KI-Praxis

OpenAI-Studie: Fachfremde KI-Nutzung steigt auf 25,9 Prozent

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

OpenAIs Economic-Research-Team hat am 16. September 2026 eine neue Studie veröffentlicht: Bei 6.200 beobachteten Beschäftigten wuchs der Anteil fachfremder Aufgaben an ihrer ChatGPT-Nutzung zwischen April und Juli 2026 auf 25,9 Prozent. Ein Teil dieser Aufgaben etabliert sich demnach dauerhaft im Arbeitsalltag, ohne dass sich Jobtitel oder Verträge ändern.

Eine Büroperson jongliert gleichzeitig mit einem Kundenservice-Headset, Stift und Lineal, einem Taschenrechner und einem Aktenordner, während über ihrem Kopf eine Chat-Sprechblase schwebt Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • OpenAI beobachtete 6.200 Beschäftigte vier Monate lang anhand von über 1,5 Millionen ChatGPT-Arbeitsnachrichten.
  • Fachfremde KI-Nutzung stieg zwischen April und Juli 2026 auf 25,9 Prozent der berufsbezogenen Aktivität.
  • Nur rund ein Viertel der einmal ausprobierten fachfremden Aufgaben taucht einen Monat später erneut auf.
  • Kundenkommunikation und Werbetexte blieben laut OpenAI besonders häufig hängen, Rechtsrecherche deutlich seltener.
  • Die Juli-Vorgängerstudie fand bei Kundenservice, Design und Personalwesen Anteile zwischen 69 und 77 Prozent.
  • Kleine Unternehmen zeigten mit 18,9 Prozent einen höheren fachfremden Aufgabenanteil als große mit 16,3 Prozent.

OpenAI hat am 16. September 2026 eine neue Studie seines Economic-Research-Teams veröffentlicht: Beschäftigte nutzen ChatGPT laut eigenen, unabhängig nicht verifizierten Daten immer häufiger für Aufgaben außerhalb ihrer Berufsrolle. Der Anteil stieg zwischen April und Juli 2026 auf 25,9 Prozent. Ein wachsender Teil davon wird zur festen Gewohnheit im Arbeitsalltag.

Studie wertet anderthalb Millionen Arbeitsnachrichten aus

Für die Untersuchung analysierte OpenAI mehr als 1,5 Millionen arbeitsbezogene ChatGPT-Nachrichten aus dem Zeitraum April bis Juli 2026 und verfolgte dabei rund 6.200 Beschäftigte durchgehend über die vier Monate hinweg. Die Nutzer gaben ihre Berufsbezeichnung selbst im Konto an, ein Abgleich mit realen Stellenprofilen oder Personalakten fand nicht statt.

Es handelt sich um die zweite Ausgabe der Reihe „Work at the Frontier”: Die erste Studie vom Juli 2026 hatte anhand von rund 800.000 Nachrichten aus acht Berufsfeldern ermittelt, dass etwa 43,5 Prozent der berufsspezifischen Anfragen Aufgaben außerhalb der eigentlichen Zuständigkeit betrafen. Die neue Auswertung setzt genau hier an: Statt einer Momentaufnahme verfolgt sie dieselben Beschäftigten über mehrere Monate.

So will OpenAI von der reinen Nutzungshäufigkeit zu einem belastbareren Bild darüber kommen, wie sich Arbeitsinhalte über Zeit tatsächlich verschieben. Die Erhebung reiht sich damit in eine breitere Debatte darüber ein, ob generative KI bestehende Berufsbilder schrittweise verändert, ohne dass dafür neue Stellenbezeichnungen oder offizielle Tätigkeitsprofile entstehen.

Fachfremde Aufgaben werden für viele zur Gewohnheit

Der zentrale Befund: Griff jemand in einem Monat zu einer fachfremden Aufgabe, kehrte er im Folgemonat in 23,6 Prozent der Fälle zu genau dieser Aufgabe zurück – bei vergleichbaren Beschäftigten ohne vorherige Nutzung waren es nur 8,4 Prozent. Umgekehrt heißt das auch: Rund drei Viertel der einmal ausprobierten fachfremden Aufgaben tauchen einen Monat später nicht mehr auf und bleiben Experiment statt Routine.

Als Beispiele für Aufgaben, die besonders häufig hängen blieben, nennt OpenAI das Verfassen von Werbetexten und Kundenkommunikation, die Fehlersuche in Computerprogrammen, das Berechnen von Finanzkennzahlen sowie das Erklären von Vorschriften und Regularien. Spezialisierte Tätigkeiten wie Rechtsrecherche etablierten sich dagegen seltener dauerhaft.

Den zugrundeliegenden Mechanismus beschreibt OpenAI als eine Art Testphase: Eine Person probiert eine fachfremde Aktivität einmal aus, findet sie hilfreich und greift in den Folgemonaten gezielt wieder darauf zurück, bis die Aufgabe faktisch zum eigenen Zuständigkeitsbereich gehört. Stellenprofile können sich so allmählich verschieben, noch bevor Jobtitel oder Verträge formal angepasst werden.

Kundenservice und Design zeigten die größte Verschiebung

Die Vorgängerstudie vom Juli hatte laut einer Auswertung von Built In bereits gezeigt, welche Berufsgruppen besonders oft über ihre eigentliche Rolle hinausgreifen: Bei Kundenservice-Mitarbeitenden betraf dies 77 Prozent der berufsspezifischen Nachrichten, bei Design-Tätigkeiten 75 Prozent, im Personalwesen 69 Prozent, in Rechtsabteilungen 56 Prozent und im Marketing 53 Prozent.

Kleinere Unternehmen mit zwei bis fünf Beschäftigten kamen dabei auf einen Anteil fachfremder Aufgaben von 18,9 Prozent aller Nachrichten, große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten nur auf 16,3 Prozent – ein Hinweis darauf, dass in kleinen Teams eher fachfremd mitgeholfen wird.

OpenAI schränkt selbst ein, dass Enterprise-Kunden nicht in der Stichprobe enthalten sind, die acht erfassten Berufsfelder nicht die gesamte US-Erwerbsbevölkerung abbilden und sich aus reiner Nachrichtenzahl weder Produktivität noch tatsächliche Beschäftigungseffekte ableiten lassen. Wie stark sich ähnliche Muster außerhalb der USA oder bei anderen KI-Werkzeugen wie ChatGPT Work zeigen, bleibt offen.

Entscheidend wird, ob Unternehmen diese schleichende Ausweitung von Zuständigkeiten in Stellenbeschreibungen, Weiterbildung und Vergütung nachvollziehen – oder ob Beschäftigte fachfremde Zusatzaufgaben faktisch unbezahlt und unsichtbar übernehmen. OpenAI kündigt weitere Ausgaben der Studienreihe an, ohne einen konkreten Termin für die nächste Erhebung zu nennen.

Häufige Fragen

Was ist mit „fachfremden Aufgaben“ (im Original: Task Crossover) gemeint?

Damit sind ChatGPT-Nachrichten gemeint, die inhaltlich zu einem anderen Beruf passen als dem selbst angegebenen der nutzenden Person – etwa wenn jemand aus dem Vertrieb KI für Marketingtexte einsetzt.

Wie hat OpenAI die Daten erhoben, und welche Einschränkungen gibt es?

OpenAI wertete anonymisierte, arbeitsbezogene ChatGPT-Nachrichten von US-Geschäftskunden über mehrere Monate aus. Enterprise-Kunden fehlen in der Stichprobe, und die Berufsangaben stammen von den Nutzenden selbst.

Welche Berufsgruppen sind laut der Studienreihe am stärksten betroffen?

In der Juli-Erhebung lagen Kundenservice, Design und Personalwesen mit Anteilen zwischen 69 und 77 Prozent vorn, während Recht und Marketing im mittleren Bereich folgten.

Bedeutet das, dass KI Arbeitsplätze abbaut?

Die Studie belegt laut OpenAI ausdrücklich keinen Beschäftigungseffekt, sondern nur eine Verschiebung der ausgeführten Aufgaben innerhalb bestehender Jobs.

Gibt es vergleichbare Daten für Deutschland oder Europa?

Nein, OpenAI veröffentlichte bislang nur Daten zu US-amerikanischen Geschäftskunden; Angaben zu Deutschland oder Europa liegen nicht vor.

Quellen (4)
  1. How workers are unlocking new ways of working (OpenAI)
  2. How AI is expanding what people do at work (OpenAI, Juli 2026)
  3. OpenAI Task Crossover Study: How AI Is Changing Jobs (Built In)
  4. OpenAI says it has proof its tools are making workers more productive (TechRadar)

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