Forschung

Soofi S: Deutsches Konsortium veröffentlicht offenes KI-Modell

3 Min. Lesezeit
Vier-Panel-Diagramm zur Trainingsdynamik von Soofi S über 27 Billionen Token: Lernrate, Sprachmodell-Verlust, Gradientennorm und Durchsatz. Quelle: Soofi-Team, technischer Bericht (arXiv 2607.09424, CC BY 4.0). Generiertes Bild mit GPT Image 2
Vier-Panel-Diagramm zur Trainingsdynamik von Soofi S über 27 Billionen Token: Lernrate, Sprachmodell-Verlust, Gradientennorm und Durchsatz. Quelle: Soofi-Team, technischer Bericht (arXiv 2607.09424, CC BY 4.0).

TL;DR Too Long; Didn’t read

Ein deutscher Forschungsverbund hat Soofi S veröffentlicht, ein offenes Sprachmodell mit 31,6 Milliarden Parametern für Deutsch und Englisch. Trainiert wurde es auf der Industrial-AI-Cloud der Deutschen Telekom in München, gefördert mit rund 20 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium. Die Entwickler melden Bestwerte unter offenen Modellen in kombinierten Deutsch-Englisch-Benchmarks, unabhängig geprüft sind diese Werte bislang nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • 31,6 Milliarden Parameter, aber nur 3,2 Milliarden pro Anfrage aktiv dank Mixture-of-Experts-Architektur.
  • Training auf 512 Nvidia-B200-Grafikprozessoren in der Münchner Telekom-Cloud, rund 253.000 GPU-Stunden Rechenzeit.
  • 27 Billionen Trainings-Token, Deutschanteil in Phase zwei auf 15,3 Prozent erhöht.
  • Bundesförderung von rund 20 Millionen Euro über das Programm IPCEI-CIS.
  • Konsortium meldet Bestwerte unter offenen Modellen gegenüber Apertus 70B und Olmo 3 32B.

Ein deutsches Forschungskonsortium hat mit Soofi S ein offenes Sprachmodell veröffentlicht, das gezielt für Deutsch und Englisch trainiert wurde. Das Modell mit 31,6 Milliarden Parametern soll nach Angaben der Entwickler die offenen Modelle Apertus 70B und Olmo 3 32B bei kombinierten Benchmarks übertreffen.

Konsortium trainiert Modell auf Telekom-Infrastruktur in München

Soofi S basiert auf einer hybriden Architektur aus Mamba-2-Schichten und einem Mixture-of-Experts-Ansatz, der nur einen Teil des Netzwerks pro Anfrage aktiviert. Von den 31,6 Milliarden Parametern sind nur 3,2 Milliarden pro Token aktiv, was die Recheneffizienz gegenüber klassischen dichten Modellen deutlich erhöht. Das Modell verarbeitet Kontexte von bis zu 256.000 Token.

Das Training lief laut dem technischen Bericht des Soofi-Projekts von März bis Mai 2026 auf bis zu 512 Nvidia-B200-Grafikprozessoren der Industrial-AI-Cloud der Deutschen Telekom in München und verbrauchte rund 253.000 GPU-Stunden. Die Anlage arbeitet mit Ökostrom und nutzt Wasser aus dem Eisbach zur Kühlung. Insgesamt verarbeitete Soofi S etwa 27 Billionen Token in drei Phasen. Der Deutschanteil stieg dabei von 7,2 Prozent in der ersten auf 15,3 Prozent in der zweiten Phase – deutlich mehr als der bei internationalen Modellen übliche Anteil von rund fünf Prozent für alle Sprachen außer Englisch.

Sankey-Diagramm zur Token-Zusammensetzung von Soofi S über die drei Trainingsphasen, mit steigendem Deutschanteil auf 15,3 Prozent in Phase zwei. Quelle: Soofi-Team, technischer Bericht (arXiv 2607.09424, CC BY 4.0).

Koordiniert wird das Vorhaben vom KI Bundesverband. Beteiligt sind unter anderem die Fraunhofer-Institute IAIS und IIS, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sowie die Hochschulen TU Darmstadt, Universität Würzburg und das L3S Research Center der Leibniz Universität Hannover. Hinzu kommen die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie die Unternehmen ellamind und Merantix Momentum. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt mit rund 20 Millionen Euro über das europäische Programm IPCEI-CIS.

Benchmarks zeigen Vorsprung bei deutschen Sprachaufgaben

Unter den als offen eingestuften Modellen erreicht Soofi S laut den Projektangaben in kombinierten Deutsch-Englisch-Benchmarks die Spitzenposition. Bei Programmieraufgaben im Test HumanEval erzielt das Modell 73,8 Prozent, beim deutschsprachigen Pendant MBPP-DE 84,2 Prozent. Im Wissenstest INCLUDE-DE, der Multiple-Choice-Fragen aus mehreren Fachgebieten auf Deutsch prüft, erreicht es 61,2 Prozent. Beim logischen Schlussfolgern über Alltags- und Naturwissenschaftsfragen in ARC-Challenge-DE liegt der Wert bei 92,3 Prozent. Diese Zahlen stammen aus der eigenen Auswertung des Konsortiums und sind unabhängig nicht verifiziert.

Diagramm zu Kapazitätsindex und Rechendurchsatz von Soofi S 30B-A3B im Vergleich zu offenen Modellen wie Apertus 70B und Olmo 3 32B. Quelle: Soofi-Team, technischer Bericht (arXiv 2607.09424, CC BY 4.0).

In der Gesamtleistung erreicht Soofi S damit ein Niveau, das dichten Modellen mit 14 bis 27 Milliarden Parametern entspricht. Bei 40.000 Token Kontextlänge liefert es zugleich einen acht- bis neunfach höheren Durchsatz als vergleichbare dichte Modelle. Schwächen zeigt das Modell laut technischem Bericht bei deutscher Wettbewerbsmathematik sowie bei der Extraktion einzelner Wörter aus Texten jenseits von 32.000 Token. Zwischenstände des Trainings sowie das Basismodell stehen auf der Plattform Hugging Face zur Verfügung, eine instruktionsoptimierte Version soll folgen.

Projektpartner sehen Beitrag zu digitaler Souveränität Europas

Das Team um Kristian Kersting an der TU Darmstadt steuerte unter anderem eine KI-gestützte Pipeline zur Prüfung der Trainingsdaten sowie ein Modul für logisches Schlussfolgern bei. Jörg Bienert vom KI Bundesverband ordnet das Projekt strategisch ein: „Wer die Basismodelle kontrolliert, kontrolliert einen zentralen Teil der künftigen digitalen Wertschöpfung.” Auch das L3S Research Center betont die Bedeutung unabhängiger europäischer KI-Systeme, da der Zugang zu leistungsfähigen ausländischen Modellen nicht dauerhaft gesichert sei.

Das Vorhaben reiht sich neben Modelle wie das Schweizer Apertus und das europäische Teuken in eine wachsende Zahl staatlich geförderter, offener Sprachmodelle außerhalb der USA und Chinas ein. Anders als rein akademische Projekte bindet Soofi mit der Telekom-Cloud und Industriepartnern wie Merantix Momentum von Beginn an kommerzielle Infrastruktur ein.

Offen bleibt, ob die instruktionsoptimierte Version die aktuell noch als vorläufig gekennzeichnete Lizenz in eine vollständig offene Freigabe überführt und ob deutsche Unternehmen das Modell in der industriellen Erprobung tatsächlich produktiv einsetzen.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Soofi S von anderen offenen Modellen wie Llama oder Mistral?

Soofi S wurde gezielt mit einem hohen und steigenden Deutschanteil trainiert und nutzt eine Mamba-2-MoE-Architektur, die bei langen Kontexten effizienter rechnet als klassische dichte Modelle.

Wer finanziert das Soofi-Projekt und in welcher Höhe?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert den Verbund mit rund 20 Millionen Euro über das europäische Programm IPCEI-CIS.

Wo lässt sich Soofi S bereits nutzen?

Das Basismodell sowie Zwischen-Checkpoints stehen auf Hugging Face zum Download bereit; eine instruktionsoptimierte Version für Endanwendungen soll folgen.

Wie schneidet Soofi S im Vergleich zu Apertus und Olmo 3 ab?

Laut den Projektangaben liegt Soofi S in kombinierten Deutsch-Englisch-Benchmarks vor beiden Modellen, unabhängige Tests stehen bisher aus.

Ist Soofi S bereits vollständig quelloffen?

Das Basismodell ist öffentlich einsehbar, die endgültigen Lizenzbedingungen für eine vollständige Freigabe stehen laut Modellkarte noch aus.


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