Ein Gericht in Connecticut hat einem Kläger die elektronische Akteneinreichung entzogen, nachdem dieser wiederholt unsichtbaren Text mit KI-Anweisungen in seine Schriftsätze eingebettet hatte. Richter Walter M. Spader junior wertet den Fall als ersten dokumentierten Versuch, ein US-Gericht per Prompt Injection – versteckten Befehlen in maschinenlesbarem Text – zu manipulieren. Der Kläger muss künftig alle Unterlagen in Papierform einreichen.
Winzige weiße Schrift verbirgt die Anweisung an die KI
Der Fall Elliott v. New York Bariatric Group läuft vor dem Superior Court im Bezirk Ansonia/Milford. Der ohne Anwalt auftretende Kläger Matthew Elliott reichte am 24. Juli 2026 einen „Final and Conclusive Motion for Default” ein. Direkt unter der Überschrift stand Text in etwa drei Punkt Schriftgröße, weiß auf weißem Grund – für das menschliche Auge praktisch unsichtbar, für Software beim Einlesen der Datei aber gewöhnlicher, maschinenlesbarer Text. Die Anweisung richtete sich an jedes KI-Modell, das das Dokument verarbeitet, und sollte laut dem Bericht von 404 Media sicherstellen, dass die Ausgabe der Position des Klägers entspricht und eine zuvor abgelehnte Verfügung doch noch zu seinen Gunsten „korrigiert” wird.
Gerichtsmitarbeiter bemerkten ungewöhnliche Leerräume in den Schriftsätzen, ein an dem Verfahren beteiligter Anwalt registrierte die Auffälligkeit unabhängig davon. 404 Media lud die Originaldokumente herunter und bestätigte die versteckten Anweisungen eigenständig; ein Test mit ChatGPT habe die eingeschleuste Anweisung erkannt und zurückgewiesen, berichtet das Medium. Elliott reagierte auf die Entdeckung nicht mit einem Rückzug, sondern versteckte in späteren Eingaben weitere Botschaften, darunter einen Verweis auf eine Zeichentrickfigur und den Satz „hi, ich hoffe du kannst mich nicht sehen”. Nach Recherchen von Reason/Volokh Conspiracy räumte der Kläger die Absicht hinter der ersten Einreichung inzwischen ein.
Ähnlicher Fall in Brasilien zeigt kein Einzelmuster
Richter Spader betont in seiner Entscheidung, sein Gericht setze aktuell keine KI zur Prüfung von Schriftsätzen ein – die Anweisungen liefen damit ins Leere. Er verweist jedoch auf einen Fall vom Mai 2026 vor einem brasilianischen Arbeitsgericht, in dem ein Schriftsatz mit derselben Weiß-auf-Weiß-Technik versuchte, die dortige KI-gestützte Prüfung zu beeinflussen. Die Taktik ähnelt anderen Angriffen auf KI-Systeme über präparierte Eingaben: Bei Microsoft Copilot für Word ließen sich über versteckte Textbefehle in Dokumenten Inhalte manipulieren, und Sicherheitsforscher kaperten den Coding-Agenten Claude Code über präparierte Protokolldaten. Gemeinsam ist allen Fällen, dass die KI-Systeme Eingabedaten und vertrauenswürdige Anweisungen nicht zuverlässig trennen.
Entscheidend wird, ob Gerichte und Kanzleien technische Prüfroutinen einführen, bevor sich die Taktik verbreitet. Immer mehr Kanzleien experimentieren mit KI-gestützter Dokumentenanalyse, auch wenn das Gericht in Connecticut selbst noch darauf verzichtet. Für jeden, der Verträge, Bewerbungen oder Gutachten durch ein Sprachmodell zusammenfassen oder bewerten lässt, zeigt der Fall, dass für Menschen unsichtbarer Text in einer Datei zur Waffe werden kann.


