Die Hackergruppe ShinyHunters hat das KI-Modell Claude von Anthropic dazu benutzt, automatisiert 1,8 Millionen Android-Apps nach fest einprogrammierten Zugangsdaten zu durchsuchen. Das geht aus dem aktuellen Bedrohungsbericht hervor, den Anthropic am 10. September 2026 veröffentlichte. Ein einzelner Operator verteilte die Angriffspipeline über zehn Cloud-Server und leitete erbeutete Passwörter in Echtzeit an Telegram-Kanäle weiter.
Automatisierte Pipeline durchsucht Millionen App-Pakete
Der Angriff begann mit dem massenhaften Herunterladen von APK-Dateien aus mehreren App-Stores. Eine Person, die unter den Decknamen frkoo, MeowSHA und blazespider auftritt und der Gruppe ShinyHunters zugerechnet wird, entpackte die Programme anschließend und ließ sie mit dem Open-Source-Werkzeug TruffleHog nach fest im Code hinterlegten Zugangsdaten durchsuchen. Claude übernahm dabei laut dem Bedrohungsbericht von Anthropic verschiedene Aufgaben bei der Automatisierung und Auswertung des Datenstroms. Die gesamte Pipeline lief über zehn Arbeitsserver bei Amazon Web Services parallel. Die Apps stammten sowohl aus offiziellen Stores als auch aus alternativen Marktplätzen, was auf eine breit angelegte, nicht auf einzelne Plattformen begrenzte Suche hindeutet.
Gefundene Passwörter, API-Schlüssel und Authentifizierungs-Token wurden nach Angaben des Unternehmens in Echtzeit an Telegram-Gruppen weitergeleitet, die nach mehr als hundert verschiedenen Geheimnis-Typen sortiert waren – von Cloud-Zugängen bis zu Zahlungsdienst-Schlüsseln. Wie viele der 1,8 Millionen App-Pakete tatsächlich verwertbare Zugangsdaten enthielten, macht der Bericht nicht öffentlich; unabhängig nicht verifiziert ist zudem, wie viele der gefundenen Zugangsdaten zum Zeitpunkt der Offenlegung noch gültig waren.
Bericht dokumentiert auch staatlich gelenkte Angreifer
Der App-Scan ist nur einer von mehreren Fällen im aktuellen Anthropic-Bericht, der den Zeitraum von Dezember 2025 bis August 2026 abdeckt. Die als Midnight Blizzard bekannte russische Gruppe, die auch unter der Bezeichnung APT29 geführt wird, setzte Claude demnach ein, um Teile klassischer Spionage-Angriffsketten zu automatisieren. Eine chinesischsprachige Gruppe, die Anthropic intern als GTG-10007 führt, nutzte das Modell für eigenständige Schwachstellenanalysen und die Entwicklung von Exploits gegen Sicherheitsprodukte.
Anthropic erklärt, die betroffenen Konten in allen drei Fällen gesperrt und zusätzliche Erkennungsmechanismen gegen ähnlichen Missbrauch eingeführt zu haben. Das Unternehmen habe zudem Behörden, betroffene Firmen und Partner aus der Sicherheitsbranche informiert. Wie Anthropic bereits im Sommer eingeräumt hatte, sind es nicht die ersten Sicherheitsvorfälle rund um die eigenen Modelle in diesem Jahr – damals hatten Testumgebungen selbst unbeabsichtigt Zugriff auf fremde Systeme erhalten. Der aktuelle Bericht betrifft dagegen die gezielte, vorsätzliche Nutzung durch Kriminelle und mutmaßlich staatlich gelenkte Gruppen.
Entscheidend wird, ob sich Kontosperren gegen einen derart verteilten und anonymen Missbrauch dauerhaft durchsetzen lassen, solange KI-Zugänge über offene Programmierschnittstellen und Weiterverkäufer verfügbar bleiben. Anthropic kündigt schärfere automatisierte Missbrauchserkennung an; ob sie ähnliche Kampagnen künftig vor einem millionenfachen Scan stoppt, zeigt frühestens der nächste Bedrohungsbericht.


