Das Singapurer KI-Video-Start-up PixVerse hat seine Serie-C-Finanzierung auf insgesamt 439 Millionen Dollar aufgestockt, wie TechCrunch berichtet. Die Bewertung des Unternehmens steigt damit erstmals über zwei Milliarden Dollar. Neu an Bord ist der chinesische Technologiekonzern Alibaba, der die Erweiterungsrunde gemeinsam mit mehreren asiatischen Investoren zeichnet.
Alibaba finanziert die Aufstockung der Serie C
PixVerse hatte seine Serie C im März 2026 zunächst mit rund 300 Millionen Dollar unter Führung von CDH Investments abgeschlossen und damit erstmals Unicorn-Status erreicht. Die jetzige Erweiterungsrunde bringt das Gesamtvolumen auf 439 Millionen Dollar, wie auch DealStreetAsia unter Berufung auf eigene Recherchen bestätigt. Neben Alibaba beteiligen sich die Fonds Lollapalooza Capital, Ivy Capital, Grand Mount Capital, Eastern Bell Capital, Mirae Asset, BlueFocus und CloudAlpha an der Aufstockung. Die bestehenden Investoren iGlobe Partners und die zu OCBC gehörende LionX Ventures erhöhen ihre Anteile. Den genauen Umfang der neuen Tranche nennt keine der beiden Quellen. Zwischen der ursprünglichen Serie A im März 2025 und der aktuellen Runde hat PixVerse damit binnen etwas mehr als einem Jahr vier Finanzierungsrunden abgeschlossen. Die neue Bewertung von über zwei Milliarden Dollar macht das Unternehmen zu einem der höchstbewerteten reinen KI-Videounternehmen Asiens. Zählt man beide Berichte zusammen, stehen mittlerweile mehr als zehn institutionelle Geldgeber hinter PixVerse, ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem ursprünglichen Investorenkreis der Serie C.
PixVerse wächst auf über 150 Millionen Nutzer
PixVerse wurde 2023 in Singapur von Wang Changhu und Jaden Xie gegründet. Wang war zuvor bei ByteDance im Bereich Computer Vision tätig, Xie kommt aus dem Investmentgeschäft. Das rund 150 Mitarbeitende zählende Unternehmen beschäftigt Teams in Singapur, Peking und Shanghai. Mehr als 150 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer verwenden inzwischen die Plattform, davon sind etwa 15 Millionen monatlich aktiv. Das Angebot reicht von der consumerorientierten V-Serie bis zur für professionelle Film- und Werbeproduktion gedachten C-Serie. Hinzu kommt die R-Serie, mit der PixVerse sogenannte Weltmodelle für die Spieleentwicklung anbietet. Mitgründer Xie führt den Vorsprung gegenüber Konkurrenten weniger auf die Menge der Trainingsdaten zurück als auf deren Aufbereitung. Entscheidend sei, wie Daten gelabelt würden, da Rohdaten inzwischen breit verfügbar seien. Das aktuelle Modell V5.6 rangiere nach Angaben von PixVerse beim Bewertungsdienst Artificial Analysis weltweit auf Platz zwei sowohl bei Text-zu-Video- als auch bei Bild-zu-Video-Umwandlungen. Unternehmenskunden berichteten demnach zudem von rund 68 Prozent niedrigeren Kosten und 57 Prozent kürzeren Produktionszeiten gegenüber klassischen Videoverfahren.
Frisches Kapital fließt in neue Modelle und Expansion
Das Unternehmen will das neue Kapital nach eigenen Angaben in ein aktualisiertes V-Serie-Modell, eine überarbeitete Version seiner Weltmodelle sowie in den Ausbau des Enterprise-Geschäfts investieren. Zusätzliche Forschende und Vertriebsteams sollen eingestellt werden, um Kundschaft außerhalb Asiens zu gewinnen, etwa in Nordamerika. PixVerse konkurriert damit direkt mit etablierten Anbietern wie Runway, Luma und Kling AI sowie mit ByteDances Videomodell Seedance. Der Markt für KI-generierte Videos gilt als eines der kapitalintensivsten Segmente der Branche, weil Training und Bereitstellung der Modelle hohe Rechenleistung erfordern. Mit den Weltmodellen der R-Serie positioniert sich PixVerse zusätzlich in einem jüngeren Teilmarkt. Dort sollen interaktive, in Echtzeit erzeugte Umgebungen für Computerspiele entstehen – ein Feld, in dem auch mehrere von bekannten KI-Forschenden gegründete Start-ups aktiv sind. Mit Serie A und Serie B hatte PixVerse zuvor bereits rund 115 Millionen Dollar eingesammelt. Das Gesamtvolumen aller bisherigen Runden liegt damit bei mehr als 550 Millionen Dollar. Ein Großteil davon floss nach Unternehmensangaben bislang in Recheninfrastruktur und den Aufbau der Forschungsteams in den drei Standorten.
Entscheidend wird, ob PixVerse sein Nutzerwachstum in zahlende Enterprise-Kundschaft übersetzen kann, während Runway, Luma und ByteDance ähnliche Modelle anbieten. Offen bleibt zudem, wie tragfähig das Geschäft mit interaktiven Weltmodellen ist, da dieser Teilmarkt noch am Anfang steht. Ein nächster Schritt ist die angekündigte neue V-Serie, mit der das Start-up seinen Vorsprung bei Bild- und Videoqualität verteidigen will.


