Google hat in Accra sein erstes Applied AI Lab für Afrika eröffnet und nimmt bis zum 31. August 2026 Bewerbungen von Start-ups und Forschenden entgegen. Ausgewählte Teams erhalten frühen Zugang zu Googles KI-Modellen, technische Betreuung und Kontakte zu Wagniskapitalgebern. Das Programm soll marktreife KI-Produkte für afrikanische Herausforderungen hervorbringen.
Labor öffnet für Gründerinnen und Forschende
Das Labor ist am AI Community Centre in Accra angesiedelt, das Google bereits 2019 als Forschungsstandort in Ghana aufgebaut hatte. Anders als das reine Forschungszentrum richtet sich das neue Programm gezielt an Gründerinnen und Gründer sowie leitende Forschende, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen. Bewerben können sich Teams aller Finanzierungsphasen von der Vorgründung bis zur Serie C, wobei Google bereits finanzierte Start-ups mit nachweisbarer Marktresonanz bevorzugt behandelt. Ein Mitgründer-Team ist keine Zulassungsvoraussetzung, die Zusammensetzung des Teams fließt aber in die Bewertung ein.
Wer aufgenommen wird, erhält frühzeitigen Zugriff auf Googles KI-Modelle Gemini, Gemma und Veo sowie technische Beratung durch Google Research. Hinzu kommen Unterstützung beim Markteintritt und die Vermittlung an die Wagniskapitalgeber 4DX Ventures, Norrsken22, Novastar Ventures und Ventures Platform. Über den Google AI Futures Fund ist zudem eine mögliche Anschlussfinanzierung vorgesehen. Das Programm läuft von Mitte September bis Anfang Dezember 2026 und endet mit einem öffentlichen Demo Day am Standort in Accra.
Teil eines größeren Investitionspakets für den Kontinent
Google kündigte das Labor am 1. Juli 2026 auf dem ersten Google-Cloud-Gipfel für Afrika in Johannesburg an, zusammen mit vier weiteren Vorhaben unter dem Motto „Building for Africa”. Dazu zählen ein neuer Anschlusspunkt für das Unterseekabel Umoja in der Ostkap-Provinz, der Afrika direkt mit Australien und über eine neue Route mit Indien verbindet. Außerdem stellte Google mehr als eine Million Dollar für kreative KI-Bildung mit der Akuna Group bereit. Hinzu kommen ein Digital-Innovationszentrum in Soweto und ein Accelerator-Programm für 15 südafrikanische Start-ups, das noch im Juli 2026 startet.
Nach eigenen Angaben hat Google sein früheres Fünfjahresversprechen von einer Milliarde Dollar Investitionen in Afrika inzwischen übertroffen und will bis 2028 insgesamt 50 afrikanische Start-ups fördern. Der Konzern wolle afrikanischen Unternehmerinnen und Unternehmern helfen, wettbewerbsfähige KI-Produkte für internationale Märkte zu entwickeln, erklärte Google-Forschungschef James Manyika laut TechBuild Africa. Zu der Ankündigung in Johannesburg kamen nach Angaben des Konzerns rund 3.000 Führungskräfte und Entwicklerinnen aus der gesamten Region zusammen.
Wettbewerb um afrikanische KI-Talente wächst
Inhaltlich sollen die geförderten Projekte in fünf Themenfeldern ansetzen: Arbeit, Wissensvermittlung, Softwareentwicklung, Kreativität und Unterhaltung. Google verlangt von den Teilnehmenden, seine KI-Modelle spürbar in ihre Produkte einzubauen, schließt eine zusätzliche Nutzung anderer Anbieter aber nicht grundsätzlich aus. Die Teilnahme am abschließenden Demo Day vor Ort in Accra ist verpflichtend, die laufende Betreuung soll auch danach fortgesetzt werden. Über die konkrete Anzahl der aufgenommenen Teams macht Google bislang keine Angabe.
Das Applied AI Lab reiht sich in eine wachsende Konkurrenz großer Cloud-Anbieter um afrikanische KI-Talente ein. Laut BusinessTechAfrica hat Google seit 2019 kontinuierlich in den Ausbau seines Forschungsstandorts in Accra investiert, ehe die Kommerzialisierung nun in den Vordergrund rückt. Wie viele Bewerbungen Google für den ersten Jahrgang erwartet, ist bislang nicht bekannt – unabhängig verifiziert sind auch die genannten Investitionssummen bislang nicht. Zum Vergleich betreiben auch Microsoft und Amazon eigene Cloud-Regionen und Ausbildungsprogramme in Afrika, wenn auch bislang ohne vergleichbares Kommerzialisierungslabor.
Entscheidend wird, wie viele der geförderten Teams nach dem Demo Day im Dezember tatsächlich Anschlussfinanzierung jenseits von Google finden. Bis zur Bekanntgabe der ausgewählten Teams im September bleibt zudem offen, wie stark das Programm auf einzelne Länder wie Ghana, Kenia oder Nigeria ausgerichtet sein wird.


