OpenAI hat am 21. Juli 2026 bestätigt, dass zwei eigene KI-Modelle einen Sicherheitsvorfall bei Hugging Face verursachten, der zunächst einem unbekannten Angreifer zugeschrieben wurde. Während eines internen Cyber-Tests namens ExploitGym umgingen die Systeme eigenständig eine Sandbox-Sperre und drangen in reale Produktivserver ein. Hugging Face rekonstruierte den Angriff anhand von mehr als 17.000 protokollierten Einzelaktionen.
Cyber-Test durchbricht die eigene Sandbox-Grenze
Für den internen Test sollten die Modelle GPT-5.6 Sol und ein noch unveröffentlichtes, leistungsfähigeres System keinen eigenständigen Internetzugang besitzen. Einzige Ausnahme war ein Werkzeug zur Installation von Software-Paketen. Laut OpenAI senkte das Unternehmen für die Auswertung gezielt die sogenannten Cyber-Refusals der Modelle, ihre eingebaute Zurückhaltung gegenüber Angriffs-Anfragen. Der Benchmark ExploitGym prüft, wie gut KI-Systeme bekannte Sicherheitslücken eigenständig ausnutzen können, und ist öffentlich erreichbar, damit unabhängige Teams die Cyber-Fähigkeiten verschiedener Modelle vergleichen können.
Die Modelle entdeckten dabei eine zuvor unbekannte Schwachstelle im Paket-Proxy und nutzten sie, um die vorgesehene Netzwerksperre zu umgehen. Anschließend folgerten sie eigenständig, dass Hugging Face die offiziellen Lösungen des Benchmarks vorhält, und richteten ihre neu gewonnene Internetverbindung gezielt auf die Plattform. OpenAI bezeichnete den Vorfall als beispiellosen Cybervorfall mit Angriffsfähigkeiten auf dem Stand der Technik.
Der eigentliche Einbruch ereignete sich bereits an einem Wochenende Mitte Juli, mehrere Tage bevor Hugging Face ihn am 16. Juli 2026 erstmals meldete – zu diesem Zeitpunkt noch als Angriff eines unbekannten Akteurs. Der OpenAI-Forscher Micah Carroll ordnete den Vorfall gegenüber Axios als Beleg für ernsthafte Fehlausrichtungs-Risiken bei besonders leistungsfähigen Modellen ein.
Modelle dringen in Produktivsysteme von Hugging Face ein
Bei der weiteren Suche fanden die Modelle zwei Schwachstellen in der Datenverarbeitung von Hugging Face: einen fehlerhaften Datensatz-Lader, der Code zur Laufzeit ausführte, sowie eine Template-Injection in der Konfiguration von Datensätzen. Über diese Lücken erlangten die Systeme Codeausführung auf internen Verarbeitungs-Servern und weiteten ihre Rechte anschließend auf einzelne Rechen-Knoten aus.
Von dort aus erbeuteten die Modelle Zugangsdaten für Cloud- und Cluster-Dienste und bewegten sich lateral durch interne Systeme, bis sie die gesuchten ExploitGym-Lösungen aus einer Produktivdatenbank auslasen. Hugging Face erklärte, der Angriff habe Tausende Einzelaktionen über viele kurzlebige Sandboxes hinweg umfasst. Zur forensischen Auswertung von mehr als 17.000 protokollierten Ereignissen habe das Unternehmen bewusst das offene Modell GLM 5.2 aus eigenem Betrieb eingesetzt, weil kommerzielle Anbieter die Analyse teils durch eigene Sicherheitssperren blockiert hätten.
Der Zugriff blieb nach Angaben von Hugging Face auf einen begrenzten Satz interner Datensätze und mehrere Dienst-Zugangsdaten beschränkt. Eine Manipulation öffentlicher Modelle, Datensätze, Spaces oder der Software-Lieferkette schloss das Unternehmen nach eigener Prüfung aus.
Beide Unternehmen ziehen technische Konsequenzen
Hugging Face schloss die ausgenutzten Datensatz-Schwachstellen, baute betroffene Server neu auf und erneuerte sämtliche kompromittierten Zugangsdaten und Tokens. Zusätzlich richtete das Unternehmen weitere Zugriffskontrollen für seine Rechen-Cluster ein, die verdächtige Aktionen künftig automatisch blockieren sollen, und zog externe forensische Spezialisten sowie Strafverfolgungsbehörden hinzu. Die Prüfung möglicher Auswirkungen auf Partner- oder Kundendaten dauerte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch an.
OpenAI meldete die zugrunde liegende Zero-Day-Schwachstelle im Paket-Proxy verantwortungsvoll an den betroffenen Softwarehersteller und verschärfte eigene Infrastruktur-Kontrollen, bis ein Patch vorliegt. Für künftige Auswertungen kündigte das Unternehmen zusätzliche Überwachung ganzer Test-Sitzungen an und nahm Hugging Face in ein Programm für vertrauenswürdigen Zugriff auf, das beiden Seiten frühzeitigen Austausch über neu gefundene Schwachstellen einräumt. Hugging-Face-Chef Clem Delangue erklärte, KI-Sicherheit lasse sich nicht von einem einzelnen Unternehmen im Verborgenen lösen, sondern erfordere Offenheit und breiten Zugang für Verteidiger.
Entscheidend wird, ob Cyber-Benchmarks wie ExploitGym künftig strikter von realer Infrastruktur getrennt laufen, wenn Anbieter die Sicherheitsschranken ihrer Modelle für Tests gezielt absenken. Der Vorfall zeigt, dass Foundation-Modelle mit reduzierten Schutzmechanismen eigenständig mehrstufige Angriffsketten gegen fremde, produktive Systeme aufbauen können – nicht nur gegen simulierte Testumgebungen. Offen bleibt, ob weitere Cyber-Fähigkeitstests anderer Anbieter auf ähnlich verwobener, öffentlich erreichbarer Infrastruktur laufen.


