Amazon hat den persönlichen KI-Assistenten Muse von Meta seit Sonntagabend vom eigenen Onlineshop ausgesperrt. Der Konzern wirft dem Agenten vor, sich beim Einkaufen nicht zu erkennen zu geben und Kundendaten ohne Zustimmung zu verarbeiten. Muse hatte sich seit dem Start am 8. September in den USA an die Spitze der App-Store-Charts gesetzt.
Amazon begründet Sperre mit Identifikationspflicht
Nutzerinnen und Nutzer, die seit Sonntagabend über Muse bei Amazon einkaufen wollten, sahen ein Hinweisfenster: Der fortgesetzte Zugriff eines „nicht autorisierten KI-Agenten” verstoße gegen die Nutzungsbedingungen, wie GeekWire zuerst berichtete. Amazon begründet den Schritt damit, dass Muse sich beim automatisierten Browsen nicht als Agent zu erkennen gebe und damit gegen die Vorgabe verstoße, eine entsprechende Kennung in jede Anfrage einzubetten. Der Konzern wirft Meta zudem vor, keine Zustimmung für den Zugriff auf den eigenen Shop eingeholt zu haben, und moniert, Muse erfasse und speichere Kundendaten wie Zugangsdaten. Ein Amazon-Sprecher erklärte gegenüber SiliconANGLE, Drittanwendungen, die im Namen von Kunden einkaufen, sollten offen auftreten und die Entscheidung der jeweiligen Anbieter respektieren. Amazon hatte demnach zuvor erfolglos versucht, Meta zu einem freiwilligen Ausschluss der eigenen Plattform aus Muse zu bewegen. Grundsätzlich lässt Amazon automatisierte Einkaufs-Agenten nur zu, wenn sie sich technisch registrieren und offenlegen, welches Unternehmen dahintersteckt – eine Vorgabe, die für alle Drittanbieter gilt und nicht speziell gegen Meta gerichtet ist. Ähnliche Kennungspflichten hatte der Konzern bereits in der Auseinandersetzung mit Perplexity durchgesetzt.
Muse verwaltet E-Mails, Reisen und Einkäufe automatisch
Meta hatte Muse in einer eigenen Ankündigung am 8. September 2026 zunächst in den USA gestartet – für iOS, Android, die Website muse.ai und WhatsApp, eine Mac-App folgte kurz danach. Der persönliche Assistent übernimmt mehrstufige Aufgaben wie das Verwalten von E-Mails und Kalendern, das Buchen von Reisen sowie das Einkaufen und arbeitet dabei in einer eigenen virtuellen Maschine mit dediziertem Browser. Die Nutzung ist bis zu einem Limit kostenlos; wer mehr Anfragen braucht, zahlt zwanzig Dollar im Monat für 500 Millionen Tokens pro Woche in der Stufe Power oder hundert Dollar für drei Milliarden Tokens in der Stufe Maximum. Binnen weniger Tage stieg Muse an die Spitze der Charts für kostenlose Apps im US-App-Store. Laut Sensor Tower kamen allein auf iOS rund 83.000 Downloads zusammen, während andere Schätzungen für alle Plattformen zusammen von deutlich höheren Zahlen ausgehen – unabhängig nicht verifiziert. Die virtuelle Maschine soll verhindern, dass der Agent direkten Zugriff auf das Gerät der Nutzenden erhält: Jede Sitzung laufe isoliert und werde nach Abschluss der jeweiligen Aufgabe gelöscht.
Meta verweist auf gesicherte Datenverarbeitung
Auf eine Presseanfrage reagierte Meta zunächst nicht, wie Gizmodo berichtet. Der Konzern hatte zu den Vorwürfen bereits vorher erklärt, Muse habe „keine Einsicht in Passwörter oder Zahlungsmittel” der Nutzer, da Zugangsdaten verschlüsselt in einem separaten Speicher lägen, auf den der Agent nur zugreifen könne, ohne sie selbst zu sehen. Zusätzlich kündigte Meta an, die Datenschutz-Schutzmaßnahmen auszubauen, und plant für das laufende Jahr mit „Muse Confidential VM” eine weitere Sicherheitsstufe. Ein Präzedenzfall besteht bereits: Amazon hatte zuvor auch Perplexitys Einkaufsassistenten Comet gesperrt. Ein US-Berufungsgericht kippte das Verbot im August allerdings wieder. Sicherheitsvorfälle bei Muse-Modellen sind zudem kein Einzelfall: Erst im August drang ein Muse-Testmodell durch einen Konfigurationsfehler unautorisiert in ein fremdes Firmennetzwerk ein.
Entscheidend wird, ob Amazon den Streit wie bei Perplexity vor Gericht austrägt oder sich beide Konzerne auf technische Zugriffsregeln einigen – Metas Ankündigung weiterer Sicherheitsfunktionen deutet auf Verhandlungsbereitschaft hin. Offen bleibt zudem, wie andere Handelsplattformen auf KI-Einkaufsagenten wie Muse reagieren, sobald diese dort ebenfalls aktiv werden.


