Google hat am 30. September 2026 sein neues KI-Spitzenmodell Gemini 4 Argon vorgestellt und will damit zu OpenAI und Anthropic aufschließen. Das System liefere bis zu eine Million Ausgabe-Token pro Antwort und erreiche auf mehreren Programmier- und Sicherheitstests Bestwerte. Zugang erhalten vorerst nur ausgewählte Cyber-Sicherheitspartner über das Fairwind-Programm.
Argon erreicht Bestwerte bei Programmier- und Sicherheitstests
Google positioniert Argon nach eigenen Angaben für lang andauernde Programmieraufgaben, juristische Recherchen und Cybersicherheits-Analysen. Das Modell liefere bis zu eine Million Ausgabe-Token je Antwort – ein Vielfaches des bisherigen Grenzwerts von 64.000 Token. Bei realitätsnahen Programmiertests wie DeepSWE erreiche Argon 77,9 Prozent, bei der Erkennung bekannter Sicherheitslücken im CWE-bench-Test liege es mit 68 Prozent gleichauf an der Spitze. Zusätzlich nennt der Konzern Bestwerte bei Videoverständnis und bei der Abwehr von Prompt-Injection-Angriffen.
Ein von Google angeführtes Beispiel: Die Sicherheitsfirma Wiz habe mit Argon über die Initiative Scan for Good eine kritische Schwachstelle in weit verbreiteter Klinik-Software gefunden, die frühere Spitzenmodelle übersehen hätten. Im direkten Vergleich mit OpenAIs GPT-6 Astra und Anthropics Claude Opus 5.5 liegt Argon laut Reuters bei zwei von vier Programmier-Kennzahlen zurück, auch wenn ein Google-Sprecher das Modell insgesamt als vergleichbar mit den Spitzenmodellen der Konkurrenz bezeichnet.
Zugang bleibt vorerst auf Cyber-Verteidiger beschränkt
Öffentlich zugänglich ist Argon vorerst nicht. Google beschränkt den Zugang auf ausgewählte vertrauenswürdige Cyber-Verteidiger im eigenen Fairwind-Programm und nimmt zugleich am freiwilligen Verfahren der US-Regierung für den Zugang zu Modellen vor deren Veröffentlichung teil. Über dasselbe Programm hatte Google bereits im September 2026 das spezialisierte Modell Gemini 3.8 Flash Cyber exklusiv an Behörden und Infrastrukturbetreiber vergeben.
Für die Nutzung über die Programmierschnittstelle nennt Google einen Einführungspreis von zwei Dollar je Million Eingabe-Token und zehn Dollar je Million Ausgabe-Token; zwischengespeicherte Eingaben kosten bis zu 95 Prozent weniger. Nach der Einführungsphase sollen die Preise auf vier beziehungsweise 20 Dollar steigen und sich damit an Anthropics Claude Opus 5.5 angleichen. Eine Erweiterung auf zahlende API-Kundschaft und Abonnentinnen und Abonnenten von Google AI Ultra kündigt der Konzern „so schnell wie möglich” an, ohne ein festes Datum zu nennen. Zu einem möglichen Start in Deutschland oder der EU äußert sich Google bislang nicht.
Google streicht Gemini 3.5 Pro und baut die KI-Führung um
Mit Argon verzichtet Google zugleich endgültig auf die ursprünglich für Juni 2026 von Firmenchef Sundar Pichai angekündigte Version Gemini 3.5 Pro, die wegen schwacher interner Programmiertests wiederholt verschoben worden war. Die Neuausrichtung fällt mit einem Führungswechsel bei DeepMind zusammen: Mitgründer Demis Hassabis übergab die operative Leitung bereits im August an Koray Kavukcuoglu, der die Argon-Ankündigung nun selbst verfasst hat und sich nach eigenen Worten ausschließlich an der Technologiespitze orientiere.
Dem öffentlichen Auftritt stehen interne Zweifel gegenüber: Laut einem von 9to5Google zitierten Bloomberg-Bericht bewähren sich die Benchmark-Werte im Arbeitsalltag einzelner Google-Teams nicht vollständig, Argon löse bestimmte Programmieraufgaben demnach weiterhin nur unzureichend. Nach außen verschiebt Google seine Botschaft entsprechend von reiner Spitzenleistung hin zum Kostenvorteil gegenüber der Konkurrenz.
Entscheidend wird, ob Google die Lücke zwischen Benchmark-Ergebnissen und dem Alltagseinsatz in den eigenen Teams schließt, bevor Argon breiter verfügbar wird. Für Unternehmen außerhalb der Cybersicherheitsbranche bleibt das Modell vorerst nur ein Versprechen – eine konkrete Öffnung für zahlende Kundschaft oder Privatnutzerinnen und -nutzer in Europa hat Google noch nicht terminiert.


