Google hat eine neu eingeführte KI-Bildfunktion in Google Earth bereits nach 24 Stunden wieder deaktiviert. Mit dem Modell Nano Banana 2 ließen sich seit dem 30. Juli 2026 aus echten Satellitendaten frei erfundene Szenen erzeugen, etwa eine Explosion in Paris oder eine angebliche Atomanlage im Iran. Google reagierte auf die Kritik von Geodaten-Fachleuten und zog die Funktion vorerst zurück.
Fake-Bilder zeigen Explosionen und angebliche Militäranlagen
Die Funktion mit dem Namen „Create Image” ließ sich in der Web-Version von Google Earth nutzen. Nutzerinnen und Nutzer wählten einen beliebigen Ort auf der Karte, gaben eine Texteingabe ein, und das Modell erzeugte ein fotorealistisches Bild auf Basis der echten Satelliten-, Luft- und 3D-Daten dieses Punkts.
Laut Berichten von NPR erzeugten Testnutzerinnen und -nutzer damit unter anderem eine Explosion in Paris, eine angebliche Nuklearanlage im Iran, einen Bombenkrater in Russland und ein Trainingslager der Terrormiliz IS in Syrien. Auch erfundene Szenen wie Überschwemmungen in Bangladesch ließen sich darstellen. Geodaten-Fachleute warnten, damit ließen sich glaubwürdig wirkende Belege für Ereignisse fälschen, die nie stattgefunden haben.
Google kündigt strengere Schutzmaßnahmen an
Google reagierte binnen 24 Stunden und deaktivierte die Funktion am 31. Juli 2026 wieder. Ein Unternehmenssprecher erklärte laut TechCrunch, man habe zwar sinnvolle Nutzung durch Geodaten-Fachleute beobachtet, aber auch geteilte Bildschirmfotos, die gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Google wolle die Zeit nutzen, um stärkere Schutzmechanismen einzubauen, bevor die Funktion zurückkehrt.
Technisch basiert „Create Image” auf dem Bildmodell Nano Banana 2, intern auch als Gemini 3.1 Flash Image bezeichnet. Wie beckmann.ai bereits berichtete, kam eine leichtere Variante des Modells bereits Mitte Juli in den KI-Übersichten von Google Bilder zum Einsatz. Betroffen von der aktuellen Pause ist ausschließlich die Browser-Version von Google Earth; die mobilen Apps hatten die Bildgenerierung nie erhalten.
Kritik folgt einem bekannten Muster bei KI-Bildgeneratoren
Der schnelle Rückzieher reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein. Erst Mitte Juli hatte Meta seine Bildfunktion Muse nach Kritik von Nutzerinnen und Talentagenturen ebenfalls binnen weniger Tage zurückgezogen, nachdem sich fremde Instagram-Fotos ohne Zustimmung für KI-Bilder nutzen ließen. Gemeinsam ist beiden Fällen, dass die Konzerne neue generative Funktionen zunächst breit ausrollen und erst nach öffentlicher Kritik nachbessern, statt Missbrauchsszenarien vorab zu testen.
Bei Google Earth kommt hinzu, dass die Fotorealismus-Funktion an einem Produkt hing, das Nutzerinnen und Nutzer traditionell als verlässliche Abbildung der Realität wahrnehmen. Entscheidend wird, welche konkreten Schutzmechanismen Google vor einer Neuauflage einbaut und ob sich Sperren für sicherheitsrelevante Orte wie Militäranlagen zuverlässig durchsetzen lassen. Einen Termin für eine Rückkehr nennt der Konzern bislang nicht.


