Google verknüpft seine Schreib-KI Gemini in Google Docs direkt mit der Recherche-Plattform Gemini Notebook. Seit dem 23. September 2026 lässt sich per @-Befehl ein bestehendes Notizbuch als Quelle einbinden, Gemini setzt dabei anklickbare Belege in den Text. Zugang haben vorerst nur zahlende Workspace- und Google-AI-Tarife.
Ein @-Zeichen verbindet Recherche und Textentwurf
Wer in der Seitenleiste oder der unteren Eingabezeile von Google Docs das Zeichen @ tippt, kann ab sofort ein bestehendes Gemini Notebook auswählen. Gemini stützt seine Textvorschläge dann auf die dort gesammelten Quellen und fügt anklickbare Verweise ein, über die sich die Originalstelle jederzeit nachprüfen lässt. Laut der Ankündigung im Google-Workspace-Blog eignet sich das etwa für Projektvorschläge oder technische Whitepaper, bei denen vorab recherchiertes Material in einen fertigen Text münden soll. Der Fachdienst Android Authority beschreibt den Schritt als Schließung der bisherigen Lücke zwischen Recherche in Notizbüchern und dem eigentlichen Schreiben in Docs.
Die Funktion reiht sich in eine Serie von Erweiterungen ein, mit denen Google die KI Gemini enger an Google Docs bindet. Erst im September ließ sich Gemini bereits aus einem Dokument heraus direkt E-Mails verschicken, zuvor kamen automatische Diagramme und mehrsprachiges Schreiben hinzu. Mit dem Notizbuch-Zugriff schließt Google nun die Lücke zwischen Recherche und fertigem Text innerhalb eines einzigen Arbeitsablaufs.
Zugriff bleibt an bezahlte Tarife und Freischaltung gebunden
Die Funktion steht ausschließlich zahlenden Tarifen offen: Workspace Business und Enterprise jeweils in den Stufen Standard und Plus, Workspace Education in der Stufe Plus sowie den Privat-Abos Google AI Pro und Ultra. Zusätzlich benötigen Bildungseinrichtungen die Zusatzpakete Google AI Pro for Education oder Teaching and Learning, in Unternehmen genügt alternativ der Zusatz AI Expanded Access. Kostenlose Google-Konten bleiben außen vor.
Vor der Nutzung müssen Administratorinnen und Administratoren Gemini für Workspace in Google Drive über die Admin-Konsole freischalten, einzelne Nutzerinnen und Nutzer benötigen zudem aktivierte Workspace-Smart-Features. Der Rollout läuft laut Google bereits vollständig sowohl in Rapid-Release- als auch in Scheduled-Release-Domains seit dem 23. September 2026, zusätzliche Wartezeit entfällt damit für berechtigte Konten. Eine Beschränkung auf einzelne Länder oder Sprachen nennt Google nicht, wer einen passenden Tarif und die Freischaltung hat, sollte die Funktion also auch in Deutschland und der übrigen EU nutzen können. Ob die Oberfläche dabei vollständig auf Deutsch läuft, lässt sich der Ankündigung nicht entnehmen.
Umbenennung von NotebookLM ebnet den Ausbau
Die Grundlage bildet der Namenswechsel von NotebookLM zu Gemini Notebook, den Google-Manager Josh Woodward am 16. Juli 2026 verkündete. Google zählt nach eigenen, unabhängig nicht verifizierten Angaben mehr als 30 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sowie über 600.000 Organisationen, die die Recherche-Plattform einsetzen. Am Funktionsumfang selbst änderte die Umbenennung wenig, dafür rückte das Werkzeug sichtbarer in Googles KI-Ökosystem: Notizbücher lassen sich inzwischen auch aus der Gemini-App heraus öffnen, eine Anbindung an den KI-Modus der Google-Suche ist angekündigt.
Kurz zuvor hatte Google Notebook bereits um den Zugriff auf mehr als 100.000 gekaufte E-Books erweitert und damit gezeigt, dass die Plattform zunehmend als zentrale Wissensquelle für andere Google-Produkte dient. Die neue Docs-Anbindung setzt diese Linie fort, indem sie das gesammelte Material direkt in den Schreibprozess einspeist, statt es nur durchsuchbar zu machen. Gemini Notebook kann zudem seit Juli 2026 für zahlende Ultra- und Workspace-Kundschaft eigenständig Code in einer gesicherten Cloud-Umgebung ausführen, um Daten aus den hinterlegten Quellen auszuwerten. Für Pro-Nutzerinnen und -Nutzer im Web soll diese Funktion in den kommenden Wochen folgen.
Entscheidend wird, ob Google die Notizbuch-Anbindung auch kostenlosen Konten öffnet oder dauerhaft an bezahlte Tarife knüpft, wie es bei den meisten bisherigen Gemini-Erweiterungen in Docs der Fall war. Offen bleibt zudem, ob Wettbewerber wie Microsoft mit einer vergleichbaren Quellenanbindung zwischen Copilot Notebooks und Word nachziehen – solange das nicht geschieht, bleibt es ein direkter Vorteil für Google.


