Sicherheit

Anthropic stoppt Hacker nach Zugangsdaten-Scan bei 1,8 Millionen Apps

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Ein Bedrohungsbericht von Anthropic deckt auf: Die Hackergruppe ShinyHunters filterte mit dem KI-Modell Claude im großen Stil Zugangsdaten aus 1,8 Millionen Android-Apps heraus. Ein einzelner Betreiber verteilte den Angriff über zehn Cloud-Server und schleuste erbeutete Passwörter in Echtzeit in sortierte Telegram-Kanäle. Anthropic sperrte die beteiligten Konten und baute seine Erkennung gegen ähnlichen Missbrauch aus.

Ein Anthropic-Logo-Sticker klebt auf einem Aktenkoffer, aus dem digitale Schlüssel und offene Vorhängeschlösser in ein Netz aus kleinen App-Symbolen fallen, während im Hintergrund eine maskierte Gestalt an einer Tastatur tippt. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einzelner Operator betrieb die Scan-Pipeline parallel auf zehn Amazon-Servern.
  • Erbeutete Passwörter und Schlüssel liefen in Echtzeit in mehr als hundert sortierte Telegram-Kanäle.
  • Neben ShinyHunters nennt der Bericht auch die russische Gruppe Midnight Blizzard als Claude-Nutzer.
  • Eine chinesischsprachige Gruppe (GTG-10007) suchte über Claude gezielt nach Schwachstellen in Sicherheitsprodukten.
  • Anthropics aktueller Bericht deckt den Zeitraum Dezember 2025 bis August 2026 ab.
  • Das Unternehmen sperrte betroffene Konten und informierte Behörden sowie Sicherheitspartner.

Die Hackergruppe ShinyHunters hat das KI-Modell Claude von Anthropic dazu benutzt, automatisiert 1,8 Millionen Android-Apps nach fest einprogrammierten Zugangsdaten zu durchsuchen. Das geht aus dem aktuellen Bedrohungsbericht hervor, den Anthropic am 10. September 2026 veröffentlichte. Ein einzelner Operator verteilte die Angriffspipeline über zehn Cloud-Server und leitete erbeutete Passwörter in Echtzeit an Telegram-Kanäle weiter.

Automatisierte Pipeline durchsucht Millionen App-Pakete

Der Angriff begann mit dem massenhaften Herunterladen von APK-Dateien aus mehreren App-Stores. Eine Person, die unter den Decknamen frkoo, MeowSHA und blazespider auftritt und der Gruppe ShinyHunters zugerechnet wird, entpackte die Programme anschließend und ließ sie mit dem Open-Source-Werkzeug TruffleHog nach fest im Code hinterlegten Zugangsdaten durchsuchen. Claude übernahm dabei laut dem Bedrohungsbericht von Anthropic verschiedene Aufgaben bei der Automatisierung und Auswertung des Datenstroms. Die gesamte Pipeline lief über zehn Arbeitsserver bei Amazon Web Services parallel. Die Apps stammten sowohl aus offiziellen Stores als auch aus alternativen Marktplätzen, was auf eine breit angelegte, nicht auf einzelne Plattformen begrenzte Suche hindeutet.

Gefundene Passwörter, API-Schlüssel und Authentifizierungs-Token wurden nach Angaben des Unternehmens in Echtzeit an Telegram-Gruppen weitergeleitet, die nach mehr als hundert verschiedenen Geheimnis-Typen sortiert waren – von Cloud-Zugängen bis zu Zahlungsdienst-Schlüsseln. Wie viele der 1,8 Millionen App-Pakete tatsächlich verwertbare Zugangsdaten enthielten, macht der Bericht nicht öffentlich; unabhängig nicht verifiziert ist zudem, wie viele der gefundenen Zugangsdaten zum Zeitpunkt der Offenlegung noch gültig waren.

Bericht dokumentiert auch staatlich gelenkte Angreifer

Der App-Scan ist nur einer von mehreren Fällen im aktuellen Anthropic-Bericht, der den Zeitraum von Dezember 2025 bis August 2026 abdeckt. Die als Midnight Blizzard bekannte russische Gruppe, die auch unter der Bezeichnung APT29 geführt wird, setzte Claude demnach ein, um Teile klassischer Spionage-Angriffsketten zu automatisieren. Eine chinesischsprachige Gruppe, die Anthropic intern als GTG-10007 führt, nutzte das Modell für eigenständige Schwachstellenanalysen und die Entwicklung von Exploits gegen Sicherheitsprodukte.

Anthropic erklärt, die betroffenen Konten in allen drei Fällen gesperrt und zusätzliche Erkennungsmechanismen gegen ähnlichen Missbrauch eingeführt zu haben. Das Unternehmen habe zudem Behörden, betroffene Firmen und Partner aus der Sicherheitsbranche informiert. Wie Anthropic bereits im Sommer eingeräumt hatte, sind es nicht die ersten Sicherheitsvorfälle rund um die eigenen Modelle in diesem Jahr – damals hatten Testumgebungen selbst unbeabsichtigt Zugriff auf fremde Systeme erhalten. Der aktuelle Bericht betrifft dagegen die gezielte, vorsätzliche Nutzung durch Kriminelle und mutmaßlich staatlich gelenkte Gruppen.

Entscheidend wird, ob sich Kontosperren gegen einen derart verteilten und anonymen Missbrauch dauerhaft durchsetzen lassen, solange KI-Zugänge über offene Programmierschnittstellen und Weiterverkäufer verfügbar bleiben. Anthropic kündigt schärfere automatisierte Missbrauchserkennung an; ob sie ähnliche Kampagnen künftig vor einem millionenfachen Scan stoppt, zeigt frühestens der nächste Bedrohungsbericht.

Häufige Fragen

Wer steckt hinter dem App-Scan?

Anthropic ordnet die Kampagne einem Operator zu, der unter den Aliassen frkoo, MeowSHA und blazespider auftritt und zur finanziell motivierten Gruppe ShinyHunters zählt.

Sind eigene Zugangsdaten durch den Vorfall in Gefahr?

Betroffen sind vor allem Entwicklerinnen und Entwickler, die Passwörter oder API-Schlüssel fest im App-Code hinterlegt hatten. Wer eine App mit einer solchen Schwachstelle nutzt, sollte betroffene Zugänge vorsorglich ändern, auch wenn Anthropic keine öffentliche Liste der Apps veröffentlicht.

Was hat Anthropic gegen den Missbrauch unternommen?

Das Unternehmen sperrte die zugehörigen Konten, verschärfte die automatisierte Erkennung ähnlicher Muster und informierte nach eigenen Angaben Behörden sowie betroffene Firmen.

Betrifft der Bericht nur Claude oder auch andere KI-Modelle?

Der Bericht dokumentiert ausschließlich Missbrauchsfälle rund um Claude. Andere Sicherheitsvorfälle mit KI-Beteiligung bei Anthropic, etwa unbeabsichtigte Zugriffe während Sicherheitstests im Juli 2026, hatten andere Ursachen.

Wo lässt sich der vollständige Bericht nachlesen?

Anthropic veröffentlicht den Bedrohungsbericht als Webseite und PDF unter anthropic.com; er enthält detailliertere technische Angaben zu allen im Artikel genannten Fällen.

Quellen (2)
  1. Anthropic: Threat Intelligence Report, September 2026
  2. Bleeping Computer: Hackers abused Claude to extract secrets from 1.8M Android apps

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