KI-Wirtschaft

Claude Code: US-Softwarejobs wachsen um 15 Prozent

3 Min. Lesezeit
Softwareentwicklerin sitzt vor mehreren Monitoren mit Code und einem Balkendiagramm zu Stellenanzeigen Generiertes Bild mit GPT Image 2
Softwareentwicklerin sitzt vor mehreren Monitoren mit Code und einem Balkendiagramm zu Stellenanzeigen

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der US-Stellenmarkt für Softwareentwickler wuchs seit Februar 2025 um knapp 15 Prozent, während die Zahl aller Stellenanzeigen im Land um sieben Prozent zurückging. Das geht aus einer neuen Untersuchung des Indeed Hiring Lab hervor. Ökonom Guillermo Gallacher hält den zeitlichen Zusammenhang mit Anthropics Programmierwerkzeug Claude Code für auffällig, aber nicht für bewiesen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Indeed-Index für Softwareentwickler-Stellen kletterte binnen eines Jahres auf gut 114 Punkte, der Gesamtindex fiel auf rund 93.
  • Ökonom Guillermo Gallacher vom Indeed Hiring Lab nennt den zeitlichen Zusammenhang mit Claude Code auffällig, aber nicht beweisend.
  • Senior-Positionen sollen laut Sekundäranalysen rund 71 Prozent des Zuwachses ausmachen, KI-bezogene Stellentitel etwa 37 Prozent.
  • Entwickler-Stellenanzeigen liegen trotz der Erholung weiterhin rund 27,5 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau.
  • Ähnliche Zuwächse zeigen sich auch in Kanada, Großbritannien und Australien.
  • Berufe mit hoher KI-Exposition erholten sich im Schnitt stärker, waren zuvor aber auch stärker eingebrochen.

Stellenanzeigen für Softwareentwickler in den USA sind seit Februar 2025 um knapp 15 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt für Stellenanzeigen im selben Zeitraum um sieben Prozent schrumpfte. Das zeigt eine Auswertung des Indeed Hiring Lab vom 8. Juli. Der Zeitpunkt fällt mit dem Start von Anthropics Programmierwerkzeug Claude Code im Februar 2025 zusammen.

Entwickler-Stellenanzeigen erholen sich stärker als der Gesamtmarkt

Die Analyse vergleicht den Indeed-eigenen Stellenanzeigen-Index vor und nach dem Claude-Code-Start. Während der Index für alle US-Stellenanzeigen zusammen auf rund 93 Punkte fiel, stieg der Teilindex für Softwareentwickler-Stellen auf etwa 114,6 Punkte. Das entspricht einem Plus von knapp 15 Prozent gegenüber dem Ausgangswert von Ende Februar 2025.

Vergleichbare Bewegungen registrierte das Indeed Hiring Lab auch außerhalb der USA: In Kanada, Großbritannien und Australien legten Entwickler-Stellenanzeigen im gleichen Zeitraum ähnlich zu. Damit handelt es sich laut der Auswertung nicht um einen rein amerikanischen Einzeleffekt, sondern um ein Muster, das sich über mehrere englischsprachige Arbeitsmärkte zieht.

Die Erholung bleibt jedoch begrenzt: Trotz des Anstiegs liegen die Entwickler-Stellenanzeigen weiterhin rund 27,5 Prozent unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Der Zuwachs markiert also eher eine Trendwende als eine vollständige Rückkehr zum früheren Beschäftigungsniveau. Als Ausgangspunkt für die Berechnung dient jeweils die Woche des Claude-Code-Starts Ende Februar 2025, die das Hiring Lab auf den Indexwert 100 setzt.

Senior-Rollen und KI-Stellentitel treiben den Zuwachs

Ein Großteil des Anstiegs verteilt sich ungleich auf verschiedene Erfahrungsstufen. Rund 71 Prozent des Zuwachses entfallen demnach auf Positionen für erfahrene Fachkräfte, während Einstiegspositionen für Berufsanfänger deutlich schwächer zulegen (unabhängig nicht verifiziert). Etwa 37 Prozent der neuen Anzeigen tragen zudem explizit KI-bezogene Stellentitel, etwa für Rollen rund um agentische Programmierwerkzeuge oder KI-gestützte Entwicklungsprozesse.

Für Berufseinsteiger bedeutet das: Der Arbeitsmarkt für Softwareentwicklung erholt sich zwar insgesamt, doch der Zugang bleibt ungleich verteilt. Wer bereits Erfahrung mitbringt, profitiert stärker als jemand, der gerade erst in den Beruf einsteigt.

Claude Code ist ein agentisches Kommandozeilen-Werkzeug von Anthropic, das Programmieraufgaben selbstständig plant, Code schreibt und testet, statt nur einzelne Vorschläge zu liefern. Das Hiring Lab ordnet Berufe seit Längerem danach ein, wie stark ihre Tätigkeiten mit den Fähigkeiten generativer KI überschneiden – Softwareentwicklung zählt dabei zu den am stärksten betroffenen Berufsfeldern. Genau diese Einordnung nutzt die aktuelle Auswertung, um den Zusammenhang zwischen KI-Exposition und Erholungstempo einzelner Berufsgruppen sichtbar zu machen.

Ökonomen mahnen zur Vorsicht bei der Deutung

Ökonom Guillermo Gallacher vom Indeed Hiring Lab beschreibt den zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Claude-Code-Start und der Trendwende als einen Zufall, der sich nicht ignorieren lasse. Der Anstieg lasse sich jedoch nicht vollständig durch das einzelne Werkzeug erklären, räumt die Auswertung selbst ein. Belastbare Kausalbelege fehlten bislang, da sich Effekte einzelner Werkzeuge kaum von allgemeinen Konjunkturbewegungen und saisonalen Schwankungen im US-Arbeitsmarkt trennen ließen.

Gallacher weist zugleich auf ein breiteres Muster hin: Je stärker ein Beruf gegenüber KI exponiert sei, desto stärker falle im Schnitt auch dessen Erholung aus. Berufe mit hoher KI-Exposition waren allerdings schon seit 2022 stärker eingebrochen als andere – also bereits vor dem Aufkommen von ChatGPT. Als Gründe nennt das Hiring Lab unter anderem gestiegene Zinsen und das Ende der pandemiebedingten Einstellungswelle. Der aktuelle Anstieg lässt sich damit ebenso als Nachholeffekt nach diesem Einbruch lesen wie als direkte Folge neuer Programmierwerkzeuge. Beide Erklärungen schließen sich laut der Auswertung nicht gegenseitig aus.

Entscheidend wird, ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, wenn agentische KI-Werkzeuge über die Softwareentwicklung hinaus in weitere Berufsfelder vordringen. Erst zukünftige Auswertungen des Indeed Hiring Lab dürften zeigen, ob sich das Muster als dauerhafte Verschiebung oder als vorübergehende Erholung nach dem Einbruch der vergangenen Jahre erweist.

Häufige Fragen

Was zeigt die Indeed-Auswertung konkret?

Sie stellt die Entwicklung von Stellenanzeigen für Softwareentwickler dem gesamten US-Stellenmarkt seit Anfang 2025 gegenüber. Der Teilindex für Entwicklerjobs legte klar zu, während der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum an Boden verlor.

Beweist die Studie, dass Claude Code die Erholung auslöst?

Nein. Das Indeed Hiring Lab selbst schreibt, der Anstieg lasse sich nicht allein durch Claude Code erklären. Der zeitliche Zusammenhang mit agentischen Programmierwerkzeugen wird als bemerkenswert, aber nicht als Beweis eingestuft.

Wie stark sind Entwickler-Stellen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie?

Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Anzeigen für Softwareentwickler noch etwa 27,5 Prozent unter dem Niveau von vor der Pandemie.

Betrifft der Trend nur die USA?

Nein. Nach Angaben des Indeed Hiring Lab zeigen sich vergleichbare Zuwächse auch in Kanada, Großbritannien und Australien.

Profitieren auch Berufseinsteiger von der Erholung?

Weniger stark. Ein Großteil des Zuwachses entfällt auf Senior-Positionen, während Einstiegsjobs für Entwickler weiterhin unter Druck stehen.


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