Block, das Zahlungsunternehmen von Jack Dorsey, hat am 21. Juli 2026 die Chat-Software Buzz veröffentlicht. Anders als bei Slack oder Microsoft Teams erhalten KI-Agenten darin eigene kryptografische Identitäten und arbeiten als gleichberechtigte Kanalmitglieder statt nur auf Befehle zu antworten. Die Software ist kostenlos und quelloffen.
Agenten erhalten eigene digitale Identität
Buzz bündelt Kanäle, Threads, Direktnachrichten, Sprachanrufe, Mediendateien und Code-Repositories in einer gemeinsamen Umgebung. Grundlage ist das dezentrale Protokoll Nostr. Es weist jedem Teilnehmer – Mensch wie Agent – eine eigene, plattformunabhängige kryptografische Identität zu. Diese Identität bleibt auch bestehen, wenn ein Team später den Anbieter wechselt.
KI-Agenten erhalten laut Block klar definierte Berechtigungen. Darüber können sie kontrolliert auf Datenbanken, CRM-Systeme, Codebasen und Dateisysteme zugreifen. Sie gelten damit als eigenständige Kanalmitglieder und nicht als reagierende Zusatzfunktion, die nur einzelne Befehle beantwortet. Nutzerinnen und Nutzer sollen so erkennen können, welcher Agent mit welchen Rechten in einem Kanal aktiv ist.
Die Frage nach kontrolliertem Agentenzugriff beschäftigt derzeit viele Unternehmen. Erst am Vortag hatte der Speicheranbieter Box eigene Zugriffsregeln für KI-Agenten vorgestellt. Eine Umfrage des Unternehmens hatte Sicherheitsbedenken zuvor als größte Hürde für den Agenten-Einsatz benannt. Buzz verfolgt einen anderen Ansatz: Statt nachträglicher Kontrollen bringt die Software Identität und Rechteverwaltung von Beginn an mit.
Kostenlose App läuft auf drei Betriebssystemen
Die Desktop-Anwendung steht ab sofort für macOS, Windows und Linux bereit. Der Quellcode liegt unter der offenen Apache-2.0-Lizenz auf GitHub. Teams können Buzz auf eigener Infrastruktur selbst betreiben. Alternativ nutzen sie über die Website buzz.xyz einen von Block verwalteten Dienst. Eine Beschränkung auf bestimmte Länder oder Regionen ist nicht bekannt: Download und Anmeldung funktionieren auch aus Deutschland und der übrigen EU.
Die Plattform ist bewusst modell- und agent-agnostisch aufgebaut. Sie unterstützt laut Block unter anderem Anthropics Claude Code, OpenAIs Coding-Agenten Codex sowie Blocks eigenen Agenten Goose. Unternehmen sollen dadurch nicht an einen einzelnen KI-Anbieter gebunden sein. Stattdessen lassen sich verschiedene Modelle innerhalb derselben Kanäle kombinieren, etwa ein Coding-Agent für Pull Requests neben einem Assistenten für Kundenanfragen.
Für kostenpflichtige Tarife des gehosteten Dienstes nennt Block bislang keine Preise. Offen bleibt daher, ob und ab welchem Team-Umfang buzz.xyz künftig kostenpflichtige Stufen einführt. Wer eigene Serverkapazitäten mitbringt, zahlt für die Basisfunktionen ohnehin nichts, da der gesamte Quellcode frei zugänglich ist.
Blocks KI-Chef sieht Weichenstellung für die Branche
Bemerkenswert an der Einführung: Die eigene Ankündigung entstand direkt in einem Buzz-Kanal, in dem das Team gemeinsam mit mehreren Agenten am Text arbeitete. Bradley Axen, bei Block für KI-Fähigkeiten zuständig, bringt die Motivation auf den Punkt: Jedes Unternehmen werde künftig einen Ort brauchen, an dem Menschen und Agenten zusammenarbeiten. Die entscheidende Frage sei, ob dieser Ort proprietär oder offen sei.
Buzz tritt dabei nicht in ein leeres Feld. Wie TechCrunch berichtet, hatte der Entwickler Georgios Konstantopoulos kurz zuvor mit Centaur ein ähnliches quelloffenes Produkt vorgestellt und sehe weiterhin viel Verbesserungsbedarf bei Agenten, die bislang in Slack eingebunden sind. Buzz selbst stecke demnach noch in einem frühen Entwicklungsstadium, ein vollständiger Umzug bestehender Teams gelte deshalb als verfrüht.
Ob sich Buzz gegen etablierte Werkzeuge durchsetzt, hängt vor allem davon ab, ob Unternehmen bereit sind, Agenten dieselben Zugriffsrechte wie menschlichen Kolleginnen und Kollegen einzuräumen. Entscheidend wird zudem, ob Teams dafür ein offenes Protokoll einem geschlossenen System vorziehen. Als Nächstes plant Block eine tiefere Git-Integration, über die Open-Source-Communities direkt in Buzz an Code arbeiten sollen.


