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KI-Wirtschaft

Google startet TPU-Satelliten für Rechenzentren im All

Google hat am 1. Oktober 2026 einen ersten Satelliten mit dem KI-Chip Trillium v6e ins All gebracht, gebaut mit dem Partnerunternehmen Planet. Der Test unter dem Namen Projekt Suncatcher soll klären, ob Serverchips Strahlung und Temperaturschwankungen im Orbit überstehen. Zwei weitere Prototypen sollen Anfang 2027 folgen, eine spätere Konstellation könnte rund 80 Satelliten umfassen.

Von Brian Beckmann · 3. Oktober 2026 · 3 Min

Ein Satellit mit aufgeklebtem Google-Logo schwebt über der Erde, seine Solarpaneele leiten Licht in einen daneben treibenden Rechenzentrums-Serverschrank.

Google hat am 1. Oktober 2026 einen ersten Satelliten mit dem firmeneigenen KI-Chip Trillium v6e in den Erdorbit gebracht, gebaut mit dem Partnerunternehmen Planet.

Der Start erfolgte über die SpaceX-Sammelmission Transporter-18 im Rahmen des Forschungsprojekts Suncatcher, das prüft, ob Rechenzentren künftig im Orbit laufen können. Zwei weitere Testsatelliten sollen Anfang 2027 folgen.

Erster Test prüft Strahlung und Temperatur im All

Der Prototyp steht laut Google seit dem Start in Kontakt mit der Bodenstation und funktioniert erwartungsgemäß. In den kommenden Wochen sammelt er Messwerte dazu, wie der Chip Trillium v6e Strahlung, Vakuum und die extremen Temperaturwechsel im Orbit verträgt – Bedingungen, die Serverhardware auf der Erde nie aushalten muss.

Vorab hatte Google den Chip laut einer begleitenden Studie im Fachjournal Joule bereits am Boden mit einem Protonenstrahl von 67 Megaelektronenvolt beschossen; bis zu einer Gesamtdosis von 15 Kilorad traten demnach keine bauartbedingten Ausfälle auf.

Verantwortlich für die Studie zeichnet Travis Beals, bei Google Senior Director für den Forschungsbereich Paradigms of Intelligence. Das Vorhaben läuft offiziell als langfristiges Forschungsprojekt und nicht als kommerzielles Produkt.

Einen Zeitplan für einen Marktstart oder ein Preismodell für Rechenleistung aus dem Orbit nennt der Konzern bislang nicht; auch eine Verfügbarkeit für Kunden in Europa ist offen.

Der aktuelle Satellit ist nur der erste Schritt einer größeren Vision: Google will nach eigenen Angaben künftig rund 80 eng gestaffelte Satelliten zu einem Rechen-Schwarm verbinden, die jeweils nur 300 Meter bis einen Kilometer Abstand halten – etwa 120-mal enger als bei den Starlink-Satelliten von SpaceX üblich.

Solarzellen liefern im Orbit laut Google bis zu achtmal mehr Energie als am Boden, weil Wolken und Nachtphasen fehlen; in einer sonnensynchronen Umlaufbahn geht die Sonne für die Satelliten praktisch nie unter. Erste Tests der optischen Datenverbindung zwischen den Chips erreichten bereits 800 Gigabit pro Sekunde in jede Richtung; Google hält auch mehrere Terabit pro Sekunde für technisch machbar.

Für derart enge Formationen reicht die heute verfügbare Satellitentechnik nach Konzernangaben nicht aus; Lageregelung und Antriebssysteme müssten für solche dichten Schwärme erst weiterentwickelt werden. Zwei weitere Prototypen sollen gemeinsam mit Planet Anfang 2027 ins All starten und zusätzlich die Laserverbindung zwischen zwei Satelliten im Orbit erproben.

Kritiker zweifeln an den Transportkosten ins All

Wirtschaftlich steht und fällt das Vorhaben mit den Raketenstartkosten. Googles eigener Rechnung zufolge, die unter anderem das Fachmedium The Register auswertet, wird Rechenleistung im All erst ab Transportkosten von rund 200 Dollar pro Kilogramm vergleichbar günstig wie ein Rechenzentrum am Boden – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist.

SpaceX müsste dafür rund 1.800 weitere Starship-Flüge mit insgesamt etwa 370.000 Tonnen Nutzlast absolvieren und einzelne Bauteile bis zu 100-mal wiederverwenden; die Kosten sinken bislang um etwa 20 Prozent pro Verdopplung der insgesamt transportierten Masse.

Ähnlich skeptisch äußerten sich Branchenanalysten bereits zu den Plänen des Konkurrenten SpaceX, eigene Rechenzentren im Orbit zu betreiben – Experten erwarten eine wirtschaftliche Parität zur Bodeninfrastruktur dort frühestens um das Jahr 2040.

Auch bei der Formationsflug- und Lasertechnik räumt Google ein, dass heutige Netzwerktechnik für derart viele, eng benachbarte Satelliten nicht ausreicht.

Entscheidend wird, ob Google das technische Problem schneller löst als die Transportkosten sinken: Lageregelung, Laserverbindung und Chip-Kühlung im Vakuum müssen für einen Schwarm aus Dutzenden Satelliten noch im industriellen Maßstab funktionieren, nicht nur in einem einzelnen Testflug.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit den zwei weiteren Prototypen, die Google und Planet für Anfang 2027 angekündigt haben.

Quellen

  1. Google: Project Suncatcher prototype satellite is in orbit
  2. The Register: Google launches first datacenter satellite
  3. Interesting Engineering: Google Project Suncatcher space AI

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