Stellenanzeigen für Softwareentwickler in den USA sind seit Februar 2025 um knapp 15 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt für Stellenanzeigen im selben Zeitraum um sieben Prozent schrumpfte. Das zeigt eine Auswertung des Indeed Hiring Lab vom 8. Juli. Der Zeitpunkt fällt mit dem Start von Anthropics Programmierwerkzeug Claude Code im Februar 2025 zusammen.
Entwickler-Stellenanzeigen erholen sich stärker als der Gesamtmarkt
Die Analyse vergleicht den Indeed-eigenen Stellenanzeigen-Index vor und nach dem Claude-Code-Start. Während der Index für alle US-Stellenanzeigen zusammen auf rund 93 Punkte fiel, stieg der Teilindex für Softwareentwickler-Stellen auf etwa 114,6 Punkte. Das entspricht einem Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Ausgangswert von Ende Februar 2025.
Vergleichbare Bewegungen registrierte das Indeed Hiring Lab auch außerhalb der USA: In Kanada, Großbritannien und Australien legten Entwickler-Stellenanzeigen im gleichen Zeitraum ähnlich zu. Damit handelt es sich laut der Auswertung nicht um einen rein amerikanischen Einzeleffekt, sondern um ein Muster, das sich über mehrere englischsprachige Arbeitsmärkte zieht.
Die Erholung bleibt jedoch begrenzt: Trotz des Anstiegs liegen die Entwickler-Stellenanzeigen weiterhin rund 27,5 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Der Zuwachs markiert also eher eine Trendwende als eine vollständige Rückkehr zum früheren Beschäftigungsniveau. Als Ausgangspunkt für die Berechnung dient jeweils die Woche des Claude-Code-Starts Ende Februar 2025, die das Hiring Lab auf den Indexwert 100 setzt.
Senior-Rollen und KI-Stellentitel treiben den Zuwachs
Ein Großteil des Anstiegs verteilt sich ungleich auf verschiedene Erfahrungsstufen. Rund 71 Prozent des Zuwachses entfallen demnach auf Positionen für erfahrene Fachkräfte, während Einstiegspositionen für Berufsanfänger deutlich schwächer zulegen (unabhängig nicht verifiziert). Etwa 37 Prozent der neuen Anzeigen tragen zudem explizit KI-bezogene Stellentitel, etwa für Rollen rund um agentische Programmierwerkzeuge oder KI-gestützte Entwicklungsprozesse.
Für Berufseinsteiger bedeutet das: Der Arbeitsmarkt für Softwareentwicklung erholt sich zwar insgesamt, doch der Zugang bleibt ungleich verteilt. Wer bereits Erfahrung mitbringt, profitiert stärker als jemand, der gerade erst in den Beruf einsteigt.
Claude Code ist ein agentisches Kommandozeilen-Werkzeug von Anthropic, das Programmieraufgaben selbstständig plant, Code schreibt und testet, statt nur einzelne Vorschläge zu liefern. Das Hiring Lab ordnet Berufe seit Längerem danach ein, wie stark ihre Tätigkeiten mit den Fähigkeiten generativer KI überschneiden – Softwareentwicklung zählt dabei zu den am stärksten betroffenen Berufsfeldern. Genau diese Einordnung nutzt die aktuelle Auswertung, um den Zusammenhang zwischen KI-Exposition und Erholungstempo einzelner Berufsgruppen sichtbar zu machen.
Ökonomen mahnen zur Vorsicht bei der Deutung
Ökonom Guillermo Gallacher vom Indeed Hiring Lab beschreibt den zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Claude-Code-Start und der Trendwende als einen Zufall, der sich nicht ignorieren lasse. Der Anstieg lasse sich jedoch nicht vollständig durch das einzelne Werkzeug erklären, räumt die Auswertung selbst ein. Belastbare Kausalbelege fehlten bislang, da sich Effekte einzelner Werkzeuge kaum von allgemeinen Konjunkturbewegungen und saisonalen Schwankungen im US-Arbeitsmarkt trennen ließen.
Gallacher weist zugleich auf ein breiteres Muster hin: Je stärker ein Beruf gegenüber KI exponiert sei, desto stärker falle im Schnitt auch dessen Erholung aus. Berufe mit hoher KI-Exposition waren allerdings schon seit 2022 stärker eingebrochen als andere – also bereits vor dem Aufkommen von ChatGPT. Als Gründe nennt das Hiring Lab unter anderem gestiegene Zinsen und das Ende der pandemiebedingten Einstellungswelle. Der aktuelle Anstieg lässt sich damit ebenso als Nachholeffekt nach diesem Einbruch lesen wie als direkte Folge neuer Programmierwerkzeuge. Beide Erklärungen schließen sich laut der Auswertung nicht gegenseitig aus.
Entscheidend wird, ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, wenn agentische KI-Werkzeuge über die Softwareentwicklung hinaus in weitere Berufsfelder vordringen. Erst zukünftige Auswertungen des Indeed Hiring Lab dürften zeigen, ob sich das Muster als dauerhafte Verschiebung oder als vorübergehende Erholung nach dem Einbruch der vergangenen Jahre erweist.


