Google schaltet mit Gmail Live, Docs Live und Keep Live neue Sprachfunktionen frei: Wer ein kostenpflichtiges Google-AI-Abo hat, diktiert E-Mails, Dokumente und Notizen ab sofort per gesprochenem Befehl statt zu tippen. Der Rollout läuft seit dieser Woche, verfügbar ist die Sprachsteuerung aber vorerst nur auf Englisch.
Gmail, Docs und Keep bekommen eigene Sprachfunktionen
Die drei Funktionen basieren auf Googles Sprach-KI Gemini und funktionieren unterschiedlich, wie Google in einem eigenen Blogbeitrag mitteilt. Gmail Live beantwortet gesprochene Fragen zum eigenen Postfach, etwa nach einer Lieferadresse aus einer alten E-Mail, und liest die passende Antwort direkt vor. Docs Live hört beim lauten Nachdenken zu und baut daraus einen strukturierten Dokumentenentwurf. Mit Erlaubnis bezieht die Funktion dafür auch Informationen aus Gmail, Drive und dem Web ein. Keep Live wandelt spontan gesprochene Gedanken in geordnete Listen und Notizen um, etwa eine Einkaufs- oder Aufgabenliste.
Damit erweitert Google, was Gemini bereits in Meet-Besprechungen für Protokolle leistet, nun auch auf Postfach, Textverarbeitung und Notiz-App. Alle drei Dienste starten laut Google zunächst als Beta und sollen in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden. Getestet wurden die Funktionen laut Berichten bereits seit dem Frühjahr, bevor der Rollout in der ersten Septemberwoche begann. Bislang sind ausschließlich die mobilen Apps betroffen, ein Zugriff am Computer ist nicht vorgesehen.
So verändert sich der Arbeitsalltag
Ein Beispiel aus dem Büroalltag: Eine Sachbearbeiterin sucht kurz vor Feierabend die Lieferantenadresse aus einer E-Mail von vergangener Woche. Statt den Posteingang zu durchsuchen, tippt sie auf das neue Live-Symbol in der Gmail-Suche und fragt auf Englisch nach der Adresse aus der Nachricht. Gemini findet die passende E-Mail und nennt die Adresse direkt, ohne dass sie geöffnet werden muss. Genauso lässt sich ein Ergebnisprotokoll noch im Meetingraum diktieren oder eine Einkaufsliste einsprechen, während beide Hände gerade anderweitig gebraucht werden. Wer stattdessen ein Meeting nachbereitet, spricht die offenen Punkte einfach in Keep und erhält direkt eine geordnete Aufgabenliste.
So lässt sich die neue Sprachsteuerung ausprobieren:
- Bestehendes Google-AI-Abo prüfen oder mindestens die Stufe Plus abschließen.
- Die Kontosprache in den Google-Einstellungen auf Englisch umstellen, da bislang nur diese Sprache funktioniert.
- In der Gmail- oder Keep-App auf das neue Live-Symbol tippen.
- Frage, Diktat oder Gedanken einfach aussprechen und die Antwort oder Notiz von Gemini prüfen.
Der Zugang kostet Geld, Deutsch fehlt noch
Gmail Live und Keep Live gehören zum Abo Google AI Plus. Es kostet in Deutschland seit einer Preissenkung im Juni 2026 rund 4,99 Euro im Monat. Docs Live zum Diktieren ganzer Dokumente setzt das teurere Google AI Pro für rund 20 Euro im Monat voraus. Ein kostenloses Google-Konto reicht für keine der drei Funktionen. Gmail Live und Docs Live laufen auf Android und iOS, Keep Live bislang nur auf Android; ein Zugang über den Webbrowser fehlt noch. Geschäftskonten mit Google Workspace sollen die Funktionen laut Google zu einem späteren, noch nicht genannten Zeitpunkt erhalten.
Die größte Einschränkung bleibt die Sprache: Alle drei Funktionen laufen ausschließlich auf Englisch. Ähnlich läuft schon Googles Diktierfunktion für den Mac ohne deutsche Spracheingabe. Einen Termin für eine deutsche Version nennt Google bislang nicht, wie auch heise online bestätigt. Damit setzt sich ein Muster fort: Auch andere neue Gemini-Funktionen wie die Chat-Kommandozeile oder Sheets Canvas starteten zuerst auf Englisch, bevor Google weitere Sprachen nachreichte.
Entscheidend wird, ob Google die Sprachfunktionen zügig auf Deutsch nachliefert. Ohne lokale Sprache bleibt der Nutzen für die meisten deutschsprachigen Büros vorerst auf Kolleginnen und Kollegen mit sicherem Englisch beschränkt. Wer dienstliche Postfächer oder Dokumente per Sprache bedient, sollte vorher klären, ob die eigenen Datenschutzregeln das laute Diktieren sensibler Firmen- oder Kundendaten am Arbeitsplatz zulassen.


