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NewsGuard-Test: KI-Chatbots entlarven 75 Prozent der Propaganda

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Sechs populäre Chatbots bestehen laut einer gemeinsamen Auswertung von NPR und NewsGuard drei von vier Tests zu staatlicher Desinformation aus Russland, China und Iran. Bei Suchmaschinen und ihren KI-Zusammenfassungen fällt die Fehlerquote spürbar höher aus als bei den Chatbots selbst. Manche Antworten relativieren Falschbehauptungen aber nur vorsichtig, statt sie eindeutig zu verwerfen.

Sprechblasen-Figuren mit Schutzschilden wehren einen Hagel durchgestrichener Zeitungsseiten ab, einzelne Seiten rutschen durch eine Lücke. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • NPR und NewsGuard testeten sechs Chatbots – ChatGPT, Gemini, Copilot, Meta AI, Grok und Claude – mit 30 Fragen.
  • Die Fragen beruhten auf 15 Falschnarrativen aus Russland, China und Iran zwischen Dezember 2025 und Juli 2026.
  • Unter den Suchmaschinen-Zusammenfassungen lag Google vorn, Microsofts Bing schnitt am schwächsten ab.
  • Digitalexperte Mike Caulfield bewertet die 75-Prozent-Quote der Chatbots als bemerkenswert gutes Ergebnis.
  • Laut früheren NewsGuard-Analysen fehlt bei jeder neunten Angabe in Google AI Overviews eine Quellenangabe.
  • Manche Chatbot-Antworten erwähnen Falschmeldungen nur vorsichtig, statt sie klar zurückzuweisen.

KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Claude entlarven nach einer gemeinsamen Untersuchung von NPR und NewsGuard rund 75 Prozent von 30 Testfragen zu staatlicher Desinformation korrekt. Die Fragen bauten auf 15 Falschnarrativen auf, die Russland, China und Iran zwischen Dezember 2025 und Juli 2026 verbreiteten. Damit schneiden die Chatbots deutlich besser ab als klassische Suchmaschinen und die KI-Zusammenfassungen an deren Spitze.

Studie prüft sechs Chatbots mit gezielten Testfragen

Die NewsGuard-Rechercheurinnen Isis Blachez und Ines Chomnalez formulierten für NPR zu jedem der 15 Narrative zwei Fragen: eine neutral gestellte und eine mit einer irreführenden Grundannahme, wie sie auch in echten Chat-Anfragen vorkommen könnte. Getestet wurden sechs verbreitete Assistenten – ChatGPT von OpenAI, Gemini von Google, Copilot von Microsoft, Meta AI, Grok von xAI sowie Claude von Anthropic. NewsGuard bewertete jede Antwort anhand von drei Kriterien: sachliche Richtigkeit, analytische Sorgfalt und eine korrekte Gesamtschlussfolgerung.

Als Vergleichsmaßstab dienten die eigenen, bereits verifizierten Faktenchecks des Unternehmens, das seit Jahren die Verlässlichkeit von Nachrichtenseiten bewertet und in seinem laufenden AI False Claims Monitor auch Chatbot-Antworten quartalsweise erfasst. Ergänzend prüften die Autorinnen dieselben Fragen bei den größten Suchmaschinen und deren KI-generierten Zusammenfassungen. Die 15 Narrative reichten von manipulierten Kriegsdarstellungen bis zu erfundenen Zitaten westlicher Politiker.

Google übertrifft Bing bei den KI-Zusammenfassungen

Reine Suchmaschinen-Ergebnisse fielen im Test am schwächsten aus, KI-generierte Zusammenfassungen lagen dazwischen und die Chatbots selbst schnitten am zuverlässigsten ab. Googles AI Overviews wiesen Falschnarrative unter den Zusammenfassungen am zuverlässigsten zurück, Microsofts Bing-Zusammenfassungen schnitten laut der Auswertung am schlechtesten ab. Der Digitalkompetenz-Forscher Mike Caulfield von der University of Washington ordnet die Chatbot-Quote von 75 Prozent gegenüber NPR als bemerkenswert gut ein und vergleicht sie mit schulischen Notenmaßstäben, bei denen ein solcher Wert als sehr gutes Ergebnis gelte.

Offenbar hilft es den Chatbot-Anbietern, dass sie eigene Sicherheitsschichten und aktuelle Suchintegrationen nutzen, um Anfragen zu tagesaktuellen Ereignissen einzuordnen, statt sich allein auf Trainingsdaten zu verlassen. Für Büroangestellte, die einen Chatbot für eine schnelle Zwischenfrage zu einem Nachrichtenereignis nutzen, bedeutet das Ergebnis: Die Antwort liegt öfter richtig als eine reine Suchmaschinen-Trefferliste, ersetzt eine gezielte Recherche bei strittigen Themen aber nicht. Wie stabil dieser Vorsprung bleibt, wenn Suchanbieter ihre Zusammenfassungen nachbessern, lässt die Untersuchung offen.

Antworten verstecken Fehlinformation manchmal in Vorbehalten

Nicht jede Antwort widerlegte Falschbehauptungen eindeutig: Ein Teil der getesteten Chatbots erwähnte die jeweilige Desinformation zwar, bettete sie aber in Einschränkungen wie “einige Quellen behaupten” ein, statt sie klar zurückzuweisen. Nutzerinnen und Nutzer könnten solche vorsichtig formulierten Antworten leicht als Bestätigung missverstehen. Frühere Analysen von NewsGuard zeigen zudem, dass bei etwa jeder neunten Angabe in Googles AI Overviews eine nachvollziehbare Quellenangabe fehlt – unabhängig nicht verifiziert ist dabei, wie repräsentativ dieser Wert für die aktuell getesteten 15 Narrative ausfällt.

Die Autorinnen betonen, dass ihre Stichprobe mit 30 Fragen klein bleibt und keine Aussage über das gesamte Antwortverhalten der Systeme über einen längeren Zeitraum erlaubt. Eine Anfang August veröffentlichte Untersuchung zu mehrstufigen Chatbot-Gesprächen hatte bereits gezeigt, dass solche Dialoge auch Verschwörungsglauben nachhaltig senken können – ein Hinweis, dass die Rolle von KI-Systemen bei Fehlinformation nicht nur einseitig negativ ausfällt. Beide Befunde zusammen relativieren die verbreitete Sorge, wonach Chatbots vor allem als Verstärker von Falschmeldungen wirken.

Entscheidend wird, ob Staaten ihre Desinformationskampagnen an die verbesserte Abwehr der Chatbots anpassen, etwa indem sie Inhalte gezielt so formulieren, dass sie an den Prüfkriterien der Modelle vorbeirutschen. Für Unternehmen, die KI-Assistenten für Recherche oder Kundenkommunikation einsetzen, liefert die Untersuchung immerhin einen Anhaltspunkt: Bei brisanten geopolitischen Themen bleibt eine zusätzliche Prüfung sinnvoll, auch wenn die Fehlerquote insgesamt gesunken ist. Wiederholt NewsGuard den Test mit neueren Narrativen aus der zweiten Jahreshälfte 2026, zeigt sich, ob die Quote stabil bleibt oder sich mit wachsender Verbreitung neuer Fälschungen wieder verschlechtert.

Häufige Fragen

Welche KI-Chatbots waren Teil des Tests?

NPR und NewsGuard prüften ChatGPT, Gemini, Copilot, Meta AI, Grok und Claude mit jeweils identischen Testfragen.

Woher stammen die geprüften Falschnarrative?

NewsGuard stellte 15 dokumentierte Narrative aus Russland, China und Iran bereit, die zwischen Dezember 2025 und Juli 2026 erstmals auftauchten.

Sind Chatbots damit grundsätzlich zuverlässiger als eine Suchmaschine?

Bei den getesteten Themen schnitten sie deutlich besser ab, doch die Stichprobe war klein und deckt nicht jedes Themenfeld oder jede Sprache ab.

Was bedeutet die Fehlerquote von rund 25 Prozent konkret?

Jede vierte Antwort bestätigte eine Falschbehauptung ganz oder teilweise oder ordnete sie nicht ausreichend ein.

Plant NewsGuard eine Folgeuntersuchung?

Ein fester Termin für einen erneuten Test mit Narrativen aus der zweiten Jahreshälfte 2026 ist bislang nicht bekannt.

Quellen (2)
  1. NPR: AI chatbots may be better than search engines in guarding against foreign propaganda
  2. NewsGuard: AI False Claims Monitor

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