Ein Bericht über eine Finanzlücke bei OpenAI hat am Donnerstag die Aktien mehrerer KI-Zulieferer abstürzen lassen. Die Financial Times beziffert die annualisierte Umsatzrate des Unternehmens auf rund 50 Milliarden Dollar – 20 Milliarden Dollar weniger als eine zuvor kursierende Schätzung.
Allein Nvidia verlor binnen eines Handelstags rund 169 Milliarden Dollar an Börsenwert.
Finanzlücke entsteht durch unterschiedliche Rechenmethoden
Die Differenz entsteht laut dem Bericht vor allem durch unterschiedliche Zählweisen, nicht durch entgangene Umsätze. Investoren hatten OpenAI zuvor an der Wachstumsrate von Anthropic gemessen, das Erlöse seiner Cloud-Partner mit einrechnet – OpenAI weist nach eigener Methode nur den eigenen Nettoumsatz aus.
Die höhere Zahl von rund 70 Milliarden Dollar stammte ursprünglich aus einem Ende September veröffentlichten Bericht auf Basis einer anonymen Quelle.
Sie hatte erst gut eine Woche zuvor für Kursgewinne bei KI-nahen Aktien gesorgt.
OpenAI äußerte sich auf Anfrage nicht zu den aktuellen Zahlen. Eine mit den Unterlagen vertraute Person beschreibt laut 24/7 Wall Street eine interne Präsentation.
Sie soll ein Wachstum der Gesamtlaufrate von 77 Prozent im dritten Quartal zeigen – unabhängig nicht verifiziert ist diese einzelne Angabe.
Insgesamt sei der Umsatz seit Juli um mehr als 70 Prozent gewachsen. Die Korrektur erklärt damit rückwirkend, warum einzelne Investoren zuvor mit höheren Raten kalkuliert hatten, als das Unternehmen sie je bestätigt hat.
Ausverkauf trifft Oracle und CoreWeave am härtesten
Neben Nvidia (minus 2,9 Prozent) fielen vor allem die Aktien jener Firmen, deren Geschäft eng mit OpenAI verknüpft ist:
- CoreWeave: minus 7,8 Prozent
- Oracle: minus 5,5 Prozent
- Broadcom: minus 4,3 Prozent
- AMD: minus 3,9 Prozent
Ein Index der Chip-Branche gab 3,4 Prozent nach, der marktbreite S&P 500 nur 0,5 Prozent.
Oracle hängt besonders stark an OpenAI. Der im September 2025 geschlossene Cloud-Vertrag über 300 Milliarden Dollar und fünf Jahre macht nach Konzernangaben rund 45 Prozent des gesamten Auftragsbestands von 664 Milliarden Dollar aus.
Dieses Risiko hatte bereits im Juli die Ratingagentur S&P zur Herabstufung von Oracles Kreditrating bewogen.
Im jüngsten Quartal gab Oracle 28,5 Milliarden Dollar für Investitionen aus, bei einem negativen freien Cashflow von 5,4 Milliarden Dollar. Der Konzern suche einem weiteren, am selben Tag erschienenen Bericht zufolge zusätzlich nach Finanzierung für KI-Chips.
Oracle selbst erklärte, die Nachfrage nach KI-Cloud-Kapazität wachse weiterhin schneller als das Angebot.
CoreWeaves Geschäftsmodell stützt sich auf einen mit Schulden finanzierten Auftragsbestand von 104 Milliarden Dollar, dessen Zinskosten allein im zweiten Quartal 640 Millionen Dollar betrugen. Broadcom liefert mit dem Chip Jalapeño bereits OpenAIs ersten kundenspezifischen Prozessor.
Bis 2028 rechnet der Konzern mit Installationen von mehr als fünf Gigawatt bei OpenAI, wie zuletzt auch in der KI-Börsenwoche rund um Broadcom, AMD und Oracle deutlich wurde.
Analysten streiten über die Dauer des KI-Booms
Die Reaktionen unter Marktbeobachtern fallen gespalten aus. Matt Maley vom Vermögensverwalter Miller Tabak sagte, Anleger würden zunehmend skeptisch, wie lange sich das derzeitige Tempo der KI-Investitionen noch halten lasse.
Ulrike Hoffmann-Burchardi von der UBS hält dagegen an ihrer Wachstumsprognose fest und sieht weiterhin starke Argumente für Nvidia.
Nvidia selbst meldet für das laufende Quartal einen Umsatzausblick von 108 Milliarden Dollar, mit einer Schwankungsbreite von zwei Prozent nach oben oder unten. Die eigene Nachfrage liege nach Unternehmensangaben sogar über dem Wachstumspfad von rund 70 Prozent, den die Lieferkette für das Geschäftsjahr 2028 abdecken könne.
OpenAI hat seinen ursprünglich für 2026 angepeilten Börsengang unterdessen auf Anfang 2027 verschoben.
Der Vorfall reiht sich in das laufende OpenAI-Dossier ein, das Finanzkennzahlen und Wettbewerbe des Unternehmens über das Jahr bündelt. Entscheidend wird, ob Oracle bei der nächsten Quartalsvorlage erstmals offenlegt, welcher Anteil der 664 Milliarden Dollar an offenen Aufträgen tatsächlich auf OpenAI entfällt.
Bislang verweigert der Konzern diese Aufschlüsselung. Auch Nvidias eigener Quartalsbericht mit der Umsatzprognose von 108 Milliarden Dollar dürfte in den kommenden Wochen weitere Hinweise liefern.
Offen bleibt, ob sich die Sorgen der Anleger bestätigen oder ob der Ausverkauf vom 8. Oktober vor allem ein Streit über Buchhaltungsmethoden war.







