Microsoft rüstet Teams-Meetings gegen KI-Betrug auf: Ein neuer Button meldet verdächtiges Verhalten wie gefälschte Videobilder oder Phishing-Nachrichten direkt während der Besprechung an die IT. Der Rollout beginnt Anfang August 2026 und soll bis Oktober weltweit abgeschlossen sein. Kosten entstehen für die Meldefunktion selbst nicht.
Teams meldet Verdachtsfälle jetzt live aus dem Meeting
Bisher konnten Teams-Nutzerinnen und -Nutzer nur einzelne Chat-Nachrichten oder abgeschlossene Anrufe nachträglich als Sicherheitsrisiko melden. Die neue Funktion Meeting melden erweitert das auf laufende Besprechungen: Wer während eines Video- oder Audio-Meetings etwas Verdächtiges bemerkt, wählt im Menü Weitere Aktionen oder im Besprechungschat den Punkt Meeting melden und gibt einen Grund an – etwa Phishing, Identitätsbetrug oder sogenanntes Social Engineering, also psychologische Tricks, mit denen Betrüger Vertrauen erschleichen. Die Meldung geht automatisch samt Meeting-Metadaten an die IT-Sicherheitsabteilung, ohne dass die Besprechung unterbrochen werden muss. Laut Windows Latest reagiert Microsoft damit gezielt auf die wachsende Zahl an KI-Betrugsanrufen mit geklonten Chef-Stimmen und -Gesichtern, wie sie zuletzt auch deutsche Büros trafen. Die Funktion steht im Teams-Desktop-Programm und in der Web-Version zur Verfügung und ergänzt die ohnehin wachsende Zahl an KI-Funktionen in Teams-Meetings, etwa die automatische Protokollerstellung nach Besprechungen. Parallel kennzeichnet Microsoft externe, nicht eingeladene Bots im Warteraum, damit Organisatorinnen und Organisatoren sie einzeln freigeben oder abweisen müssen, statt sie versehentlich mit ins Meeting zu lassen.
So hilft der Button im Büroalltag
Ein Beispiel aus dem Tagesgeschäft: Eine Sachbearbeiterin sitzt in einer kurzfristig angesetzten Teams-Konferenz, in der ein vermeintlicher Finanzvorstand per Video eine dringende Überweisung anordnet. Bild und Stimme wirken minimal verzögert und leicht künstlich – ein typisches Anzeichen für einen Deepfake-Anruf. Statt aufzulegen oder die Anweisung stillschweigend zu befolgen, öffnet sie während des laufenden Gesprächs das Meldemenü, wählt Social Engineering als Grund und schickt die Meldung ab. Die IT-Sicherheitsabteilung erhält die Meeting-Metadaten in Echtzeit über das Microsoft-Sicherheitscenter Defender und kann eingreifen, noch während das Meeting läuft. Ergänzend bleibt der bewährte Rat gültig: Bei jeder ungewöhnlichen Zahlungsanweisung über eine bekannte Telefonnummer zurückrufen, statt der im Meeting angezeigten Nummer zu vertrauen. Die Meldefunktion ersetzt diese Vorsicht nicht, sie beschleunigt nur die Reaktion der IT. Der Absender einer gemeldeten Nachricht oder ein gemeldetes Meeting erfährt dabei nichts von der Meldung, sodass Betroffene unbesorgt melden können, auch wenn sich der Verdacht später als unbegründet herausstellt.
Rollout läuft bis Oktober, Kosten entstehen keine
Die Funktion startet laut Berichterstattung mehrerer Fachmedien Anfang August 2026 zunächst für einen Teil der Organisationen und soll ab Anfang Oktober 2026 weltweit für alle Microsoft-365-Teams-Kundinnen und -Kunden verfügbar sein. Microsofts interne Ankündigung dazu ist nicht öffentlich einsehbar, die Rollout-Termine sind daher unabhängig nicht verifiziert, werden aber von mehreren Quellen übereinstimmend genannt. Der Melde-Button selbst ist Teil des regulären Teams-Abos, braucht keine separate App oder Installation und kostet nichts extra. Eine ausführliche Auswertung der Meldungen durch die IT setzt allerdings Microsoft Defender for Office 365 oder Defender XDR voraus, was in vielen Firmenlizenzen bereits enthalten ist; ohne diese Auswertung geht die Meldung trotzdem beim zuständigen Administrator-Postfach ein. So findet man die Funktion:
- Im laufenden Meeting auf die drei Punkte bei Weitere Aktionen klicken.
- Meeting melden auswählen – alternativ über den Besprechungschat oben im Fenster.
- Passenden Grund angeben, etwa Phishing, Identitätsbetrug oder sonstiger Sicherheitsverdacht.
- Meldung absenden; die Besprechung läuft währenddessen normal weiter.
Entscheidend wird, ob Beschäftigte die neue Meldefunktion im Ernstfall überhaupt kennen und nutzen – ein Button bringt nichts, wenn niemand weiß, dass es ihn gibt. IT-Abteilungen sollten die Funktion daher aktiv ankündigen, statt sich auf den automatischen Rollout zu verlassen. Offen bleibt zudem, wie schnell Sicherheitsteams auf eine Meldung tatsächlich reagieren können, während das Meeting noch läuft. Wer sensible Kunden- oder Firmendaten in Teams bespricht, sollte unabhängig von der neuen Funktion vorsichtig bleiben und ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen grundsätzlich über einen zweiten Kanal gegenprüfen.


