Starcloud ist ein 2024 gegründetes US-Start-up, das Rechenzentren direkt im Erdorbit bauen will. Die Idee: Server-Satelliten mit eigenen Solarpaneelen sollen KI-Rechenlast dort verarbeiten, wo Sonnenenergie rund um die Uhr verfügbar ist und Abwärme frei ins Vakuum abgestrahlt werden kann. Dieser Guide erklärt Konzept, Firmengeschichte, bisherige Meilensteine und die geplanten nächsten Schritte – das Stand-Datum oben zeigt die letzte Überarbeitung.
Das Konzept: Solarenergie und Kühlung ohne Erdatmosphäre
Starcloud wirbt mit einem einfachen Argument: Ein Satellit in der richtigen Umlaufbahn sieht praktisch permanent die Sonne, benötigt also weder Batteriespeicher noch ein Stromnetz. Gleichzeitig lässt sich Abwärme im Vakuum direkt als Strahlung abgeben, ohne Kühltürme oder Wasser. Nach eigenen Angaben des Unternehmens sinken dadurch die Energiekosten pro Rechenoperation um bis zu neunzig Prozent gegenüber einem vergleichbaren Rechenzentrum am Boden. Hinzu komme, dass Genehmigungsverfahren für Grundstücke, Netzanschlüsse und Kühlwasser im Orbit entfallen, was die Inbetriebnahme neuer Kapazität beschleunigen soll. Diese Rechnung ist eine Eigenangabe des Unternehmens und hängt stark von den Startkosten der jeweiligen Trägerrakete ab.
Von Lumen Orbit zu Starcloud: Gründung und Finanzierung
Gegründet wurde das Unternehmen im Januar 2024 in El Segundo, Kalifornien, zunächst unter dem Namen Lumen Orbit. Die drei Gründer bringen einschlägige Erfahrung mit: CEO Philip Johnston kommt von McKinsey mit Satellitenprojekten, CTO Ezra Feilden forschte zehn Jahre an Satellitenmaterialien, und Chief Engineer Adi Oltean arbeitete zuvor als Principal Engineer am Starlink-Tracking bei SpaceX sowie zwanzig Jahre an GPU-Clustern bei Microsoft. Im März 2025 benannte sich das Unternehmen wegen einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Telekommunikationskonzern Lumen Technologies in Starcloud um. Die Finanzierung wuchs in mehreren Schritten: einem Seed von rund zehn Millionen Dollar über den Y-Combinator-Accelerator im Sommer 2024 folgte im März 2025 eine Anschlussrunde von etwa 24 Millionen Dollar mit Sequoia, Andreessen Horowitz, In-Q-Tel und NFX als Investoren. Im März 2026 sammelte Starcloud in einer von Benchmark und EQT Ventures angeführten Serie A 170 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,1 Milliarden Dollar ein – nur siebzehn Monate nach dem Y-Combinator-Demo-Day, einer der schnellsten Wege zum Einhorn-Status in der Branche.
Starcloud-1 bringt erstmals eine moderne KI-GPU ins All
Im November 2025 startete der Satellit Starcloud-1, ein rund sechzig Kilogramm schweres Gerät von der Größe eines kleinen Kühlschranks. An Bord arbeitet eine Nvidia-H100-Grafikkarte, nach Unternehmensangaben die erste Rechenzentrums-GPU dieser Generation im Orbit und rund hundertmal leistungsfähiger als frühere Weltraum-Rechenhardware. Im Dezember 2025 meldete Starcloud, erstmals ein KI-Modell im Orbit betrieben zu haben: Der Satellit führte Inferenz mit Googles offenem Sprachmodell Gemma aus und trainierte zusätzlich das kleine Modell nanoGPT des früheren OpenAI-Forschers Andrej Karpathy direkt an Bord. Parallel wertete Starcloud-1 Radardaten des Erdbeobachtungsunternehmens Capella Space aus, um zu zeigen, dass sich auch praxisnahe Rechenlast im Orbit verarbeiten lässt.
Crusoe-Partnerschaft und Pläne für eine Riesenkonstellation
Bereits im Oktober 2025 kündigte der Cloud-Anbieter Crusoe eine Partnerschaft mit Starcloud an, um als erster Betreiber öffentlich zugänglicher Cloud-Kapazität im All aufzutreten. Ein gemeinsamer Satellit mit Crusoe-Cloud-Modul soll Ende 2026 starten, begrenzte GPU-Kapazität für Kunden ist ab Anfang 2027 angekündigt. Für den Nachfolger Starcloud-2 nennt das Unternehmen Nvidia-Blackwell-Beschleuniger sowie Serverkomponenten von AWS, während ein größeres Fahrzeug namens Starcloud-3 mit rund 200 Kilowatt Leistung für Starts mit SpaceX’ Starship-Rakete ausgelegt sein soll. Im Februar 2026 reichte Starcloud bei der US-Regulierungsbehörde FCC einen Antrag für eine Konstellation von bis zu 88.000 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn ein, mit dem Ziel, langfristig gemeinsam bis zu fünf Gigawatt Rechenleistung bereitzustellen. Diese Größenordnung ist eine Planungsangabe aus dem Genehmigungsantrag und liegt weit über der bislang tatsächlich gestarteten Hardware. Wichtig zur Einordnung: Starcloud ist kein SpaceX-Tochterunternehmen, sondern ein unabhängiges, unter anderem von Nvidia unterstütztes Start-up – auch wenn beide Firmen ähnliche Konzepte verfolgen und Starcloud nach eigenen Angaben auf SpaceX-Trägerraketen setzt.
Offen bleibt, ob Starcloud sein eigenes Ziel erreicht, wonach vor allem Starcloud-3 kostenkonkurrenzfähig zu Rechenzentren am Boden werden soll. CEO Philip Johnston hat öffentlich eingeräumt, dass diese Wirtschaftlichkeit von häufigen, günstigen Starship-Starts abhängt – gelinge das nicht, wolle Starcloud kleinere Satelliten weiter mit der etablierten Falcon-9-Rakete starten.

