Sicherheit

Copilot-Wurm befällt Word-Dokumente – nach 144 Tagen ungepatcht

3 Min. Lesezeit
Ein Wurm frisst sich durch einen hohen Stapel Dokumente und hinterlässt ein ausgefranstes Loch; daneben ein Abreißkalender mit vielen abgerissenen Blättern und das Microsoft-Copilot-Logo Generiertes Bild mit GPT Image 2
Ein Wurm frisst sich durch einen hohen Stapel Dokumente und hinterlässt ein ausgefranstes Loch; daneben ein Abreißkalender mit vielen abgerissenen Blättern und das Microsoft-Copilot-Logo

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der Sicherheitsforscher Håkon Måløy hat eine Schwachstelle in Microsoft Copilot für Word offengelegt, die sich nach 144 Tagen Abstimmung mit Microsoft nicht vollständig schließen ließ. Versteckte Textbefehle in Dokumenten bringen Copilot dazu, Inhalte zu verändern und sich in neu erstellte Dateien zu kopieren. Microsoft verweist auf mehrschichtige Schutzmaßnahmen, eine strukturelle Lösung fehlt laut Måløy weiterhin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Håkon Måløy legte die Lücke nach 144 Tagen Abstimmung mit Microsoft offen.
  • Weißer, unsichtbarer Text lässt Copilot Word-Inhalte verändern und sich selbst kopieren.
  • Microsoft testete zwei Mitigationen, beide ließen sich mit umformulierten Prompts umgehen.
  • Der Angriff funktionierte laut Forscher zuletzt vor zwei Wochen auch mit GPT-5.6.
  • Ein realer Angriff mit dieser Methode ist bislang nicht bekannt geworden.
  • Microsoft verweist auf mehrschichtige Schutzmaßnahmen statt auf einen vollständigen technischen Fix.

Der norwegische Sicherheitsforscher Håkon Måløy hat eine Schwachstelle in Microsoft 365 Copilot für Word offengelegt, die sich wie ein Computerwurm selbst verbreitet. Versteckter Text in einem Dokument bringt Copilot dazu, Inhalte zu verändern und die Schadanweisung in neu erstellte Dateien zu kopieren. Microsoft kennt das Problem seit 144 Tagen und hat es bislang nicht vollständig geschlossen.

Weißer Text lässt Copilot Inhalte heimlich verändern

Måløy nennt die Technik Cross-Domain Prompt Injection: Angreifer verstecken Anweisungen als weißen Text auf weißem Hintergrund in einer Word-Datei. Öffnet jemand das Dokument mit Copilot, etwa um daraus einen Bericht zu erstellen, liest die KI den unsichtbaren Text als Teil des Auftrags und nicht als fremden Inhalt. In einer Demonstration änderte Copilot dabei still Finanzzahlen in einem Bericht und kopierte die versteckte Anweisung in die neu erzeugte Datei.

Diese neue Datei wird zum nächsten Überträger: Sobald jemand anderes sie in einem weiteren Copilot-Vorgang verwendet, aktiviert sich die Anweisung erneut und wandert in das nächste Dokument. Ein Angreifer muss also nur eine einzige präparierte Datei in Umlauf bringen, etwa per E-Mail-Anhang oder geteiltem Ordner.

Aus Verantwortung gegenüber betroffenen Unternehmen veröffentlichte Måløy weder den genauen Wortlaut der Schadanweisung noch ein fertiges Angriffsskript. Er begründet das damit, dass für die gesamte Schwachstellenklasse bislang keine robuste Abwehr existiert und ein vollständiges Rezept das Risiko unnötig vergrößern würde.

Zwei Mitigationsversuche scheitern in 144 Tagen

Måløy meldete den Fehler am 6. März 2026 an das Microsoft Security Response Center, das die Schwachstelle Ende März bestätigte. Ein erstes Update Anfang April schloss zunächst nur die ursprüngliche Beispiel-Anweisung, ließ sich mit umformulierten Prompts aber erneut auslösen. Microsoft bat im Juni um zusätzliche Zeit und verschob die für den 8. Juni geplante Veröffentlichung auf den 15. Juli. Auch ein Modell-Upgrade auf GPT-5.5 änderte daran laut Måløy nichts: Zwei Wochen vor der schließlich am 28. Juli erfolgten Veröffentlichung funktionierte der Angriff eigenen Tests zufolge weiterhin mit GPT-5.6.

Microsoft erklärte gegenüber CSO Online, man habe die gemeldeten Befunde adressiert und setze auf eine mehrschichtige Verteidigungsstrategie, die schädliche Anweisungen an mehreren Stellen blockieren solle. Eine vollständige technische Lösung für die zugrunde liegende Schwachstellenklasse nennt das Unternehmen nicht. Måløy hält das Problem für architektonisch bedingt und sieht es in praktisch allen promptbasierten KI-Systemen angelegt – trotz der KI-gestützten Schwachstellensuche, die Microsoft erst im Juli für Windows ausgebaut hatte.

Unternehmen mit Copilot-Workflows tragen das Risiko

Betroffen ist grundsätzlich jede Organisation, die Copilot in Word für Berichte, Verträge oder interne Richtlinien nutzt – die Angriffskette benötigt lediglich ein einziges eingeschleustes Dokument. Bislang ist der Angriff nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Sicherheitsmedien ein reiner Machbarkeitsnachweis, ein realer Vorfall in freier Wildbahn ist nicht bekannt. Microsoft rät, aktuelle Updates einzuspielen, mehrere Schutzebenen zu kombinieren, Dokumente unbekannter Herkunft mit Vorsicht zu behandeln und von Copilot erzeugte Inhalte vor der Weitergabe zu prüfen.

Es ist bereits der dritte Teil seiner Serie “Context Collapse”: Im ersten Teil zeigte Måløy Gedächtnis-Manipulation in Copilot, im zweiten unter der Kennung CVE-2026-55145 Prompt-Injection über E-Mail-Texte in Outlook Copilot, wofür Microsoft inzwischen wirksamere Schutzmaßnahmen fand. Bei der jetzigen Word-Variante gelang das bislang nicht. Die Serie zeigt ein wiederkehrendes Muster: Copilot unterscheidet in seinen bisherigen Versionen kaum zwischen vertrauenswürdigen Nutzeranweisungen und Text, der aus fremden Dateien oder Nachrichten stammt.

Offen bleibt, ob sich Cross-Domain Prompt Injection technisch vollständig verhindern lässt, solange Assistenten wie Copilot jeden Text in einem Dokument gleichermaßen als möglichen Befehl lesen. Bis eine strukturelle Lösung vorliegt, verlagert sich die Verantwortung faktisch auf Unternehmen, die ihre Dokumenten-Workflows selbst absichern müssen.

Häufige Fragen

Wurde der Copilot-Wurm bereits für echte Angriffe genutzt?

Nein, bislang gilt der Angriff laut mehreren Sicherheitsmedien als reiner Machbarkeitsnachweis. Ein realer Vorfall in freier Wildbahn wurde bisher nicht gemeldet.

Welche Copilot-Version ist betroffen?

Microsoft 365 Copilot für Word ist betroffen. Måløy reproduzierte den Angriff kurz vor der Veröffentlichung auch mit dem Modell GPT-5.6.

Was empfiehlt Microsoft Unternehmen jetzt?

Microsoft rät, aktuelle Updates einzuspielen, mehrere Schutzebenen zu kombinieren, Dokumente unbekannter Herkunft mit Vorsicht zu behandeln und KI-generierte Inhalte vor der Weitergabe zu prüfen.

Warum konnte Microsoft die Lücke nicht vollständig schließen?

Måløy hält das Problem für architektonisch bedingt: Copilot unterscheidet demnach kaum zwischen vertrauenswürdigen Nutzeranweisungen und Text aus fremden Dokumenten.

Was ist Cross-Domain Prompt Injection?

Dabei schleusen Angreifer versteckte Anweisungen in Inhalte ein, die eine KI verarbeitet, etwa in Dokumenten, E-Mails oder Webseiten, sodass das System sie fälschlich als legitimen Auftrag ausführt.

Quellen

  1. Context Collapse, Part 3 – AI Worming through Word (Håkon Måløy)
  2. Copilot worm can spread through Microsoft Word docs (CSO Online)

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