Salesforce hat am 15. September 2026 zusammen mit Nvidia ein eigenes CRM-Modell namens Koa vorgestellt. Es soll komplexe Kundenanfragen im hauseigenen Agentenprogramm Agentforce lösen, ohne dass Firmendaten das eigene System verlassen. Nach Salesforces eigenen, unabhängig nicht verifizierten Angaben unterlaufen dem Modell bei typischen CRM-Aufgaben dreimal weniger Fehler als bisher genutzten Modellen.
Koa lernt aus 27 Jahren CRM-Erfahrung
Koa entstand durch Nachtraining von Nvidias offenem Nemotron-3-Modell mit einem eigens erstellten synthetischen Datensatz. Dieser bildet nach Unternehmensangaben Erfahrungswissen aus 27 Jahren CRM-Einsatz in mehr als vierzehn Branchen ab, von der Fertigung über Finanzdienstleistungen bis zur Reisebranche. Echte Kundendaten flossen laut Salesforce nicht ins Training ein, stattdessen kamen überwachtes Feintuning und bestärkendes Lernen mit der Methode Group Relative Policy Optimization zum Einsatz.
Das Modell soll Agenten dabei helfen, mehrstufige Arbeitsabläufe wie das Aktualisieren eines Verkaufsvorgangs, das Weiterleiten eines Supportfalls oder das Ansetzen eines Folgetermins eigenständig durchzuarbeiten. Salesforce-Chef Marc Benioff betont, das Wissen stecke direkt im Modell selbst und laufe vollständig innerhalb der eigenen Vertrauensgrenze des Kunden – ein Argument, das vor allem regulierte Branchen wie Banken oder Kliniken ansprechen dürfte. Koa ist dabei nicht das einzige Modell in Agentforce: Erst im August hatte Salesforce mit Claudeforce eine engere Anbindung an Anthropics Claude gestartet. Die Software leitet Aufgaben je nach Anforderung automatisch an das passende Modell weiter, Koa tritt damit als hauseigene, günstigere Alternative zu Claude oder ChatGPT für CRM-Routineaufgaben an.
Pilotkunden testen Koa vor dem Start im Winter
Ausgewählte Kunden setzen Koa bereits testweise ein, darunter der Formel-1-Rennsport, die Kreditgenossenschaft Baxter Credit Union sowie der Buchhaltungsdienst 1-800Accountant. Die allgemeine Verfügbarkeit plant Salesforce für den Winter 2026 – zunächst ausschließlich in den USA. Eine Variante für Behörden und regulierte Organisationen namens Missionforce Operations läuft in den USA bereits, dort sollen ab Oktober 2026 ausgewählte Kunden ebenfalls Zugriff auf nachtrainierte Nvidia-Modelle erhalten. Ob und wann Koa auch in Deutschland oder der EU startet, ließ Salesforce bislang offen.
Eine eigene Preisliste für Koa nannte Salesforce nicht. Der Zugang läuft über die bestehende Agentforce-Abrechnung per Flex-Credits, bei der ein Firmenkonto Guthabenpakete kauft und jede einzelne Agentenaktion Credits verbraucht – nach bisherigem Modell umgerechnet rund zehn US-Cent pro Aktion. Welches Modell dabei im Hintergrund arbeitet, entscheidet ein internes Vermittlungssystem automatisch je nach Aufgabe, Kundinnen und Kunden müssen Koa also nicht separat auswählen. Ergänzend verweist Nvidia-Chef Jensen Huang auf den wirtschaftlichen Vorteil kleinerer, spezialisierter Modelle: Jedes Unternehmen brauche nützliche, auf sein eigenes Wissen zugeschnittene KI, statt für jede Aufgabe ein teures Allzweckmodell einzukaufen.
Ankündigung fällt in hitzige Sicherheitsdebatte der Branche
Die Vorstellung erfolgte auf derselben Dreamforce-Konferenz in San Francisco, auf der sich Nvidia-Chef Huang und Anthropic-Chef Dario Amodei öffentlich über das richtige Entwicklungstempo der Branche stritten, wie beckmann.ai berichtete. Während dort um Regulierung und Sicherheitsstandards gerungen wurde, zeigte Salesforce mit Koa parallel, wie Softwarekonzerne zunehmend eigene, kleinere KI-Modelle statt der großen Systeme von OpenAI oder Anthropic für konkrete Geschäftsaufgaben einsetzen. Für Vertriebs- und Serviceteams bedeutet das im Alltag: Anfragen sollen künftig schneller bearbeitet werden, ohne dass sensible Kundendaten das eigene Salesforce-System in Richtung eines fremden KI-Anbieters verlassen.
Offen bleibt, ob sich der von Salesforce beschrittene Weg – teure Allzweckmodelle externer Anbieter durch günstigere, aufgabenspezifisch trainierte Modelle zu ersetzen – branchenweit durchsetzt. Sollte Koa die angekündigten Fehlerquoten in der Praxis halten, dürften weitere Softwarehersteller mit eigenen Fachmodellen nachziehen, statt sich dauerhaft auf die Rechenleistung der großen KI-Labore zu verlassen. Ein erster Test folgt mit der für Winter 2026 angekündigten US-Verfügbarkeit, bevor sich zeigt, wie schnell Salesforce das Modell auch außerhalb der USA anbietet.


