor versteckten Kosten kommerzieller KI-Nutzung gewarnt.

Konkret kündigte Nadella an, ab Montag einen Verhaltenskodex für Microsofts hauseigene MAI-Modellfamilie zur öffentlichen Konsultation zu veröffentlichen. Der Kodex soll erstmals dokumentierte Verhaltensstandards für die im Juni 2026 unter Leitung von KI-Chef Mustafa Suleyman gestarteten MAI-Modelle liefern, die Bereiche von Sprachverarbeitung über Programmierung bis Bild- und Sprachgenerierung abdecken. Eine Steuerung fortgeschrittener KI dürfe laut Nadella nicht bei wenigen Unternehmen liegen, sondern brauche breite Beteiligung aus Wissenschaft, Ländern und Industrie. Weder Google noch Meta äußerten sich bislang öffentlich zu Nadellas Vorstoß.

Trump lehnt Bremse ab, Anleger reagieren nervös

US-Präsident Donald Trump wies die Forderung der KI-Chefs am Sonntag während seines Irland-Aufenthalts zurück. Gegenüber Journalisten sagte er, man könne zwar Leitplanken einziehen, doch hinter den Warnungen steckten auch negative Kräfte, die Dinge heraufbeschwörten, die gar nicht eintreten würden. Die USA lägen bei KI vor China, „und ich will das so halten, denn wer bei KI gewinnt, gewinnt”. House Speaker Mike Johnson stützte die Linie tags zuvor im Sender CNN und warnte vor einem Kongress-Moratorium, weil China die USA sonst überholen werde. Die Regierung hatte zuvor bereits eine eigene KI-Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild der Finra erwogen.

An den Finanzmärkten sorgte der Streit für Nervosität: Die Nasdaq-100-Futures fielen am Montag um 1,5 Prozent, der S&P 500 gab 0,8 Prozent nach. Die Nvidia-Aktie verlor laut NBC News rund drei Prozent, die Chipwerte Arm und Marvell sowie der Cloud-Anbieter CoreWeave je etwa sechs Prozent. Erst in der Vorwoche hatte sich der Kurs von Nvidia noch deutlich erholt.

Offen bleibt, ob Amodeis Forderung nach staatlich vermittelten, gemeinsamen Sicherheitsstandards angesichts der klaren Absage aus dem Weißen Haus überhaupt eine Grundlage findet. Microsofts ab heute laufende öffentliche Konsultation zum eigenen Verhaltenskodex liefert dafür einen ersten Testfall, ob sich freiwillige Selbstverpflichtungen einzelner Unternehmen auch ohne staatliche Koordination durchsetzen lassen.

Häufige Fragen

Welche Unternehmen haben sich bislang zur KI-Temposteuerung geäußert?

Anthropic, OpenAI und Tesla-Gründer Elon Musk positionierten sich bereits am 12. und 13. September, nun kommt Microsoft über Nadella hinzu. Google und Meta äußerten sich bislang nicht öffentlich.

Was regelt Microsofts neuer Verhaltenskodex konkret?

Er legt erstmals dokumentierte Verhaltensstandards für die firmeneigene MAI-Modellfamilie fest, von Sprachverarbeitung bis Bildgenerierung, und geht ab dem 14. September in eine öffentliche Konsultation.

Wie stark reagierten die Finanzmärkte konkret?

Die Nasdaq-100-Futures fielen um 1,5 Prozent, der S&P 500 um 0,8 Prozent. Nvidia verlor rund drei Prozent, Arm, Marvell und CoreWeave je etwa sechs Prozent.

Welche Position vertritt die US-Regierung zur geforderten Bremse?

Trump lehnt regulatorische Eingriffe ab und verweist auf den Wettbewerb mit China. House Speaker Mike Johnson stützte diese Linie und warnte vor einem Kongress-Moratorium.

Was plant Anthropic als nächsten Schritt in der Debatte?

Amodeis Essay fordert staatlich vermittelte, gemeinsame Sicherheitsstandards zwischen den führenden KI-Unternehmen. Einen Zeitplan für deren Aushandlung nennt der Essay bislang nicht.

Quellen (4)
  1. Satya Nadella auf X: Stellungnahme zu Superintelligenz und Pacing
  2. Fortune: Exklusivinterview mit Sam Altman (Alyson Shontell)
  3. Al Jazeera: Trump dismisses calls for AI slowdown from leading tech CEOs
  4. NBC News: Stocks tumble after AI leaders warn that the industry should slow down

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