Die Trump-Regierung prüft nun doch den Aufbau einer eigenen Aufsichtsbehörde für besonders leistungsfähige KI-Modelle. Finanzminister Scott Bessent arbeitet laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg an einem Vorschlag, der sich am Wertpapieraufseher Finra orientiert und der Börsenaufsicht SEC unterstellt wäre. Er greift damit einen Vorschlag von Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis auf, über den beckmann.ai bereits am 15. Juli berichtete.
Bessent-Plan widerspricht bisheriger Regierungslinie
Der neue Entwurf markiert einen Kurswechsel: Ein scheidender Tech-Berater des Weißen Hauses hatte Anfang Juli noch erklärt, es werde „keine FDA für KI” geben, eine zentrale Zulassungsprüfung schaffe vor allem Bürokratie. Nun arbeite die Regierung laut Bloomberg selbst an einer Behörde, die formal an die SEC berichte, operativ aber unabhängig agiere – ähnlich wie die Finra die Wertpapierbranche überwacht, statt dass eine klassische Bundesbehörde jede Prüfung übernimmt. Wie sich diese neue Linie mit der bisherigen Ablehnung einer zentralen Zulassungsstelle vereinbaren lässt, ließ die Regierung bislang offen.
Bloomberg beruft sich dabei auf mit dem Vorgang vertraute Regierungsvertreter; eine offizielle Bestätigung des Weißen Hauses steht aus, die Existenz des Entwurfs ist damit unabhängig nicht verifiziert. Die Industrie solle an der Finanzierung und an der Festlegung von Prüfstandards beteiligt werden, Details zu Befugnissen, Personalausstattung, Budget und dem genauen Verhältnis zur SEC blieben bislang offen. Ein Sprecher des Finanzministeriums äußerte sich bislang nicht öffentlich zu dem Bericht.
Wiles prüft Entwurf, Trump noch nicht informiert
Weißes-Haus-Stabschefin Susie Wiles prüfe den Plan derzeit, Präsident Trump habe ihn noch nicht gesehen, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mehrere informierte Personen. Auch der frühere KI-Berater des Weißen Hauses, David Sacks, berate laut Business Standard weiter zu dem Thema. Als Auslöser gelten neben der Kritik der Industrie an bisherigen Einzelfall-Prüfungen bei Anthropic und OpenAI der Wettbewerbsdruck durch das chinesische Sprachmodell Kimi K3, dessen Vorstellung in Washington als zusätzliches Warnsignal gewertet worden sei, weil sie chinesischen Anbietern kurzzeitig einen Fähigkeitsvorsprung attestierte.
Hassabis selbst hatte seinen Rahmen mit dem Namen „Standards Body” bereits am 14. Juli veröffentlicht: Labore sollen ihre Modelle zunächst freiwillig 30 Tage vor der Veröffentlichung zur Prüfung einreichen, geprüft würden unter anderem Cyber- und Biorisiken sowie die Fähigkeit von KI-Agenten, Schutzmechanismen zu umgehen oder zu täuschen. Bewähre sich das Verfahren, könne daraus laut Hassabis eine verpflichtende Regel für den US-Markt werden. Details zu Aufbau, Finanzierung und Testkriterien beschreibt der vorherige Beitrag dazu ausführlich.
Nadella, Altman und Musk stützen den Vorschlag
Anders als noch vor einer Woche äußerten sich mittlerweile mehrere große Anbieter öffentlich unterstützend. Microsoft-Chef Satya Nadella und OpenAI-Chef Sam Altman sprachen sich laut TechCrunch für Hassabis’ Ansatz aus, ebenso Tesla- und xAI-Gründer Elon Musk. Anthropic und OpenAI hatten sich zu dem Vorschlag zunächst nicht geäußert.
Die breite Unterstützung aus der Industrie dürfte den Druck auf die Regierung erhöht haben, eine eigene Position zu entwickeln, statt das Feld allein Google DeepMind zu überlassen. Bessents Entwurf und Hassabis’ Modell verfolgen dabei ähnliche, aber nicht identische Ziele: Der Regierungsplan würde eine staatlich verankerte Behörde schaffen, Hassabis setzt stärker auf Selbstregulierung der Industrie mit staatlicher Rückendeckung.
Offen bleibt, ob Trump den Bessent-Entwurf überhaupt aufgreift und wie sich zwei parallele Vorschläge – ein staatlicher und ein industriegeführter – gegebenenfalls zusammenführen ließen. Auch die Frage, ob eine US-Behörde für Modelle aus China oder der EU außerhalb des US-Vertriebs überhaupt eine Handhabe hätte, ist in beiden Entwürfen bislang unbeantwortet.


