Was Reuters berichtet
Meta will laut einem Reuters-Exklusivbericht im September 2026 mit der Serienfertigung einer neuen Generation eigener KI-Chips beginnen. Grundlage der Berichterstattung ist ein internes Memo, das der Nachrichtenagentur laut einer Reuters-Zweitveröffentlichung vorlag. Die Reporter Katie Paul, Max A. Cherney und Stephen Nellis zeichnen darin ein Bild eines Konzerns, der seine Abhängigkeit von Nvidia- und AMD-Grafikchips systematisch verringern will. Meta selbst lehnte laut den Berichten eine Stellungnahme zu den Details des Memos ab.
Auch TechCrunch und The Next Web bestätigten die Kernaussagen unabhängig voneinander: Ein erster Chip der neuen Generation habe rund sechs Wochen Testphase ohne größere Probleme durchlaufen, sodass dem Produktionsstart im September nichts mehr im Wege stehe.
Der Zeitplan bis 2027
Nach den Angaben aus dem Memo will Meta seine weltweite Rechenkapazität von rund 7 Gigawatt im Jahr 2026 auf etwa 14 Gigawatt im Jahr 2027 verdoppeln. Die neuen, selbst entwickelten Chips sollen dabei einen wachsenden Anteil der Trainings- und Inferenz-Lasten übernehmen, die bislang überwiegend auf gekauften Nvidia- und AMD-Grafikprozessoren laufen.
Für die Fertigung arbeitet Meta laut den Berichten mit dem Chipdesigner Broadcom zusammen; produziert werden die Halbleiter beim taiwanischen Auftragsfertiger TSMC. Zulieferverträge bestehen demnach zusätzlich mit Samsung Electronics für Arbeitsspeicher, mit SanDisk für Flash-Speicher und mit Sumitomo Electric für Glasfasertechnik im Rechenzentrumsnetzwerk.
Ein in mehreren Sekundärberichten kursierender interner Codename für den neuen Chip lässt sich über die als verlässlich eingestuften Quellen nicht bestätigen und wird hier deshalb bewusst nicht übernommen.
Technische Hintergründe: Metas MTIA-Roadmap
Die neuen Chips sind Teil der hauseigenen Serie “Meta Training and Inference Accelerator” (MTIA), die Meta seit 2023 entwickelt. Wie Meta im eigenen Unternehmensblog darlegt, hat der Konzern binnen zwei Jahren vier weitere MTIA-Generationen vorgestellt, intern als 300, 400, 450 und 500 bezeichnet. Die Generation MTIA 300 laufe demnach bereits produktiv für Ranking- und Empfehlungsalgorithmen, MTIA 400 habe die Labortests abgeschlossen, während die für generative Bild- und Videoanwendungen optimierten Generationen 450 und 500 laut Meta erst 2027 in die Massenfertigung gehen sollen.
Zwischen den Generationen 300 und 500 steige die Bandbreite des Arbeitsspeichers (HBM) um das 4,5-Fache, die Rechenleistung in Gleitkommaoperationen um das 25-Fache, so das Unternehmen. Meta beschreibt seine Chipstrategie im Blog mit drei Prinzipien: schnelle iterative Entwicklungszyklen, ein “Inference-first”-Ansatz und eine native Anbindung an Industriestandards wie PyTorch. Ziel sei es, künftig etwa alle sechs Monate eine neue Chip-Generation auszuliefern – nach Einschätzung mehrerer Fachmedien ein deutlich schnellerer Takt als in der übrigen Halbleiterbranche üblich.
Ergänzend berichtete Meta bereits im März 2026 über den Ausbau seiner eigenen Chip-Fertigung im Kontext milliardenschwerer Zusatzverträge mit AMD und weiteren Partnern.
Warum eigene Chips? Die Kostenlogik hinter der Strategie
Der Hintergrund der Strategie ist wirtschaftlicher Natur. Laut dem Memo, das Reuters vorlag, sei die Umstellung auf jeweils neueste Nvidia-Grafikchips für ein Unternehmen der Größe Metas aufwendig gewesen und habe Zeit gekostet. Jede Rechenlast, die künftig auf eigens entwickelten Chips statt auf zugekauften Nvidia- oder AMD-Grafikprozessoren läuft, reduziert nach dieser Logik die Abhängigkeit von den Margen der Chiphersteller.
Der finanzielle Rahmen dahinter ist beträchtlich: Meta plant für 2026 laut den Berichten Investitionen von bis zu 145 Milliarden US-Dollar in seine KI-Infrastruktur. Nach Einschätzung mehrerer Analysten, die in den Berichten zu Wort kommen, dürften die gesamten KI-Infrastrukturausgaben der großen Technologiekonzerne 2026 zusammengerechnet über 700 Milliarden US-Dollar liegen – eine Größenordnung, die unabhängig nicht abschließend verifiziert werden konnte und als Branchenschätzung zu verstehen ist.
Einordnung: ein branchenweiter Trend
Meta ist mit dieser Strategie nicht allein. Auch OpenAI, Anthropic, Amazon und Google entwickeln eigene KI-Beschleuniger, um langfristig weniger von Nvidias Grafikchips abhängig zu sein. Für Meta kommt die Investition in eigene Chips zu einem Zeitpunkt, an dem der Konzern laut Yahoo Finance im Mai 2026 rund 8.000 Stellen strich – vor allem in den Bereichen Integrity, Cybersicherheit, Content-Design und Reality Labs, während KI-Infrastruktur- und Foundation-Model-Teams von den Kürzungen ausgenommen blieben. Bei einem internen Town Hall Anfang Juli soll Zuckerberg zugleich eingeräumt haben, dass sich die Entwicklung von KI-Agenten in den vergangenen Monaten nicht so beschleunigt habe wie erhofft. Ob die neue Chip-Generation die erhoffte Kostensenkung tatsächlich bringt, lässt sich erst beurteilen, wenn die Serienfertigung im September beginnt und erste unabhängige Auswertungen der Leistungsdaten vorliegen.


